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BackNato und Bundeswehr fordern mehr Zusammenarbeit von der Rüstungsindustrie
Nato und Bundeswehr fordern mehr Zusammenarbeit von der Rüstungsindustrie
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Handelsblatt16.06.2026Defense5 dk okumaGermany

Nato und Bundeswehr fordern mehr Zusammenarbeit von der Rüstungsindustrie

Auf einen Blick

  • Vertreter von Nato und Bundeswehr trafen sich mit Rüstungsmanagern in Elmau, um die Anforderungen an die europäische Rüstungsindustrie zu besprechen.
  • Themen waren die Skalierung von Fähigkeiten, die Entwicklung neuer Waffensysteme und die Sicherung von Lieferketten für Rohstoffe wie seltene Erden.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Vertreter von Nato und Bundeswehr forderten die europäische Rüstungsindustrie auf, mehr Zusammenarbeit zu zeigen und sich auf zukünftige militärische Anforderungen vorzubereiten. Dies geschieht vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs und der angekündigten US-Truppenabzüge.

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Im exklusiven Kreis schwören Vertreter der Nato und der Bundeswehr die Industrie auf mehr Zusammenarbeit ein. Ein Dutzend deutscher Unternehmen ist dabei. Markus Fasse, Roman Tyborski 16.06.2026 - 17:09 Uhr Artikel anhören

Generalinspeklteur Breuer (l.), Nato-Oberbefehlshaber Grynkewich: Anforderungen an die europäische Rüstungsindustrie formuliert. Foto: Imago, AFP [M]

Paris, München. Berlin, Paris und zwischendurch: Elmau. Für mehrere hochrangige Rüstungsmanager war das Schlosshotel in den bayerischen Alpen Ende vergangener Woche ein wichtiger Zwischenstopp auf dem Weg von der Luftfahrtmesse ILA zur Messe Eurosatory in Paris. Der Ausflug sollte sich lohnen: Eingeladen hatten der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, und Alexus Grynkewich, Nato-Oberbefehlshaber in Europa.

Gekommen waren Vertreter von zwei Dutzend europäischer und amerikanischer Konzerne und Start-ups. Nach Informationen des Handelsblatts waren darunter Vertreter von Airbus, Rheinmetall, Boeing, Hensoldt und Volkswagen sowie zahlreiche Start-ups. Das Thema der vertraulichen Gespräche: die Anforderungen des Spitzenmilitärs an die europäische Rüstungsindustrie für die Planungsräume bis 2029, 2035 und 2039.

„Europa hat sowohl die Verantwortung als auch die Chance, eine führende Rolle in seiner konventionellen Verteidigung zu übernehmen“, sagte Generalinspekteur Breuer im Anschluss. „Dazu ist es erforderlich, dass die Industrie militärische Anforderungen erkennt, die Streitkräfte industrielle Realitäten verstehen und Regierungen die Rahmenbedingungen schaffen, damit beides gelingen kann. Foren wie dieses helfen, diese Perspektiven zusammenzubringen.“

Breites Fähigkeitsspektrum erhalten

Auch Grynkewich äußerte klare Vorstellungen. „Kurzfristig müssen wir uns darauf konzentrieren, schnell Fähigkeiten in die Truppe zu bringen und zu skalieren – und darauf, eine breite Palette von Fähigkeiten über Zeit aufrechterhalten zu können, darunter weitreichende Wirkmittel, Drohnen und Drohnenabwehrsysteme“, sagte der Nato-Chef.

Mittel- bis langfristig müsse sichergestellt sein, dass Industrie und Militärs angesichts des technologischen Wandels sich auf die Entwicklung der nächsten Generation von Waffensystemen konzentrierten. „Das gelingt nur, wenn wir gemeinsam Barrieren verstehen, abbauen und die Zusammenarbeit über Regierungen und Industrien hinweg verbessern.“

Abzug der US-Truppen als Herausforderung

Das Treffen im Schlosshotel Elmau stand auch unter dem Vorzeichen des Ukrainekriegs und der Abzugspläne der US-Streitkräfte aus Europa. Federführend beteiligt an dem Treffen war das in Garmisch-Partenkirchen angesiedelte George C. Marshall Center, dessen Ziel es ist, die europäisch-amerikanische Partnerschaft zu festigen.

Erst Anfang Juni hatte US-Präsident Trump angekündigt, weitere 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen und die zugesagte Stationierung von Marschflugkörpern vom Typ „Tomahawk“ auszusetzen. Das dürfte nur der Anfang sein, mittelfristig fordern die USA die Europäer auf, ihre Verteidigung stärker selbst in die Hand zu nehmen. Dafür hat die Nato ihre Fähigkeitsziele im vergangenen Jahr drastisch erhöht.

