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BackIndien wird zum Hoffnungsträger für deutsche Stahlindustrie-Ausrüster
Indien wird zum Hoffnungsträger für deutsche Stahlindustrie-Ausrüster
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Handelsblatt16.06.2026Business5 dk okumaGermany

Indien wird zum Hoffnungsträger für deutsche Stahlindustrie-Ausrüster

Auf einen Blick

  • Indien entwickelt sich zum wichtigsten Wachstumsmarkt für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer der Stahlindustrie.
  • Angesichts starker Investitionen in neue Stahlwerke und Kapazitätsausbauten bietet das Land erhebliche Chancen für europäische Anbieter, während traditionelle Märkte stagnieren.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Indien investiert massiv in den Ausbau seiner Stahlkapazitäten, um den steigenden Bedarf aus Infrastruktur, Wohnungsbau und Industrialisierung zu decken. Dies steht im Kontrast zur stagnierenden oder rückläufigen Stahlproduktion in Europa.

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Indien wird für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer der Stahlindustrie zum Hoffnungsträger: Milliardeninvestitionen in neue Stahlwerke machen das Land zu einem wichtigen Wachstumsmarkt europäischer Anbieter für Stahltechnologien.

„Indien ist für die SMS Group einer der strategisch wichtigsten Wachstumsmärkte weltweit“, sagt Jochen Burg, Vorstandsvorsitzender des Anlagenbauers, dem Handelsblatt. Bereits heute entfielen 15 bis 20 Prozent des Geschäfts auf den indischen Markt. Dieser wachse dynamischer als jede andere große Stahlregion.

„Wir sehen in Indien eine außergewöhnlich breite Investitionsdynamik“, sagt Burg. Große private und staatliche Stahlproduzenten bauten ihre Kapazitäten aus, gleichzeitig entstünden neue Projekte bei kleineren Marktteilnehmern. Der Schwerpunkt liege auf neuen Hüttenwerken, zusätzlichen Walzwerkkapazitäten und dem Ausbau höherwertiger Produktsegmente.

Nach Angaben des indischen Stahlministeriums produzierte Indien im Geschäftsjahr 2024/25 rund 150 Millionen Tonnen Rohstahl. Die indische Regierung verfolgt mit ihrer National Steel Policy das Ziel, die Rohstahlkapazität bis 2031 auf 300 Millionen Tonnen auszubauen. Dafür müssen innerhalb weniger Jahre zusätzliche Kapazitäten von rund 100 Millionen Tonnen geschaffen werden.

In Deutschland hingegen ist die Stahlproduktion im vergangenen Jahr um neun Prozent gesunken und bewegt sich mit etwas mehr als 34 Millionen Tonnen auf dem Niveau zu Zeiten der Finanzkrise von 2009.

Während die Stahlindustrie in Europa um ihre Wettbewerbsfähigkeit ringt, entsteht in Indien einer der wenigen großen Märkte, in denen neue Stahlkapazitäten in erheblichem Umfang aufgebaut werden.

Das Wachstum der indischen Stahlindustrie ist bereits heute deutlich sichtbar: „In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 75 Millionen Tonnen neue Stahlkapazität aufgebaut. Mit dem Ziel der indischen Regierung, die Kapazität bis 2031 auf 300 Millionen Tonnen zu steigern, steht der Branche eine weitere bedeutende Expansionsphase bevor,“ sagt Nicole Voigt, Stahlexpertin und Partnerin bei der Unternehmensberatung BCG. „Die angekündigten Projekte der Stahlhersteller summieren sich bereits auf 88 Millionen Tonnen, davon sind 24 Millionen Tonnen im Bau.“

Für europäische Anlagenbauer eröffnet dies attraktive Chancen. „Sie haben viele der bestehenden Anlagen in Indien mitaufgebaut und verfügen über die Technologie und Erfahrung, um auch die nächste Wachstumswelle maßgeblich mitzugestalten“, sagt Voigt. Von den Anlagen in der Stahlerzeugung, die seit 2000 in Indien gebaut wurden, haben europäische Anlagenbaukonzerne laut BCG einen Marktanteil von rund 60 Prozent – über alle Anlagenarten hinweg.

