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Deutsche Bank und Commerzbank: Von der Krise zum Comeback
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Deutsche Bank und Commerzbank: Von der Krise zum Comeback

Auf einen Blick

  • 2016 waren die Deutsche Bank und die Commerzbank in der schwersten Krise ihrer Geschichte.
  • Heute verdienen beide Milliarden und zahlen Dividenden.
  • Die Fusion scheiterte, doch beide Institute haben sich getrennt saniert.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

2016 befanden sich die Deutsche Bank und die Commerzbank in einer tiefen Krise. Eine Fusion wurde erwogen, aber nicht umgesetzt. Beide Institute haben sich seitdem getrennt saniert.

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Die Frau am Stehtisch hat noch einiges vor sich. Es ist der 19. Mai 2016, als sie ihrem Unmut auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle Luft macht. In der Hand hält sie einen Teller mit Kartoffelsalat und Frankfurter Würstchen, es ist das Menü, das die Bank ihren Anteilseignern traditionell auf dem Aktionärstreffen anbietet. Doch die Frau, die selbst Aktien des Unternehmens besitzt, will es bei dem einen Teller nicht belassen. „Ich esse jetzt noch 1000 Portionen“, sagt sie, „als Dividende, um hier ohne Verlust rauszukommen.“

Wer Wertpapiere der größten deutschen Bank besitzt, der hat 2016 wenig Freude daran. Der Aktienkurs, sagt ein Aktionärsvertreter auf der Versammlung, sei ein Desaster, die Dividende liege bei null, und überhaupt befinde sich die Deutsche Bank in nichts weniger als in der schwersten Krise ihrer Geschichte. „Ein Sanierungsfall“, findet der Fondsmanager und erntet Applaus. Viele Aktionäre sind verärgert. Die Verluste, die sie mit den Bank-Papieren eingefahren haben, lassen sich auch mit Würstchen nicht kompensieren.

Szenenwechsel, Commerzbank-Tower, wenige Wochen zuvor. Auf der Bilanzpressekonferenz der Commerzbank wird Vorstandschef Martin Blessing von einem Journalisten gefragt, ob er seinen Kollegen, Deutsche-Bank-Chef John Cryan, eigentlich bemitleide. Während Blessing gerade einen Gewinn von knapp über einer Milliarde Euro bekannt gegeben hatte, musste der Brite Cryan ein Rekordminus von 6,7 Milliarden Euro verkünden. Zwar antwortet Blessing damals nur, dass er auf die Frage nicht antworte. Aber allein dass sie gestellt wurde, hatte schon genügend Aussagekraft: Denn während die Commerzbank als das langjährige Sorgenkind der Branche nach einer Art Achterbahnfahrt im Anschluss an die Finanzkrise erstmals 2016 wieder einen Milliardengewinn einfuhr, steckte die Deutsche Bank mitten in einem schmerzhaften Umbau, der garniert wurde von Rechtsstreitigkeiten, Strafzahlungen und folgerichtig einem schwachen Aktienkurs.

Doch auch die Commerzbank fuhr – trotz des Gewinns und trotz der Tatsache, dass Martin Blessing quasi zum Abschied noch mal eine Dividende ausschüttete – in schwierigem Fahrwasser, dafür sorgte seinerzeit schon die Niedrigzinspolitik der EZB. Auf Martin Blessing folgte 2016 Martin Zielke an der Spitze des Konzerns vom Frankfurter Kaiserplatz, und der machte schnell deutlich, dass es einer neuen Strategie inklusive Stellenabbau bedürfe, um die Bank sicher in die Zukunft zu führen.

Die Commerzbank und die Deutsche Bank sind seit vielen Jahrzehnten zwei wichtige Akteure am Finanzplatz Frankfurt, insgesamt sind allein in der Mainmetropole derzeit gut 20.000 Männer und Frauen für die beiden Konzerne tätig. Zudem prägen ihre Namen, ihre Historie und ihre finanzielle Größe das Bild des Finanzplatzes und damit einer Branche, die für Frankfurt imagebildend ist. Doch mit dieser Bedeutung geht auch einher, dass beide Unternehmen traditionell unter besonderer Beobachtung stehen.

Das Krisenjahr, das 2016 für beide Häuser war, war hier wie dort aus zweierlei Gründen ein besonderes: erstens, weil beide Häuser danach ganz unterschiedliche Geschichten schrieben. Und zweitens, weil damals zum ersten, aber nicht zum letzten Mal darüber nachgedacht wurde, ob die wichtigsten privaten Geldhäuser des Landes nicht einzeln zu klein, aber gemeinsam groß genug sein könnten, um sich am Markt und gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz vor allem aus den USA zu behaupten.

Die Idee also, dass man aus der Commerzbank und der Deutschen Bank womöglich einen starken großen Frankfurter Konzern, einen „deutschen Bankenchampion“, wie es damals hieß, schmieden könnte, kam John Cryan und Martin Zielke wohl im Laufe des Jahres. Damals soll es zwischen den beiden Vorstandschefs erstmals Gespräche über eine Fusion gegeben haben, ohne allerdings in konkrete Verhandlungen zu treten. Man müsse erst mal seine Hausaufgaben machen, jeder für sich, hieß es, dann könne man noch einmal darüber nachdenken.