Verteidigung

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Die Spitzenmilitärs rechnen damit, dass Russland bis spätestens 2029 den Versuch wagen könnte, die Nato militärisch herauszufordern. Auf Deutschland, seine Industrie und seine Infrastruktur kommt eine Schlüsselrolle zu.

Die Bundesregierung will deshalb die Verteidigungsausgaben bis Ende des Jahrzehnts auf mehr als 180 Milliarden Euro verdreifachen und zusätzlich die militärisch nutzbare Infrastruktur ausbauen. Auf Elmau wurden auch die Hürden diskutiert: die komplizierten Beschaffungsprozesse, der mangelnde Datenaustausch zwischen Militärs und Industrie, die Lieferketten und knapp werdende Rohstoffe von Kupfer bis zu seltenen Erden.

Industrie soll Kapazitäten vorhalten

Aktuell laufen Verhandlungen zwischen der deutschen Rüstungsindustrie, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Verteidigungsministerium über ein sogenanntes „Fixed Cost Sharing“. Die Gespräche befänden sich noch in einem frühen Stadium, sagen Vertreter der Rüstungsindustrie dem Handelsblatt.

Schloss Elmau: Bei der Zusammenkunft wurden auch Hürden wie die komplizierten Beschaffungsprozesse und der mangelnde Datenaustausch diskutiert. Foto: Getty Images/iStockphoto

Ziel sei es, die Rüstungsproduktion innerhalb weniger Wochen deutlich zu erhöhen, beispielsweise für den Bau von Drohnen. Diese könnten dann auch über heute zivil genutzte Produktionsstraßen hergestellt werden, sollte es zu einem Konflikt mit Russland kommen. Die Rüstungsindustrie soll hierfür zusätzliche Produktionskapazitäten schaffen sowie Materialien und Rohstoffe vorhalten, die noch nicht genutzt werden.

Die zusätzlichen Produktionskapazitäten und Rohstoffe sollen nur dann eingesetzt werden, wenn der Ernstfall eintritt. Für die Unternehmen würde diese Art der „Vorratshaltung“ allerdings einen drastischen Anstieg des Working Capital und der Fixkosten bedeuten. In den Gesprächen mit Regierungsvertretern gehe es daher darum, wie der Staat für einen Großteil dieser finanziellen Lasten aufkommen könnte.

Um die Lieferketten zu sichern, wird zudem auch beim Einkauf an neuen Konstellationen gearbeitet. Einkaufsmanager von deutschen Rüstungsherstellern berichten über Pläne, Konsortien aus zivilen Konzernen und Rüstungsunternehmen unter Federführung der Regierung zu bilden. Ziel sei es, über eine gebündelte Nachfrage den Zugang zu knappen Rohstoffen und Halbleitern zu verbessern. So kontrolliert China einen großen Teil des Abbaus und die Verarbeitung seltener Erden. Um die restlichen Lagerstätten wird zwischen den USA und Europa heftig gerungen.

Mine im brasilianischen Minacu: Südamerika ist neben China ein wichtiger Anbieter seltener Erden. Foto: Eraldo Peres/AP/dpa

„Die Rüstungsunternehmen allein sind viel zu klein. Was wir beispielsweise an seltenen Erden in einem Jahr benötigen, kann ein großer Bagger mit einer Schaufelbewegung einsammeln“, sagt ein Einkaufschef eines deutschen Rüstungsunternehmens. Dementsprechend schlecht sei die Verhandlungsposition von Rüstungsfirmen, wenn sie einzeln einkaufen.

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Die Idee hinter dem Konsortium ist ein staatlich koordinierter Einkauf. Gemeinsam könnten die Unternehmen mit politischer und finanzieller Rückendeckung der Regierung strategischer bei der Beschaffung vorgehen, so wie die USA. Im April hat das Unternehmen USA Rare Earth die brasilianische Mine Pela Ema übernommen.

Auch europäische Unternehmen sollen Interesse gehabt haben. „Europa war kurz davor, eine wichtige Mine für seltene Erden in Brasilien zu erschließen, bis uns die USA diese vor der Nase wegschnappten“, klagt ein deutscher Rüstungsmanager.

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Worauf zu achten ist

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  • Russland könnte bis spätestens 2029 die Nato militärisch herausfordern.

    Möglich · Innerhalb von Jahren

Offene Fragen

  • Wie wird die staatliche Unterstützung für Fixkosten ausgestaltet?
  • Welche konkreten Konsortien werden gebildet?
  • Wie schnell können die Kapazitäten erhöht werden?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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