So liefert etwa Primetals Technologies, hervorgegangen aus dem früheren Siemens-VAI-Geschäft, zentrale Anlagentechnik für die Erweiterung des IISCO-Stahlwerks des staatlichen Stahlkonzerns SAIL. Auch der italienische Anlagenbauer Danieli zählt zu den wichtigsten Technologiepartnern der indischen Stahlindustrie. Das Unternehmen ist seit Jahren in Indien aktiv und profitiert insbesondere von Investitionen in moderne Walztechnik, Elektrostahlwerke und energieeffizientere Produktionsverfahren.

Seit 2023 haben sich die Aufträge aus Indien für den deutschen Maschinenbau mehr als verdoppelt. Während der Auftragseingang nach Angaben des Branchenverbands VDMA im Jahr 2023 noch bei 263 Millionen Euro lag, stieg er 2025 auf 560 Millionen Euro.

Die deutschen Maschinenexporte nach Indien sind in den vergangenen Jahren laut des VDMA ebenfalls kontinuierlich gestiegen. Nach 3,87 Milliarden Euro im Jahr 2022 erreichten sie 2025 rund 4,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund elf Prozent innerhalb von drei Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2019 sind die Exporte sogar um knapp 40 Prozent gestiegen.

Indien ist heute der zweitgrößte Stahlproduzent der Welt nach China. Das Land hat Japan als langjährigen Branchenzweiten bereits vor Jahren überholt und produziert heute mehr Stahl als die USA, Russland, Südkorea und Deutschland zusammen.

Der Ausbau der indischen Stahlindustrie wird von mehreren Faktoren getragen. Die Regierung investiert Milliarden in Infrastruktur, Wohnungsbau und Industrieprojekte. Straßen, Bahnstrecken, Energieanlagen und neue Fabriken erhöhen den Stahlbedarf. Gleichzeitig treiben Urbanisierung und Industrialisierung die Nachfrage weiter an.

Daher unterscheidet sich die Entwicklung von anderen großen Stahlregionen. In Europa konzentrieren sich viele Hersteller auf die Modernisierung und Dekarbonisierung bestehender Anlagen. China wiederum befindet sich zunehmend in einer Phase der Konsolidierung und Effizienzsteigerung.

Für die Maschinenbauer geht es inzwischen nicht mehr nur darum, ihre Anlagen nach Indien zu verkaufen. Die Branche baut auch zunehmend lokale Strukturen auf. Die SMS Group hat Anfang des Jahres ihre zweite Fertigungsstätte im Land eröffnet.

Danieli produziert bereits seit Jahren im südindischen Sri City und hatte dort nach eigenen Angaben rund 65 Millionen Euro investiert. Das Unternehmen bezeichnete Indien schon früh als einen seiner wichtigsten Zukunftsmärkte. Auch Primetals verfügt über mehrere Standorte im Land und baut dort Service- und Engineeringkapazitäten aus.

Für europäische Anlagenbauer kommt diese Entwicklung zu einem Zeitpunkt, an dem viele traditionelle Märkte nur noch begrenzte Wachstumschancen bieten. Die Branche leidet seit Monaten unter einer schwachen Nachfrage in vielen wichtigen Absatzmärkten. Vor allem der deutsche Maschinen- und Anlagenbau kämpft seit geraumer Zeit mit einer schwachen Nachfrage.

Nach Angaben des Branchenverbands VDMA gingen die Auftragseingänge 2024 real um acht Prozent zurück und stagnierten 2025 auf diesem Niveau. Auch in den vergangenen Monaten blieb die Entwicklung verhalten. Vor allem Kunden aus Europa halten sich angesichts schwacher Konjunkturaussichten und geopolitischer Unsicherheiten mit größeren Investitionen zurück.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Indiens Rohstahlkapazität erreicht bis 2031 300 Millionen Tonnen.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Jahren

  • Aufträge für deutsche Maschinenbauer aus Indien verdoppeln sich weiter.

    Möglich · Mittelfristig

Offene Fragen

  • Wie wirkt sich die Dekarbonisierung auf Indiens Stahlproduktion aus?
  • Welche Rolle spielen internationale Handelsabkommen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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