Ukraine-Krieg: Kiew erhält mehr als 500 Soldatenleichen zurück
Auf einen Blick
- Russland und Ukraine tauschen 500 Soldatenleichen aus.
- Kiew kündigt Drohnenangriffe auf russische Ölindustrie an.
- Selenskij warnt vor westlicher Elektronik in russischen Waffen.
KI-generierte Zusammenfassung
Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Ein Todesopfer und mehr als 30 Verletzte bei russischen Angriffen
Kiew erhält mehr als 500 Soldatenleichen zurück
Selenskij: Russland erwägt Angriff auf Nato-Staat von Belarus aus
Selenskij kündigt neue Drohnenangriffe auf Russland an
Trump: Russischer Angriff auf Kiew könnte Friedensbemühungen zurückwerfen
Behörden: Mindestens drei Tote bei ukrainischem Angriff auf Großraum Moskau
Bei einem ukrainischen Angriff auf den Großraum Moskau sind in der Nacht zum Sonntag nach Angaben russischer Behörden mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien bei Drohnenangriffen zwölf Menschen verletzt worden, die meisten von ihnen in der Nähe der Moskauer Ölraffinerie. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärt, die „Technik“ der Raffinerie sei nicht beschädigt worden.
Nach Angaben der indischen Botschaft in Russland ist ein indischer Arbeiter ums Leben gekommen. Drei weitere seien verletzt worden. Vertreter der Botschaft seien vor Ort gewesen und hätten die Verletzten im Krankenhaus besucht. Man arbeite mit den örtlichen Behörden zusammen, um den Arbeitern die nötige Hilfe zukommen zu lassen.
Die vergrößerte Reichweite der neuesten ukrainischen Waffen ändert nach Meinung von Präsident Wolodimir Selenskij die Lage im Krieg erheblich. In seiner abendlichen Videoansprache hob er die Wirkung der jüngsten Angriffe gegen die russische Hauptstadt Moskau und andere weit entfernte Ziele in Russland hervor. „Die Entfernung zu den Zielen beträgt diesmal mehr als 500 Kilometer, was auch deshalb von Bedeutung ist, weil die Region Moskau am stärksten mit russischen Luftabwehrmitteln gesättigt ist“, sagte er. „Aber die ukrainischen Langstreckenwaffen überwinden dies bereits.“
Kiew antwortet damit auf die russischen Dauerangriffe der vergangenen Jahre gegen Ziele in der Ukraine. Nunmehr sollten sich Russen Gedanken „über ihre eigenen Raffinerien, ihre Ölförderanlagen und ihre Unternehmen machen und nicht darüber, wie sie das Leben anderer Völker zerstören können“, betonte Selenskij. „Und diese Reichweite unserer Waffen ist es, die die Lage und die allgemeine Wahrnehmung des russischen Krieges in der Welt erheblich verändert.“ Der Krieg kehre somit nach Russland „in seinen Heimathafen zurück“.
Ein Todesopfer und mehr als 30 Verletzte bei russischen Angriffen
Russland hat nach massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf Moskau Gegenangriffe auf die Ukraine geflogen. Laut ukrainischen Behördenangaben gab es in der Nacht zu Montag infolge der Angriffe ein Todesopfer und mehr als 30 Verletzte. Das ukrainische Militär zählte 524 Drohnen und 22 Raketen. Davon konnten 503 Drohnen und vier Raketen unschädlich gemacht werden, wie die Luftwaffe auf Telegram mitteilte.
In Cherson wurde eine Person getötet, neun weitere Menschen erlitten Verletzungen. In Odessa trafen Drohnen ein Wohngebäude, verletzt wurden ein elfjähriger Junge und ein 59-jähriger Mann. In Dnipro meldeten die Behörden mindestens 18 verletzte Menschen, darunter zwei Kinder. Zudem wurden aus der Region Saporischschja drei Verletzte gemeldet.
