EU bereitet neue Zölle gegen chinesische Hybrid-Autos vor
Auf einen Blick
- Die EU plant, Ausgleichszölle gegen chinesische Hybrid-Autos zu verhängen, um Subventionen auszugleichen.
- Dies soll eine Lücke schließen, die chinesische Hersteller seit Mitte 2024 ausnutzen.
- Die Entscheidung soll beim EU-Gipfel fallen.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die EU bereitet neue Maßnahmen vor, um ihren Binnenmarkt gegen chinesische Importe abzuschotten. Konkret sollen Ausgleichszölle gegen chinesische Hybrid-Autos verhängt werden, um chinesische Subventionen auszugleichen.
Von den bisherigen Zöllen gegen chinesische Autohersteller sind Hybride ausgenommen. Nun liegen konkrete Maßnahmen vor, um diese Lücke zu schließen. Das erfuhr das Handelsblatt von Insidern. Jakob Hanke Vela, Olga Scheer, Lazar Backovic und Felix Stippler 18.06.2026 - 20:44 Uhr Artikel anhören
Bundeskanzler Friedrich Merz (Mitte) mit anderen EU-Staatschefs: Könnten noch am Donnerstagabend die neuen Maßnahmen beschließen. Foto: Michael Kappeler/dpa
Brüssel, Düsseldorf. Die EU bereitet neue Maßnahmen vor, um ihren Binnenmarkt schon in den nächsten Wochen stärker gegen chinesische Importe abzuschotten. Das erfuhr das Handelsblatt von hochrangigen EU-Beamten und aus Industriekreisen.
Demnach will die EU-Kommission sogenannte Ausgleichszölle gegen chinesische Hybrid-Autos verhängen, um den Effekt chinesischer Subventionen für diese Warengruppe auszugleichen. Die Untersuchung sei bereits vorbereitet, daher könne die EU-Kommission rasch Zölle verhängen, sobald eine Mehrheit der EU-Staaten ihr Einverständnis gebe, hieß es.
Hybride sind bislang von den sogenannten Ausgleichszöllen auf chinesische Elektroautos ausgenommen, die die EU seit Mitte 2024 erhebt. Seitdem haben viele chinesische Hersteller mehr Autos in die EU geliefert, die sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor haben.
Industrie mahnt zum Schließen des Schlupflochs
Nach Angaben hochrangiger EU-Beamter sei ein Antisubventionsverfahren bereits vorbereitet. Die Abstimmung der Staats- und Regierungschefs solle beim EU-Gipfel am Donnerstagabend stattfinden. Zwar wollen die Regierungschefs sich nicht öffentlich zu China äußern. Doch bei ihrem gemeinsamen Abendessen werden sie hinter verschlossenen Türen über neue Maßnahmen diskutieren, um gegen chinesische Überkapazitäten vorzugehen.
Auch die europäische Industrie sieht Handlungsbedarf an dieser Stelle: „Die Chinesen waren da sehr agil, die haben schnell das Schlupfloch gesehen und ausgenutzt“, sagt ein Industriemanager. „Das ist eine offene Flanke, die EU muss sie schließen.“
Autoindustrie
Plug-in-Absatz steigt um bis zu 17.000 Prozent: Wie Chinas Autobauer die Strafzölle der EU umgehen
Zahlen des Branchendiensts Dataforce zufolge sind die Zulassungen des chinesischen Herstellers BYD bei Plug-in-Hybriden in der EU in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 260 Prozent angestiegen, bei reinen Elektroautos betrug das Plus nur 78 Prozent. Der Hersteller Chery steigerte seine Plug-in-Auslieferung sogar um 668 Prozent auf gut 28.000 Einheiten. Im selben Zeitraum lieferte das Unternehmen nur 2247 vollelektrische Autos aus.
Merz nennt „währungspolitische Probleme“
Die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller ist über die Automobilindustrie hinaus Thema in Brüssel. Im Fokus stehen auch Chemiebranche und Maschinenbau. Nach Informationen aus EU-Kreisen beschäftigte sich die Kommission zuletzt in einem internen Workshop ausführlich mit Wettbewerbsverzerrungen durch China. Dabei seien neben staatlichen Subventionen auch makroökonomische Faktoren wie eine mögliche Unterbewertung der chinesischen Währung thematisiert worden.
Auf dem Gipfel der sieben führenden Industrienationen (G7) hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Mittwoch gesagt, er habe in der Runde der westlichen Industrienationen auf die „währungspolitischen Probleme“ einiger Staaten hingewiesen. Wenn die Währung einer Volkswirtschaft in einer Größenordnung zwischen 25 und 30 Prozent gegenüber anderen unterbewertet sei, „ist das ein massiver Wettbewerbsnachteil, über den wir sprechen müssen“. US-Präsident Trump sehe das ebenso, „weil ja auch Amerika davon betroffen ist“, so Merz.
Lange hatte die Bundesregierung zusätzliche handelspolitische Maßnahmen gegen China abgelehnt, weil sie Vergeltungsschritte befürchtete. Zuletzt hat aber ein Umdenken eingesetzt. So hat Merz nach Handelsblatt-Informationen keine Einwände mehr, dass die EU-Kommission im Auftrag des Europäischen Rats schärfere Handelsmaßnahmen vorbereitet.
EU-Gipfel
„Sprich leise und halte den Knüppel bereit“: Wie die EU sich auf einen Showdown mit China vorbereitet
Mehrere Staats- und Regierungschefs halten auch den zeitlichen Faktor für relevant. Man könne nicht mehr Jahre warten, sagen Diplomaten in Brüssel. Auch breitere Schutzzölle, wie sie die USA gegen China verhängt haben, waren deshalb im Gespräch. Allerdings wollen die Regierungschefs einen neuen Handelskonflikt vermeiden, daher präferieren sie zunächst den gezielten Einsatz bestehender Schutzinstrumente für besonders gefährdete Branchen.
Abgeordneter lobt Kurswechsel in Berlin
Genau wie die bisherigen Ausgleichszölle für Elektroautos sollen auch diejenigen für Hybride herstellerspezifisch sein. Da Batterien bei Plug-in-Hybriden einen geringeren Anteil an den Gesamtkosten haben als bei reinen Elektroautos, dürfte die Höhe möglicher Strafzölle allerdings unter den aktuellen Sätzen für E-Fahrzeuge liegen, schätzen Industrievertreter.
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Aus dem EU-Parlament kommt Unterstützung für das Vorhaben: „Der heutige Gipfel ist die Gelegenheit zur Kurskorrektur“, sagte der EU-Abgeordneter Michael Bloss (Grüne) am Donnerstag in Brüssel. „Die Staats- und Regierungschefs müssen jetzt liefern, bevor der nächste Sektor verloren ist.“
„In Berlin wächst die Erkenntnis, dass Chinas Wirtschaftsmodell die industrielle Substanz Europas und vor allem auch Deutschlands gefährdet“, sagte der Ökonom Nils Redeker vom Jacques Delors Centre. Dass sich diese Diagnose inzwischen in großen Teilen der Bundesregierung durchsetze, sei ein „echter Kurswechsel“. Der Europäische Rat solle die Kommission daher noch in dieser Woche beauftragen, deutlich entschlossener gegen unfaire Handelspraktiken aus China vorzugehen.
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