Grünen-Politiker Nimmermann wird Bundesbank-Vorstand
Auf einen Blick
- Philipp Nimmermann, Staatssekretär unter Robert Habeck, wird Nachfolger von Burkhard Balz (CDU) im Vorstand der Bundesbank.
- Baden-Württemberg schlägt Nimmermann vor, der als Wunschkandidat von Finanzminister Danyal Bayaz gilt.
- Nimmermann, promovierter Ökonom, bringt Erfahrung aus Bankwesen und Politik mit.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Philipp Nimmermann, promovierter Ökonom und ehemaliger Staatssekretär, wird voraussichtlich in den Vorstand der Bundesbank einziehen. Baden-Württemberg hat das Vorschlagsrecht und einigte sich auf Nimmermann.
Frankfurt. In den Vorstand der Bundesbank wird erstmals ein Parteimitglied der Grünen einziehen. Philipp Nimmermann, unter Robert Habeck Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, wird Nachfolger von Burkhard Balz (CDU). Das erfuhr das Handelsblatt exklusiv aus Regierungskreisen in Baden-Württemberg.
Das Vorschlagsrecht für die Nachbesetzung liegt in Stuttgart. Laut Bundesbank-Gesetz wird der Vorstand zur Hälfte von den Bundesländern und zur Hälfte von der Bundesregierung bestimmt. Diesmal war Baden-Württemberg an der Reihe.
Die Spitzen der dort regierenden Koalition aus Grünen und CDU hätten sich am Wochenende darauf verständigt, Nimmermann für den Posten vorzuschlagen. Das sagten zwei mit der Sache vertraute Personen dem Handelsblatt. Nimmermann gilt als Wunschkandidat von Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz, der für die Personalie zuständig ist.
Nimmermann ist promovierter Ökonom. Er studierte an der Frankfurter Goethe-Universität und arbeitete 15 Jahre für die BHF-Bank (heute Oddo BHF). Unter anderem leitete er dort die volkswirtschaftliche Abteilung.
Im Jahr 2014 wechselte er in die Politik. Nach Stationen als Staatssekretär auf Landesebene in Schleswig-Holstein und Hessen holte der frühere Grünen-Parteichef Habeck ihn 2023 ins Bundeswirtschaftsministerium. Dort war Nimmermann bis zum Bruch der Ampel-Koalition Staatssekretär. Habecks Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU) entließ ihn im Mai 2025.
Für Nimmermann spreche sowohl sein fachlicher Hintergrund als auch sein politisches Gespür, hieß es in Stuttgarter Regierungskreisen. Er sei mit der deutschen Bankenlandschaft, Europas Finanzsystem und der Rolle der Bundesbank vertraut. Seine Erfahrungen als Banker seien wichtig. Hilfreich sei zudem, dass der 60-Jährige politisch versiert sei.
Nimmermann sticht Moritz Kraemer aus. Der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) war ebenfalls als Kandidat für den Bundesbank-Vorstand gehandelt worden. In Bundesbank und Bundesregierung sei die Personalie Nimmermann wohlwollend aufgenommen worden, hieß es in Stuttgart. Ein Sprecher der Bundesbank wollte sich nicht äußern.
Bald schon solle Nimmermann offiziell vom Kabinett nominiert werden, hieß es in Stuttgarter Regierungskreisen. Die Personalie muss anschließend durch den Bundesrat, der dafür den Vorstand der Bundesbank anhört. Das gilt ebenso wie die Zustimmung der Bundesregierung als Formsache.
Dennoch wird die Personalie aller Voraussicht nach erst nach der Sommerpause den Bundesrat passieren. Somit dürfte Balz’ Posten für wenige Wochen oder Monate unbesetzt sein. Die Bundesbank hat damit einschlägige Erfahrungen: In den vergangenen Jahren waren phasenweise nur drei der sechs Vorstandsposten besetzt, weil Nachbesetzungen sich verzögerten.
Von seiner Arbeitsweise her dürfte Nimmermann in die hierarchisch geprägte Bundesbank passen. In Habecks Ministerium hielt er sich an die gebotenen Abläufe, galt als vertrauenswürdig mit Blick auf Absprachen und machte sich vor allem als Organisator einen Namen. Seit dem Regierungswechsel in Berlin und seinem Ausscheiden trat Nimmermann kaum noch öffentlich in Erscheinung.
Das dürfte sich bei der Bundesbank ändern. Für den digitalen Euro wirbt die Bundesbank mit einer regelrechten PR-Offensive. Balz tritt dazu immer wieder bei Veranstaltungen auf. Er führt aber auch im Hintergrund viele Gespräche mit Politikern, Beamten und Diplomaten in Brüssel, um das notwendige Gesetzespaket zum digitalen Euro und zum Erhalt des Bargelds in die Spur zu bringen. Aber auch andere Vorstandsmitglieder treten regelmäßig öffentlich auf.
Offen ist, ob Nimmermann Balz’ Themengebiet übernimmt. Alternativ könnte ein amtierendes Vorstandsmitglied zum Zug kommen und Nimmermann andere Aufgaben übergeben. Ein größerer Umbau im Bundesbank-Vorstand zeichnet sich jedenfalls nicht ab: Balz’ Portfolio mit dem Thema Geld in allen Facetten gehöre untrennbar zusammen und solle nicht auseinandergerissen werden, heißt es in Bundesbankkreisen.
Balz hat derweil bereits eine neue Aufgabe gefunden. Finanzkreisen zufolge ist Balz in den Aufsichtsrat des globalen Finanzdienstleisters Swift gewählt worden. Swift wickelt internationale Zahlungen im Auftrag von Banken ab und machte 2022 durch den Ausschluss Russlands Schlagzeilen.
Balz werde den Risikoausschuss von Swift leiten, hieß es in Finanzkreisen. Dabei wird Balz bei Themen wie Sanktionen, Cyber- und IT-Risiken sowie geopolitischen Machtfragen im globalen Zahlungsverkehr gefragt sein. Wie schnell Balz bei Swift beginnen kann, ist den Finanzkreisen zufolge noch unklar und Gegenstand von Compliance-Verhandlungen mit der Bundesbank.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Nimmermann wird offiziell nominiert und vom Bundesrat bestätigt.
Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten
Offene Fragen
- Welches Themengebiet übernimmt Nimmermann?
- Wann beginnt Balz bei Swift?