In Odessa wurden außerdem ein Hörsaal einer Hochschule und ein Kindergarten beschädigt, wie Militärverwalter Serhij Lyssak auf Telegram schrieb. In Dnipro geriet laut Regionalchef Oleksandr Hanscha das Dach eines 24-stöckigen Hochhauses in Brand. Das Ausmaß der Schäden blieb bisher unklar.
In Russland waren unterdessen einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax zufolge die Regionen Rostow und Belgorod im Süden des Landes Ziel ukrainischer Angriffe. Hier seien in der Nacht Drohnen abgeschossen worden, berichtete Interfax unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Details wurden von dort nicht mitgeteilt. Laut dem Gouverneur der Region Rostow war die Luftabwehr unter anderem über der Hafenstadt Taganrog am Asowschen Meer aktiv.
Russland meldet Abschuss von mehr als 3000 ukrainischen Drohnen
Russland hat nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur RIA in der vergangenen Woche mindestens 3124 ukrainische Drohnen zerstört. Die Agentur beruft sich dabei auf Daten des Verteidigungsministeriums. Besonders viele Drohnen seien am 13. und 17. Mai abgeschossen worden – vor allem über dem europäischen Teil Russlands.
Bei dem größten ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Hauptstadt Moskau seit mehr als einem Jahr kamen nach Angaben örtlicher Behörden mindestens vier Menschen ums Leben, drei davon in der Region Moskau.
Litauen: Trümmer einer mutmaßlich ukrainischen Drohne gefunden
In den baltischen Staaten waren zuletzt wiederholt fehlgeleitete ukrainische Drohnen in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt. Nun ist vermutlich erneut ein Flugobjekt niedergegangen – in Litauen. Nach Angaben des Nationalen Krisenmanagementzentrums in Vilnius wurde in einem Feld im Bezirk Utena ein abgestürztes Flugobjekt gefunden. Dabei soll es sich möglicherweise um eine militärische Drohne handeln. Bislang gebe es keine Anzeichen dafür, dass die Drohne explodiert sei. Die genauen Umstände des Vorfalls werden einem Rundfunkbericht zufolge von Sicherheitskräften untersucht.
Zu Herkunft und Art des Flugkörpers gab es zunächst keine Angaben. Erste Informationen deuteten jedoch darauf hin, dass es sich um eine ukrainische Drohne handelt, sagte der Leiter des Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, litauischen Medienberichten zufolge in Vilnius. Der Fundort der Drohne war den Behörden von Anwohnern gemeldet worden. Wann und wie der Flugkörper in den litauischen Luftraum eingeflogen ist und abstürzte, blieb zunächst unklar. Utena liegt im Nordosten des baltischen EU- und Nato-Landes nahe der Grenze zu Lettland und Russlands Verbündetem Belarus.
Krim und Moskau Ziel ukrainischer Drohnenangriffe
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte Marinestadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim sind nach Behördenangaben in der Nacht mehrere Wohnblocks und Häuser beschädigt worden. Zudem hätten Trümmer einer abgeschossenen Drohne eine Hochspannungsleitung getroffen, wodurch Stromausfälle verursacht worden seien, schrieb der Verwaltungschef der Stadt, Michail Raswoschajew, auf der Plattform Telegram. Das Kraftwerk der Stadt sei aber nicht getroffen worden.
Insgesamt seien 25 Drohnen über mehreren Stadtteilen und dem Schwarzen Meer abgeschossen worden, schrieb Raswoschajew weiter. Verletzt worden sei nach vorläufigen Informationen niemand.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete zudem am frühen Morgen auf Telegram, in den vergangenen 24 Stunden seien mehr als 120 Drohnen abgeschossen worden. In der Hauptstadt seien mindestens zwölf Menschen verletzt worden, vor allem Arbeiter in der Nähe einer Ölraffinerie. Mehrere Häuser seien beschädigt worden. Diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Im gesamten Land wurden in der Nacht nach Angaben des Verteidigungsministeriums insgesamt 556 ukrainische Drohnen abgewehrt. Das berichtete Russlands staatliche Nachrichtenagentur Tass. Die Angaben aus Moskau konnten zunächst ebenfalls nicht unabhängig überprüft werden.
