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Hamburg lässt NSU-Mord wissenschaftlich aufarbeiten
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Die Welt23.06.2026Politik5 dk okumaGermany

Hamburg lässt NSU-Mord wissenschaftlich aufarbeiten

Auf einen Blick

  • Hamburg beginnt mit wissenschaftlicher Aufarbeitung des NSU-Mordes.
  • Die Familie des Opfers lehnt eine Gedenkfeier zum 25.
  • Jahrestag ab und fordert weiterhin einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

In Hamburg erinnert ein Gedenkstein an den NSU-Mord in der Schützenstraße. Während andere Bundesländer Untersuchungsausschüsse einrichteten, gab es in Hamburg nur einen Senatsbericht.

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Hamburg lässt NSU-Mord wissenschaftlich aufarbeiten

Am Hamburger Tatort in der Schützenstraße erinnert seit Ende 2012 ein Gedenkstein an den Mord. Nicht weit entfernt wurde 2014 ein 300 Meter langes Teilstück der Kohlentwiete in Taşköprüstraße unbenannt. Forderungen, die Schützenstraße selbst umzubenennen – wie auch von den Angehörigen gewünscht, waren am Widerstand der Anwohner gescheitert.

In allen anderen Bundesländern, in denen der NSU gemordet hatte, wurden Parlamentarische Untersuchungsausschüsse (PUA) eingerichtet, um das Behördenversagen aufzuklären, nur in Hamburg nicht. Der Senat der Hansestadt hatte 2014 einen fast 90 Seiten langen Bericht zur NSU-Mordserie vorgelegt, in dem der Fall aus seiner Sicht umfangreich aufgearbeitet worden ist.

Doch die Rufe nach mehr Aufklärung verstummten nicht. Anfang vergangenen Jahres begann dann im Auftrag der Bürgerschaft ein interdisziplinäres Forschungsteam mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung. Das Ziel ist eine unabhängige Untersuchung der Geschehnisse und eine umfassende Analyse der damaligen Strukturen und Netzwerke.

Familie lehnt Gedenkfeier zum 25. Jahrestag ab

Für die Familie, die nach wie vor einen PUA fordert, ist das nicht genug. Sie fühlt sich von der Politik alleingelassen. Wie tief die Kluft zwischen der Stadt und den Angehörigen ist, zeigte sich nun bei den Vorbereitungen zum 25. Jahrestag der lange unaufgeklärten Tat.

„Mir ist es sehr wichtig, mit der Familie in Kontakt zu treten, deshalb habe ich Anfang des Jahres einen Brief geschrieben“, sagt Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit. „Ich suchte den Kontakt auch mit Blick auf unser Forschungsprojekt und hoffte, das sei ein guter Anknüpfungspunkt.“ Doch lange sei keine Rückmeldung gekommen. Zwischenzeitlich hatte die Bürgerschaft auf Antrag von SPD, Grünen, CDU und Linken beschlossen, dass „eine zentrale Gedenkveranstaltung“ anlässlich des 25. Jahrestages „unter Berücksichtigung der Wünsche der Familie Taşköprü durchgeführt werden“ sollte.

Dann – so erinnert sich Veit – kam von den Angehörigen die ablehnende Antwort auf ihren Brief, „in der die Familie sagte, sie wolle sich nicht instrumentalisieren lassen“. Erneut sei unter anderem ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss gefordert worden.

Alle Gedenkveranstaltungen werden abgesagt

Die Planungen für ein Gedenkformat liefen da bereits. So hatte das Erinnerungs- und Kulturprojekt „Kein Schlusstrich“, dass sich bundesweit mit den NSU-Morden und den Hintergründen des rechten Terrors auseinandersetzt, ein Programm ausgearbeitet. „Sowohl vor als auch während der Programmplanung standen wir in Kontakt mit der Familie“, sagt Leyla Erkuş von „Kein Schlusstrich“.

Die Initiative sei der Familie bekannt gewesen. Zwischen einzelnen Akteurinnen und Akteuren des Projekts und der Familie Taşköprü „bestehen bereits seit vielen Jahren persönliche und professionelle Kontakte“, sagt Erkuş. Nun aber seien sämtliche geplanten Veranstaltungen abgesagt. In einem Interview mit dem Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ hatte der Neffe des Mordopfers, Okan Taşköprü, sich Ende Mai von dem Beschluss der Bürgerschaft überfahren gezeigt: „Es war eine nett gemeinte Geste, aber als die Politik es ohne Rücksprache an die Presse gegeben hat, haben wir uns als Familie instrumentalisiert gefühlt“, sagte er.

Statt einer zentralen Feier wolle seine Familie lieber im Gedenken an und im Namen des Toten Essen an Obdachlose austeilen – wie es in der Türkei Brauch sei.

„Auch für uns als Stadt schrecklich und wichtig“

„Dass die Familie kein gemeinsames Gedenken möchte, habe ich verstanden und respektiere es natürlich“, sagte Veit. „Andererseits können wir diesen Todestag nicht unbeachtet lassen, weil er auch für uns als Stadt schrecklich und wichtig ist.“

Man wolle sich an den Wünschen der Familie orientieren und verzichte deshalb auf alle Veranstaltungen am Todestag. „Ich werde in der darauffolgenden Plenarsitzung am 1. Juli vor Eintritt in die Tagesordnung eine Ansprache halten, in der ich auf den 25. Todestag eingehen werde und auch auf unser Bemühen, den Komplex wissenschaftlich aufzuarbeiten“, sage Veit. Ungeachtet ihres parlamentarischen Amtes will sie am 27. Juni in Bahrenfeld sein. „Ich möchte persönlich aus Anlass des Todestages am Gedenkstein in der Schützenstraße still Anteil nehmen und eine Blume niederlegen.“

Carola Veit setzt auf Wissenschaft

Veit zeigte sich weiter gesprächsbereit. „Nichtsdestotrotz steht das Gesprächsangebot gegenüber der Familie. Und ich hoffe, dass es ihr trotzdem möglich ist, mit der unabhängigen Forschungsgruppe zusammenzuarbeiten“, sagte sie.

Überhaupt sei die wissenschaftliche Aufarbeitung eine große Chance. „Ein PUA ist im Kern ja ein politischer Kampf. Natürlich geht es darum, etwas herauszufinden, aber im Vordergrund steht der politische Wettstreit aller im Parlament vertretenen Fraktionen, begleitet von Medienspektakel“, sagt sie.

„Und gerade, wenn die Familie sagt, wir trauen der Politik nicht und wir werfen euch vor, dass ihr euch nicht genug um uns kümmert, ist eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung doch eigentlich erst einmal das bessere Instrument für mögliche neue Erkenntnisse“.

Und dass es dann vielleicht doch irgendwann noch mal einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss gibt, will die Bürgerschaftspräsidentin nicht ausschließen. „Vielleicht stellt sich am Ende ja heraus: Da ist so viel aufgedeckt worden, aus dem sich so viele neue politische Fragen ergeben – jetzt brauchen wir einen PUA. Das kann ja sein.“

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Eine parlamentarische Untersuchung könnte nach Abschluss der wissenschaftlichen Aufarbeitung eingeleitet werden.

    Möglich · Innerhalb von Monaten

Offene Fragen

  • Wird es doch noch einen PUA geben?
  • Wie wird die wissenschaftliche Aufarbeitung die Aufklärung beeinflussen?
  • Wie wird die Familie auf die Ansprache der Bürgerschaftspräsidentin reagieren?

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This article was originally published by Die Welt.

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