Newsgather
ZurückOliver Blume über VW-Transformation: Stellenabbau, Werksschließungen und Rüstungsindustrie
Oliver Blume über VW-Transformation: Stellenabbau, Werksschließungen und Rüstungsindustrie
In Entwicklung
Tagesschau Wirtschaftvor 1 StundeBusiness4 Min. LesezeitGermany

Oliver Blume über VW-Transformation: Stellenabbau, Werksschließungen und Rüstungsindustrie

Auf einen Blick

  • Oliver Blume, CEO des Volkswagen-Konzerns, äußert sich zur umfassenden Transformation des Unternehmens, die Stellenabbau und mögliche Werksschließungen beinhaltet.
  • Er betont die Notwendigkeit intelligenter Lösungen für Überkapazitäten und bestätigt fortgeschrittene Gespräche mit der Rüstungsindustrie bezüglich des Werks Osnabrück.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Der Volkswagen-Konzern befindet sich in einem umfassenden Transformationsprogramm, um auf einen um 20 Prozent geschrumpften Markt, den Druck chinesischer Hersteller und US-Zölle zu reagieren. Dies beinhaltet Maßnahmen zur Kostensenkung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Schriftgröße

Mit mir muss man kein Mitleid haben. Wir sind zwar in anspruchsvollen Zeiten, aber wir wissen ganz genau, was wir tun, haben einen klaren Plan. Und insofern fühle ich mich sehr wohl in dieser Umgebung, weil wir gerade in diesen Zeiten sehr viel bewegen können.

Umfassende Neuausrichtung in den vergangenen Jahren

Wir müssen zunächst erst mal das Risikoumfeld anschauen, in dem sich die gesamte Automobilindustrie bewegt. Es wird viel über Volkswagen in der Krise gesprochen. Es ist aber eine Krise der gesamten Branche. Der Markt ist in diesem Jahr um 20 Prozent zurückgegangen. Chinesische Hersteller drängen in den Markt. Und dazu kommen noch die US Zölle.

Wir haben den Volkswagen-Konzern in den letzten drei Jahren umfassend neu ausgerichtet. Jetzt geht es um den nächsten Schritt der Transformation. Und da geht es nicht nur um ein Sparprogramm. Es ist das umfassende, tiefgreifendste Transformationsprogramm, das wir je im Volkswagen-Konzern gemacht haben. Es geht vor allem um innovative Produkte, es geht um Technologien, es geht um Wettbewerbsfähigkeit, es geht um Strukturen. Und es geht auch um Wachstum. Und damit befassen wir uns. Wir sind aber fest davon überzeugt, dass es genau der richtige Weg ist, jetzt zu handeln, um uns für die Zukunft sicher aufzustellen.

Es ist ein sehr umfassendes Paket, und rund 80 Prozent des Pakets sind nicht zustimmungspflichtig. Wir haben an vielen Stellen bereits begonnen zu arbeiten. Aber wenn es um Werke geht, wenn es um Personal geht, wenn es um Strukturen des Konzerns geht, muss der Aufsichtsrat natürlich am Ende zustimmen. Deshalb sind diese Beratungen ganz besonders wichtig. Wir haben gute, auch kontroverse Diskussionen dazu geführt. Für mich ist wichtig, dass aus so einer Debatte am Ende das beste Ergebnis für den Volkswagen-Konzern herauskommt.

"Werksschließung ist immer die letzte Option"

Wir haben in den letzten Jahren bereits jeweils zwei Millionen Fahrzeuge aus dem Netz genommen und werden jetzt noch eine weitere Million aus dem System nehmen müssen. Denn jede Überkapazität kostet uns Geld. 500.000 davon in China und rund 500.000 in Europa. Damit befassen wir uns aktuell. Für uns steht im Vordergrund, dass unsere Werke untereinander gerade im europäischen Kontext wettbewerbsfähig sind. Und dazu fordern wir jetzt jedes Werk auf. Auch die deutschen Werke.

