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SpaceX-IPO: Euphorie am Times Square trotz Kritik an Elon Musk
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Handelsblatt13.6.2026Business5 Min. LesezeitGermany

SpaceX-IPO: Euphorie am Times Square trotz Kritik an Elon Musk

Auf einen Blick

  • Der Börsengang von SpaceX am Times Square in New York war von Euphorie geprägt.
  • Tausende Mitarbeiter wurden zu Millionären, während Investoren auf das Potenzial von Starlink und KI setzen.
  • Trotz Kritik an Elon Musk überwog die positive Stimmung.

KI-generierte Zusammenfassung

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New York. Es ist ein ausgesprochen heißer Junimorgen in New York. Am Times Square nieselt es, die Luft ist schwül und stickig. Doch die Menschentraube vor dem Nasdaq-Gebäude wird immer größer. Eine Polizei-Absperrung trennt sie von dem Gehwegstück vor dem Haupteingang zur Tech-Börse. An der Straßenseite sind etwa ein halbes Dutzend schwarze Chevrolet-Limousinen aufgereiht.

Kommt er? Kommt er nicht? Neben der Performance der SpaceX-Aktie, die heute zum ersten Mal gehandelt wird, beschäftigen sich viele Schaulustige vor allem mit der Frage nach Elon Musks Aufenthaltsort. Traditionell läutet der CEO eines Börsendebutanten die Eröffnungsglocke um 9:30 Uhr Ortszeit. Doch ob Musk in New York auftauchen wird, ist zunächst unklar.

Als der Handel am Freitag beginnt, ist Musk in Austin, Texas, wo SpaceX seinen Hauptsitz hat. Doch die Stimmung am Times Square ist trotzdem gut. Vor den Fenstern des Studios des US-Börsensenders CNBC jubelt die Menge. Auf den ikonischen Werbedisplays des Times Square läuft eine Rotation aus Raketenstarts, Planeten-Bildern und Werbekampagnen für den KI-Arm xAI. „Das ist einfach historisch“, sagt ein Besucher, der zwar keine direkte Verbindung zu SpaceX hat, aber in der Finanzbranche arbeitet.

Der größte Börsengang aller Zeiten hat eine bunte Mischung von Menschen versammelt. Finanzinteressierte, Investment-Nerds und extravagante Gestalten, wie einen Mann im Astronauten-Kostüm, der sich das 350-Seiten schwere Börsenprospekt ausgedruckt umgehängt hat.

Zudem sind viele Menschen anwesend, deren Leben sich mit diesem Börsengang maßgeblich verändern könnte: Sie tragen SpaceX-T-Shirts, stellen sich als ehemalige Mitarbeitende vor, wollen aber anonym bleiben. Die meisten von ihnen besitzen wohl Firmenanteile, die für 135 Dollar pro Stück in den Handel gegangen sind und danach rund 19 Prozent an Wert zulegten.

Insgesamt hat der SpaceX-IPO mehr als 4000 aktuelle und frühere Mitarbeiter zu Millionären gemacht. Unter ihnen auch solche, die zwar keine Raketen zusammenschrauben, aber in der Kantine oder im Gebäudemanagement der Firma arbeiten. Einige von ihnen haben eine weitere Anreise aus Austin oder Los Angeles in Kauf genommen, um diesen Moment live zu erleben.

Trotz aller Kritik an Elon Musk und Zweifeln an seinen teils tollkühnen Unternehmungen: Der Morgen des Börsengangs war gezeichnet von Euphorie. Daniel Klein und Stéphane Rueff sind aus der Schweiz angereist. Ihre Luxemburger Investmentfirma Argonova ist 2023 zu rund 20 Dollar pro Aktie bei SpaceX eingestiegen, sagen sie. Zum Erstnotizpreis von 135 Dollar pro Aktie sei ihr Anteil etwa 300 Millionen Dollar wert.

Ihre Zukunftswette galt zum Zeitpunkt des Einstiegs vor allem dem Satelliteninternetgeschäft Starlink. Doch auch die Weiterentwicklung des Unternehmens in Richtung KI habe enorme Perspektiven eröffnet. Zweifel an Musks Ideen und Geschäftsmodellen sehen sie differenziert. Gerade in Europa urteile man oft zu kritisch, sagt Klein. „Uns fehlt da manchmal die Vision.“

Die Akquirierung von xAI im Februar sei überraschend gewesen. Doch mit Blick auf die vergangenen Monate, schätzen sie den Schritt als sinnvoll ein, sagt Rueff. xAI werde zwar oft als Schlusslicht im Rennen der KI-Modelle angesehen, doch habe das junge Unternehmen viel mehr zu bieten, zum Beispiel mit Blick auf jüngste Rechenzentren-Deals.

Kritiker blicken anders auf das KI-Angebot von Musk, insbesondere wenn es um die Inhalte von xAI's Chatbot Grok geht. Das zeigt auch eine Protestaktion, am Tag vor dem Börsengang auf dem Times Square: Unbekannte hatten eine meterhohe aufblasbare Büste von Musk auf dem Times Square errichtet. Sie stellte den SpaceX-Gründer oberkörperfrei dar. Auf Brust und Rücken prangte unter anderem Kritik an Musks Textroboter Grok. Wer hinter der Aktion stand, war zunächst unklar. Am Freitag war die Installation dann wieder verschwunden.

Musks oft provokantes Auftreten und seine Aktivitäten außerhalb seiner Unternehmen haben bereits bei Tesla für Unmut gesorgt. Dort hatten die Aktionäre den CEO aufgefordert, zu seinen Kernaufgaben zurückzukehren.

Klein und Rueff sind um die halbe Welt gereist, um diesen IPO zu sehen. Für sie sei SpaceX klar eines der „wichtigsten Unternehmen der Welt und für den Westen“. Elon Musk sei dafür ein Schlüsselfaktor. Der Unternehmer schaffe es, gerade junge Unternehmer wieder zu motivieren, Innovationen zu schaffen.

Das würde auch die negativen Aspekte von Musks Unternehmensführung überwiegen. Für Rueff ist Musk der Unternehmer des Jahrhunderts, besonders mit Blick auf seine Errungenschaften in der Elektromobilität. Beide Investoren sind Tesla-Fahrer. Einen der vor zwei Jahren beliebten Sticker mit der Aufschrift „Ich habe dieses Auto gekauft, bevor Elon verrückt geworden ist“, habe Rueff nicht aufgeklebt, scherzt er. „Ich hätte lieber einen Sticker gehabt, auf dem steht: ‚Ich habe dieses Auto gekauft, weil Elon verrückt ist.‘“

Ob das so bleibt, steht natürlich in den Sternen. Doch wie viele andere Investoren, denken auch die Schweizer langfristig. Das Investment im Jahr 2023 war auf einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren angelegt. Ohnehin dürften die Unternehmer erst nach Ende der Sperrperiode in einem halben Jahr mit ihren Anteilen handeln.

Beiläufige Passanten staunen über die Menschentraube vor der Nasdaq. „Es ist der SpaceX-IPO“ bekommt ein junger Mann im Vorbeilaufen auf Nachfrage zugerufen. Im Weggehen dreht er sich erneut um, ruft eine Verunglimpfung über Elon Musk.

Es ist ein Einzelfall an einem Tag, an dem man eigentlich mehr Protest rund um den umstrittenen Unternehmer erwartet hätte. Die Stimmung ist am Freitag fast durchgehend positiv. Kritische Nachfragen werden weggewischt oder mit Gleichgültigkeit quittiert. Am Times Square ist es ein hervorragender Morgen für den ersten Billionär der Welt.

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This article was originally published by Handelsblatt.

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