Negative Strompreise: Was sie bedeuten und wer davon profitiert
Auf einen Blick
- Negative Strompreise im Großhandel bedeuten, dass Verkäufer dafür bezahlen, dass ihr Strom abgenommen wird.
- Dies geschieht bei Überangebot und geringer Nachfrage.
- Dynamische Tarife und Smart Meter können Verbrauchern helfen, davon zu profitieren, während die Förderlast für den Staat verschoben wird.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Negative Strompreise treten auf, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt und das Netz ausgeglichen werden muss. Dies geschieht typischerweise bei hohem Anteil erneuerbarer Energien und fehlenden Speichern oder flexiblen Abnehmern.
Ein negativer Strompreis bedeutet zunächst: Im Großhandel fällt der Preis je Megawattstunde unter null, Verkäufer zahlen also dafür, dass ihr Strom abgenommen wird. Das passiert typischerweise dann, wenn sehr viel Solar- oder Windstrom gleichzeitig ins Netz drückt, der Verbrauch aber nicht in gleichem Maße mitzieht und Speicher oder flexible Abnehmer fehlen. Das Angebot ist in diesem Moment höher als die Nachfrage – und weil Stromnetze stets im Gleichgewicht gehalten werden müssen, kippt der Preis ins Minus, um zusätzliche Abnahme zu erzwingen.
Erzeuger zahlen dann drauf, „damit ihr überschüssiger Strom abgenommen und das Netz nicht überlastet wird“, wie Jannik Schall von 1Komma5Grad erklärt. Bisher fehle es noch an Tempo „beim Ausbau von Flexibilität im Stromnetz, von Speichern und von der Harmonisierung von Stromerzeugung und Verbrauch durch eine intelligente Steuerung“.
Dynamische Stromtarife könnten helfen
Eine Teillösung des Problems können dynamische Stromtarife sein: Der Strom ist dann zu Zeiten hoher Verfügbarkeit günstiger und bei niedriger Verfügbarkeit teurer. 1Komma5Grad spricht sich zusätzlich für eine intelligente Stromsteuerung aus: „Da ein manuelles Verschieben des eigenen Stromverbrauchs in günstige oder negative Börsenstromzeiten im Alltag aufwendig ist, reicht ein dynamischer Tarif alleine nicht aus.“
Für Verbraucher klingt ein negativer Strompreis zwar erst einmal nach Gratisstrom. So einfach ist es aber nicht. Der negative Preis entsteht an der Strombörse, also im Großhandel. Bei klassischen Haushaltsverträgen kommt dieser Effekt in der Regel nicht unmittelbar an, weil Endkundenpreise nicht nur aus dem Börsenpreis bestehen, sondern auch aus Netzentgelten, Abgaben, Steuern und Vertriebskosten. Profitieren können vor allem Haushalte mit dynamischen Tarifen, wenn sie ihren Verbrauch tatsächlich in billige Stunden verschieben. Smart Meter etwa erfassen den Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen, ermöglichen so flexible, zeitabhängige Tarife und eröffnen Haushalten Sparpotenzial, wenn sie den Betrieb energieintensive Geräte gezielt in günstigere Zeitfenster verlagern.
Förderlast wird nach hinten verschoben
Für den Staat und das Fördersystem sind negative Preise dagegen keineswegs harmlos. Je häufiger Strom in Zeiten von Überangebot kaum noch Marktwert hat, desto schwieriger wird die Finanzierung des Ausbaus – vor allem dort, wo feste Förderzusagen auf sinkende Marktpreise treffen. Betreiber bestimmter Solaranlagen erhalten bei negativen Börsenpreisen zwar für diese Stunden keine Einspeisevergütung mehr, die ausgefallenen Vergütungsstunden werden aber an die 20-jährige Förderperiode angehängt. Das senkt die Zahlung in der konkreten Stunde, verschiebt die Förderlast aber nach hinten.
Offene Fragen
- Wie schnell wird die Flexibilität im Stromnetz ausgebaut?
- Wie stark werden Haushalte mit dynamischen Tarifen profitieren?
- Welche langfristigen Auswirkungen hat die Verschiebung der Förderlast?