Jerrit Schloßer
Selenskij: Westliche Elektronik in russischen Waffen
Nach schweren russischen Raketenangriffen hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij gewarnt, es stecke Elektronik aus dem Westen in neuen russischen Waffen. Selenskij fordert eine Einhaltung der Techniksanktionen gegen Moskau. „Bei dem Angriff auf Kiew in dieser Woche haben die Russen Raketen eingesetzt, die in diesem Jahr hergestellt wurden“, sagte Selenskij.
„Ohne Komponenten von Unternehmen aus Europa, Japan und den Vereinigten Staaten hätten die Russen diese Raketen einfach nicht herstellen können.“ Gleiches gelte für andere Waffen der russischen Armee bei ihren Angriffen auf ukrainische Städte. Wegen der militärischen Nutzung ist der Export von Elektronikbauteilen nach Russland verboten, solche Teile werden aber oft über Drittstaaten geschickt.
Die russischen Luftstreitkräfte nutzen Tupolew Tu-160-Langstreckenbomber als mobile Abschussplattformen, um Marschflugkörper auf Ziele in der Ukraine abzufeuern (Archivbild). AP/dpa
Kiew erhält mehr als 500 Soldatenleichen zurück
Die Ukraine hat nach Angaben aus Kiew erneut Hunderte Soldatenleichen von Russland zurückerhalten. Die sterblichen Überreste von 528 Gefallenen, bei denen es sich nach Angaben der russischen Seite um ukrainische Soldaten handeln könnte, seien Kiew übergeben worden, teilte der ukrainische Stab für Kriegsgefangenenbelange mit. Vermittelt habe das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Allerdings hatte die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Vortag gemeldet, dass Soldatenleichen ausgetauscht werden sollen. Moskau gebe 526 tote ukrainische Soldaten zurück und bekomme 41 russische Leichen.
Selenskij kündigt neue Drohnenangriffe auf Russland an
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hat eine Fortsetzung der Angriffe auf die russische Ölindustrie angekündigt. Die Ukraine müsse hart und angemessen auf die Angriffe des russischen Militärs gegen Städte reagieren, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft nach dem russischen Luftschlag gegen Kiew mit 24 Toten. Eine erste Antwort habe es in der vergangenen Nacht gegeben, erklärte Selenskij mit Blick auf die Attacke gegen die Ölraffinerie in Rjasan. „Wir setzen die Operation fort“, fügte er hinzu.
Trump: Russischer Angriff auf Kiew könnte Friedensbemühungen zurückwerfen
US-Präsident Donald Trump sieht die Friedensbemühungen im Ukraine-Krieg nach einem tödlichen russischen Angriff auf ein Kiewer Wohnhaus gefährdet. Bei dem Angriff auf das Wohnhaus kamen nach ukrainischen Angaben 24 Menschen ums Leben, unter ihnen drei Kinder. „Bis gestern Abend sah es gut aus, aber sie (die Ukrainer) haben einen schweren Schlag erlitten“, sagt Trump zu Journalisten auf seinem Rückflug aus China. Er habe mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping über den Konflikt gesprochen, beide Staatschefs wollten ein Ende der Kämpfe. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij fordert unterdessen eine Bestrafung Moskaus für den Angriff. China fordert öffentlich zwar ein Ende des Konflikts und ruft zu Diplomatie auf, gleichzeitig hilft es Russland jedoch wirtschaftlich, die westlichen Sanktionen abzufedern und so den Krieg eher durchzuhalten.
Rettungskräfte stehen im Hof eines Wohnhauses, das nach einem russischen Angriff auf ein Wohngebiet in Kiew schwerbeschädigt wurde. Evgeniy Maloletka/AP/dpa
Unterstützung für Sondertribunal für russischen Angriffskrieg wächst
Wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine unterstützen immer mehr Länder einen möglichen Sondergerichtshof für russische Führungspersonen. Bei einem Außenministertreffen in der moldauischen Hauptstadt Chișinău befürworteten 36 der 46 Europarats-Mitgliedstaaten die Einrichtung eines Sondertribunals für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine. Sie kündigten nach Angaben des Europarates ihren Beitritt zu einem neuen, erweiterten Teilabkommen an. Zu diesen Staaten zählt auch die Schweiz.
