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Walfunde in der Tiefsee geben Einblicke in Ökosysteme und Evolution
Wissenschaft
Süddeutsche Zeitung10.06.2026Wissenschaft2 dk okumaGermany

Walfunde in der Tiefsee geben Einblicke in Ökosysteme und Evolution

Auf einen Blick

  • Meeresbiologen untersuchten 32 Tiefsee-Tauchgänge und fanden 485 Wal-Lagerstätten, darunter 5 aktive Walfälle.
  • Sie identifizierten 35 Großtierarten und vermuten neue Spezies.
  • Paläontologische Analysen ergaben 43 Fossilien, hauptsächlich von Schnabelwalen, bis zu 5,3 Mio.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Meeresbiologen haben 32 Tauchgänge in die Tiefsee unternommen, um die Verbreitung von Walarten, ihre Artenvielfalt und ihre erdgeschichtliche Einordnung zu untersuchen. Sie fanden zahlreiche Wal-Lagerstätten und aktive Walfälle, die einzigartige Ökosysteme darstellen.

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Mit einem Tauchboot sind die Meeresbiologen insgesamt 32 Mal in die Tiefsee hinabgetaucht, um sich einen Überblick über die räumliche Ausbreitung, die vertretenen Arten und die erdzeitgeschichtliche Einordnung zu verschaffen. Sie fanden insgesamt 485 Lagerstätten, pro Quadratkilometer zählten sie Überreste von bis zu 758 Walen. Neben den fossilen Überbleibseln fanden die Wissenschaftler auch fünf „aktive“ Walkadaver im Zersetzungsprozess.

Das Herabsinken eines Walkadavers auf den Grund der Tiefsee, auch Walsturz oder -fall genannt, schafft im Ozean ein neues, einzigartiges Ökosystem. An den fünf aktiven Walfällen dokumentierten die Forscher 35 bekannte Großtierarten. Neben bekannten Arten, darunter Würmer, Krebstiere, Muscheln und Schlangensterne, vermutet das Forschungsteam zudem Funde von neuen Arten. Erstmals fanden die Meeresbiologen zudem Seegänseblümchen in so großer Wassertiefe. Insgesamt erreichten allein die mit bloßem Auge sichtbaren Tiere lokale Dichten von bis zu 2840 Individuen pro Quadratmeter.

Die häufigsten Funde gehen auf tieftauchende Schnabelwale zurück

Auch die paläontologische Analyse von insgesamt 43 Fossilien ergab neue Erkenntnisse: fünf Schnabelwalarten und eine Bartenwalart konnten identifiziert werden. Das älteste Fossil ließ sich auf ein Alter von rund 5,3 Millionen Jahren datieren, also auf das frühe Pliozän. Die überwiegende Mehrheit der Fossilien konnte den Schnabelwalen zugeordnet werden. Der südöstliche Indische Ozean ist ein für sie typisches Habitat. Hinzu kommt laut dem Forscherteam, dass sie Jagd auf Kalmare und Fische in der Tiefsee machen, dafür eigne sich gerade die Diamantina-Bruchzone mit ihrem reichen Angebot an Beutetieren besonders.

Gleichzeitig birgt das Jagen in der Tiefe Risiken: Schnabelwale sind spezialisierte Tiefseetaucher, die vermutlich bis zu 3000 Meter tief jagen können. Erschöpfung oder Dekompression bei zu tiefem Tauchen könnten laut den Forschern in der Zone mit ihren gewaltigen Tiefen weit jenseits von 3000 Metern aber zu Todesfällen führen, die außerhalb der üblichen Mortalität liegen. Das Forschungsteam erklärt die hohe Konzentration an Walfällen auch mit der einzigartigen Topografie: Die v-förmige Beschaffenheit führe zu einer Anreicherung in einem schmalen Korridor.

Hinzu kommt, dass Fossilien in der Region offenbar außergewöhnlich gut erhalten bleiben. Ausschlaggebend dafür sei eine Kombination aus mehreren Faktoren, schreiben die Wissenschaftler: In der Region sinke typischerweise nur wenig Sand und Schlamm auf den Meeresboden, weswegen die Skelette mindestens mehrere hunderttausend Jahre sichtbar bleiben. Die besondere Knochenhärte und -dichte der Schnabelwale verhindern zudem einen schnellen Zerfall. Weitere chemische Prozesse in und an den Knochen erhöhen die Widerstandsfähigkeit zusätzlich und können bei bereits verschütteten Skeletten zudem die Fossilierung begünstigen.

Offene Fragen

  • Wie viele neue Arten wurden genau entdeckt?
  • Welche spezifischen neuen Arten wurden gefunden?
  • Welche weiteren Faktoren beeinflussen die Erhaltung von Fossilien in dieser Region?
  • Welche Rolle spielen Schnabelwale in der Tiefsee-Nahrungskette?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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