Deutscher WM-Auftakt: Ein Raketenstart mit kleiner Delle
Auf einen Blick
- Die deutsche Nationalmannschaft startete mit einem beeindruckenden 7:1-Sieg gegen Curaçao in die Weltmeisterschaft.
- Trotz eines zwischenzeitlichen Gegentores zeigte das Team um Trainer Julian Nagelsmann eine starke Leistung und deutete sein Potenzial an, muss aber auch die Mahnung vor besseren Gegnern mitnehmen.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die deutsche Nationalmannschaft startete ihre Weltmeisterschaft mit einem deutlichen Sieg gegen Curaçao. Das Spiel fand in Houston statt, einer Stadt, die für ihre Raumfahrt bekannt ist.
Als Felix Nmecha den Ball nach knapp sechs Minuten auf eine perfekte Flugbahn schickte, sah es schon nach einem Raketenstart der deutschen Nationalmannschaft in diese Weltmeisterschaft aus. Passend zum Spielort, der Raumfahrtstadt Houston, dröhnte zum ersten Mal „Major Tom“ aus den Lautsprechern: Die Torhymne, die die Deutschen mit in die Vereinigten Staaten gebracht haben.
Und weil sie noch weitere sechs Mal folgte, nach den Treffern von Nico Schlotterbeck (38.), Kai Havertz per Foulelfmeter (45.+5), Jamal Musiala (47.) Nathaniel Brown (68.), Deniz Undav (78.) und noch einmal Havertz (88.), wurde daraus ein Auftakt, der Lust auf mehr machte – nicht zuletzt den Deutschen selbst.
Neben den zum Teil feinen Toren beim 7:1 gegen Curaçao fiel die Freude auf, mit der sie von den Nationalspielern und ihrem Trainer Julian Nagelsmann aufgenommen wurden. Man konnte sehen: Hier freut sich ein Team gemeinsam, auch auf die kommenden Aufgaben. Dank des hohen Resultats dürfte dieser erste Sieg schon die Qualifikation für die K.-o.-Runde bedeuten.
Was am Ende im Gesamtbild fast ein bisschen unterging: Dass die Deutschen neben den vielfältig verteilten Kostproben, zu welchen Höhen sie fähig sind, auch eine singuläre Mahnung mit auf den weiteren Weg bekamen. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Livano Comenencia (21.) und mehr noch die Phase, die darauf folgte, führte vor Augen, wie schnell die Erde sie auch wiederhaben könnte, wenn bessere Gegner kommen als der 82. der Weltrangliste.
Aber selbst wenn dieser Auftritt am Sonntag zur ungewohnten Mittagsstunde nicht völlig schwerelos war: Mit einem erhebenden Gefühl durften sich die Deutschen allemal auf den Rückflug aus Texas in ihr Quartier in North Carolina machen, insbesondere wenn man es mit den vergangenen Turnieren verglich.
Es war in jedem Fall hilfreich, dass diese WM ein „Soft Opening“ für Nagelsmann und sein Team bereithielt, einen vergleichsweise sanften Einstieg – anders als 2018 und 2022, als die Auftaktniederlagen gegen Mexiko und Südkorea schon der Anfang vom Ende waren. Diesmal kommen bekanntlich ja auch die acht besten Gruppendritten der zwölf Vorrundengruppen weiter.
Und auch, was die Bedingungen anging, spielten die Deutschen in Houston noch in der Komfortzone. Während es draußen schwülheiß bei 32 Grad Celsius war, herrschte im klimatisierten NRG Stadium angenehmes Fußballklima. Das wird sich an den nächsten Stationen ändern, am Samstag in Toronto gegen die Elfenbeinküste und dann am Donnerstag darauf im Finalstadion von New Jersey gegen Ecuador. Dann wird sich womöglich auch zeigen, wie sehr der positive Effekt aufs Binnenklima auf die weiteren Leistungen auf dem Rasen ausstrahlen kann.
Die Premiere, zugleich Nagelsmanns erstes WM-Spiel überhaupt, ließ sich gleich gut an für die Deutschen. Vom Anstoß weg schufen sie eine gute Dynamik aus Kontrolle und Beschleunigung. Insbesondere Brown auf der linken Seite sorgte für viel Schwung nach vorn, im Mittelfeld war Nmecha das Kraft- und auch Kreativzentrum, und nach einigen Annäherungen sah es spielend leicht aus, wie er sein Team in Führung brachte. Ein einfacher Pass zu Wirtz, eine einfache Berührung retour, dann ein platzierter Stoß mit der Innenseite des rechten Fußes, und schon war der Ball unterwegs in Richtung langes Eck. Danach hielten die Deutschen das Momentum zunächst aufrecht, Nmecha, Sané und Wirtz hatten Chancen, auf 2:0 zu erhöhen.
Doch dann schlich sich eine gewisse Nachlässigkeit ein. Der Ball war nun häufiger auch beim Gegner, und der zeigte, dass er damit – Stichwort niederländische Fußballschule – etwas anzufangen wusste. Nach 21 Minuten schaute der Mann im grünen Trikot mit der Nummer eins ein bisschen fassungslos nach oben. Vorher hatte Manuel Neuer diesem Spiel beschäftigungslos zusehen können, doch als dann der erste Ball auf sein Tor kam, lag er gleich im Netz. Es waren unglückliche Umstände, die den Treffer begünstigten: Dass Curaçao nach Schlotterbecks Klärung in Ballbesitz blieb, genauso wie die Berührung Kimmichs, die den Schuss Comenencias noch abfälschte. Doch dass es überhaupt so weit kam, hatte auch etwas mit nachlässigem Verteidigen zu tun, konkret war es Schlotterbeck, der nicht konsequent genug gewesen war.
Der Treffer ging nicht spurlos an den Deutschen vorüber, eine Weile wirkte ihr Vortrag nun zusammenhanglos. Zwar sorgten Wirtz und Musiala immer noch für Situationen, aus denen etwas hätte werden können, aber kohärent sah es nicht mehr aus. An Bindung fehlte es in dieser Phase nicht nur Havertz und Sané, auch Kimmich hatte man schon einmal einflussreicher gesehen. Es passte ins Bild, dass die abermalige Führung durch eine Standardsituation fiel. Beim von Brown getretenen Eckball und dem Einlaufen Schlotterbecks Richtung Tor, waren sich die Bewegungen perfekt aufeinander abgestimmt. Und als in der Nachspielzeit Nmecha nach einem Foul zu Boden ging, war das eine willkommene Einladung an Havertz.
Nach der Pause machten die Deutschen sofort und mit Entschlossenheit dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Dass Musiala gleich traf, dürfte nicht die Hoffnungen auf eine ansteigende Turnierkurve beflügelt haben – aber nicht nur bei ihm. Nun schien den Deutschen alles leicht zu fallen, auch das richtige Wechseln. Nach 64 Minuten kam Undav für Musiala und fügte sich gleich mit maximaler Effizienz ein: der Vorlage zu Browns Treffer, seinem eigenen zum 6:1 und einer weiteren Vorarbeit zum Schlusspunkt, den Havertz setzte.
Offene Fragen
- Wie werden die Deutschen gegen stärkere Gegner abschneiden?
- Kann das Team die positiven Effekte des ersten Spiels beibehalten?