Der Generalsekretär der europäischen Organisation mit Sitz in Straßburg, Alain Berset, nannte die Unterstützung der 36 Staaten und der EU für das Teilabkommen einen „entscheidenden Schritt in Richtung der tatsächlichen Einrichtung des Sondergerichtshofs und der Anerkennung der Verantwortlichkeiten für die Aggression gegen die Ukraine“. Das geplante Tribunal stehe für Gerechtigkeit und Hoffnung. Die Zeit, in der Russland zur Rechenschaft gezogen werde, rücke schnell näher, so Berset.
Der Gerichtshof soll eine Lücke in der Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) schließen und die Hauptverantwortlichen für die Verbrechen im Ukraine-Krieg bestrafen. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha würdigte die Zustimmung in Chișinău als historischen Tag: „Wir machen Geschichte. Genau wie das Nürnberger Tribunal vor 80 Jahren wird dieser Sondergerichtshof in Den Haag Gerechtigkeit aus den Trümmern des Krieges wiederherstellen.“
Geplant ist auch eine Internationale Schadenskommission für die Ukraine. Sie baut auf ein seit 2023 bestehendes Schadensregister für das von Russland angegriffene Land auf. Dem Europarat zufolge gingen bereits mehr als 150 000 Ansprüche auf Entschädigung ein. Die Schadenskommission soll diese Ansprüche prüfen und darüber entscheiden.
Gefangenenaustausch zwischen Russland und Ukraine beginnt
Russland und die Ukraine haben nach übereinstimmenden Angaben jeweils 205 Kriegsgefangene ausgetauscht. Es sei der erste Schritt eines größeren Austauschs von 1000 Gefangenen jeder Seite, teilte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij auf der Plattform X mit. „Wir werden weiter um jeden kämpfen, der noch in Gefangenschaft ist.“
Die heimkehrenden russischen Soldaten seien auf dem Gebiet von Belarus, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Es dankte den Vereinigten Arabischen Emiraten für die Vermittlung bei der Aktion.
Der Austausch von jeweils 1000 Kriegsgefangenen war Teil der Vereinbarung über eine dreitägige Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai, vermittelt von US-Präsident Donald Trump. Die Feuerpause schützte vor allem die Militärparade zum russischen Weltkriegsgedenken am 9. Mai. Danach hielt Kremlchef Wladimir Putin der Ukraine vor, sie habe die Listen von Gefangenen nicht schnell genug vorgelegt. Selenskij wies dies zurück und forderte die USA als Vermittler auf, auf den versprochenen Austausch zu drängen.
Beide Seiten haben bereits Tausende Gefangene ausgetauscht. Zuletzt fand dies immer an der Grenze zwischen der Ukraine und Belarus statt. Weil An- und Abtransport der Soldaten schwierig sind, sind auch früher größere Austausche in mehrere Etappen aufgeteilt worden.
Russische Quellen sprachen laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass davon, dass auch Leichen ausgetauscht werden sollten. Moskau gebe 526 tote ukrainische Soldaten zurück und bekomme 41 russische Leichen. Bei diesen Austauschaktionen ist die Zahl toter Ukrainer in den vergangenen Jahren immer deutlich höher gewesen. Als Grund gilt, dass die russische Armee ständig vorgerückt ist und die abziehende ukrainische Armee ihre Toten oft nicht bergen konnte.
Kiew trauert nach russischem Angriff um 24 Tote
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat den heutigen Freitag nach einem russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt zum Trauertag erklärt. Am Donnerstag hatte Russland die Ukraine mit einem der längsten Luftangriffe seit 2022 überzogen. Insbesondere Kiew attackierten die russischen Truppen mit Hunderten Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern.
Nach ukrainischen Behördenangaben wurden landesweit Dutzende Wohnhäuser beschädigt. Auch das Umland von Kiew sowie die Gebiete Charkiw und Odessa w