Ein Werk zu schließen, ist immer die letzte und auch die teuerste Lösung. Deshalb spreche ich immer gern von intelligenten Lösungen, die mit der Wettbewerbsfähigkeit beginnen, und da haben wir noch viele Möglichkeiten. Es gibt aber auch andere Ansätze, dass wir möglicherweise mit anderen industriellen Partnern prüfen, was wir in unseren Werken dort nutzen können, oder auch Produkte, die wir in China entwickelt haben bei Volkswagen. Dass wir da das eine oder andere Produkt in einem Segment nach Europa bringen, in dem wir hier in Europa nicht vertreten sind. Und insofern denken wir breit, und eine Werkschließung ist immer die letzte Option.

"Wir haben sehr konstruktive Gespräche"

Wir haben sehr konstruktive Gespräche. Niedersachsen ist unsere Heimat und wird auch unsere Heimat bleiben. Ich bin in einem sehr guten Austausch mit Ministerpräsident Olaf Lies. Wir machen unser Geschäft, was Aufgabe des Konzernvorstands ist. Olaf Lies macht sein Geschäft, was seine Aufgabe als Ministerpräsident ist. Und insofern ist das eine Tradition bei Volkswagen, die gut funktioniert.

Wir haben in unseren Verhandlungen 2024 vereinbart, dass wir ab 2027 keine Volkswagen-Produkte mehr in Osnabrück fertigen werden. Hier gilt meine Aussage, dass es intelligentere Lösungen gibt, als ein Werk zu schließen: Dort sind wir mit verschiedenen Industriepartnern im Kontakt gewesen und sind im Moment in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Rüstungsindustrie. Ich kann im Moment noch keine detaillierteren Aussagen treffen, aber zum Werk in Osnabrück werden wir in diesem Jahr eine Information herausgeben.

Unterstützung für Rüstungsprogramm der Bundesregierung

Wir unterstützen das Rüstungsprogramm der Bundesregierung, sehen auch die Notwendigkeit der NATO gerade aufgrund der veränderten geopolitischen Situation, die wir haben. Und wir wollen unser Know-how dort einbringen: Das ist im Wesentlichen im militärischen Transport oder in Verteidigungssystemen.

Was der Volkswagenkonzern nicht macht, ist in Waffen zu investieren. Das ist auch nicht unsere Kompetenz. Wir sehen aber auch, dass gerade in der Rüstungsindustrie großes Interesse an Automatisierung, an qualifizierten Fachkräften da ist.

Ich denke, das ist am Ende eine Win-win-Situation: die Kapazitäten, die wir im Moment zu viel haben, mit unserem Know-how und der Notwendigkeit in der Rüstungsindustrie zu kombinieren. Ich finde, das ist ein sehr sinnvoller Weg.

"Ich muss unser Unternehmen im Blick haben"

Persönlich möchte ich jeden Arbeitsplatz erhalten. Und Werkschließung ist für mich immer die letzte Konsequenz. Ich muss auf der anderen Seite aber auch unser Unternehmen im Blick haben. Und jede Überkapazität kostet Geld, die wir uns in der heutigen Zeit nicht leisten können. Deshalb setze ich in erster Linie immer daran an, dass wir an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten, denn da haben wir noch viele Möglichkeiten in Deutschland.

Wenn ich es über die Wettbewerbsfähigkeit nicht hinbekomme, muss ich schauen: Habe ich eine andere Lösung für die Verwendung dieser Werke? Deswegen haben wir selbst noch gar nicht über Werkschließungen gesprochen, sondern wir setzen erst mal da an, uns ehrgeizige Ziele zu setzen und unsere Performance zu steigern.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Volkswagen wird in diesem Jahr detaillierte Informationen zum Werk in Osnabrück herausgeben.

    Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

  • Ab 2027 werden keine Volkswagen-Produkte mehr im Werk Osnabrück gefertigt.

    Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Jahren

Offene Fragen

  • Welche konkreten 'intelligenten Lösungen' für Überkapazitäten gibt es?
  • Welche Produkte aus China könnten in Europa eingeführt werden?
  • Wann genau werden detaillierte Informationen zum Werk Osnabrück veröffentlicht?

Verwandte Themen

This article was originally published by Tagesschau Wirtschaft.

Ähnliche Meldungen

Mehr zu diesem Themavolkswagen