Und das tat man dann auch. Im März 2019 machten Deutsche Bank und Commerzbank offiziell, worüber zuvor monatelang spekuliert worden war: Sie nahmen Fusionsgespräche auf. Aus Sicht der Politik, insbesondere des damaligen Bundesfinanzministers und späteren Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), hätte ein Zusammenschluss einen schlagkräftigen nationalen Bankenchampion schaffen können. Gleichzeitig galt das Vorhaben als riskant, weil sich beide Institute noch mitten im Umbau befanden und ihre Ertragskraft als zu schwach für einen reibungslosen Zusammenschluss eingeschätzt wurde.

Nach nur rund sechs Wochen zogen die Vorstände den Stecker. Ende April 2019 erklärten beide Banken, eine Fusion biete zwar strategische Chancen, die Integrationsrisiken, der hohe Kapitalbedarf und die milliardenschweren Restrukturierungskosten seien jedoch größer als der mögliche Nutzen. Hinzu kamen Befürchtungen, dass ein Zusammenschluss den Abbau von weit über 20.000 Arbeitsplätzen nach sich ziehen würde.

Heute gelten die gescheiterten Fusionsgespräche als entscheidende Wegmarke. Zum einen, weil sie aufzeigten, wie groß die Zweifel an der Zukunft beider Institute damals waren. Zum anderen, weil sich danach die eigentliche Wende vollzog – und zwar nicht gemeinsam, sondern getrennt. Beide Banken konzentrierten sich auf ihre eigenen Baustellen und leiteten tiefgreifende Umbauten ein.

Die Deutsche Bank widerlegte die Prognose, selbst ein Übernahmekandidat zu sein. Im Sommer 2019 kündigte der inzwischen zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegene Christian Sewing den tiefgreifendsten Umbau der Bank seit Jahrzehnten an. Das Investmentbanking wurde deutlich verkleinert, weltweit fielen Tausende Stellen weg. Die ersten Jahre verliefen mühsam, doch nach und nach zahlte sich die Strategie aus. Aus den Verlusten wurden Gewinne, die Bank schüttet wieder Dividenden aus, der Aktienkurs erholte sich Schritt für Schritt. Hatte die Aktie im Herbst 2016 zeitweise weniger als zehn Euro gekostet, notiert sie inzwischen wieder bei mehr als 30 Euro. 2025 verdiente die Deutsche Bank mehr als sieben Milliarden Euro – so viel wie seit der Zeit vor der Finanzkrise nicht mehr.

Auch die Commerzbank fand ihren Weg zurück. Nach mehreren Strategiewechseln und einem erheblichen Stellenabbau profitierte das Institut wie viele andere Banken vom Ende der Niedrigzinsphase. Die Erträge stiegen deutlich, die Gewinne erreichten Rekordniveau, die Dividende kehrte zurück. Operativ gelang damit ebenfalls eine Sanierung. Dennoch blieb ein wesentlicher Unterschied bestehen: Während sich die Deutsche Bank zunehmend aus der Diskussion um ihre Eigenständigkeit verabschiedete, galt die Commerzbank dauerhaft als möglicher Übernahmekandidat. Immer wieder kursierten Spekulationen über ein Interesse aus dem Ausland. Spätestens mit dem Einstieg der italienischen Großbank Unicredit bekamen diese eine neue Dimension. Aus einer theoretischen Möglichkeit ist inzwischen ein konkretes Szenario geworden.

Dieser Text entstammt der aktuellen Ausgabe des F.A.Z.-Wirtschaftsmagazins „Metropol“.

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Rückblickend zeigt sich damit, wie prägend das Jahr 2016 tatsächlich war. Während die Deutsche Bank auf dem Tiefpunkt ihrer Geschichte angekommen zu sein schien, vermittelte die Commerzbank zumindest den Eindruck, das Schlimmste überstanden zu haben. Zehn Jahre später haben sich die Vorzeichen grundlegend verändert. Beide Institute verdienen Milliarden und zahlen wieder Dividenden. Beide Banken sind wieder erfolgreich, machen Milliardengewinne, wenngleich die Transformation immer noch im Gange ist. Nur während an der Taunusanlage bei der Deutschen Bank weitgehend Ruhe herrscht, geht am Kaiserplatz bei der Commerzbank die Angst vor den Übernahmephantasien von Unicredit-Chef Andrea Orcel um. Das Ende ist zwar offen. Dass in zehn Jahren beide Häuser immer noch nebeneinander existieren, gilt derzeit aber als ziemlich unwahrscheinlich.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Die Commerzbank wird in den nächsten zehn Jahren nicht mehr eigenständig existieren.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Jahren

Offene Fragen

  • Wird die Commerzbank von Unicredit übernommen?
  • Wie wird sich die Deutsche Bank weiterentwickeln?

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