Große Investoren setzen auf Öl und Chips – Tech-Giganten geraten unter Druck
En resumen
- Großinvestoren schichten ihre Portfolios um und setzen verstärkt auf Öl- und Chip-Aktien.
- US-Tech-Giganten wie Microsoft und Tesla geraten unter Druck, während Energie- und Halbleiterwerte stark zugekauft werden.
- Immobilien-Aktien sind unbeliebt.
Resumen generado por IA
Wenn bekannte Investoren wie Bill Ackman ihre Quartalsportfolios bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen, verfolgt die Finanzwelt das aufmerksam. Viele Anleger betrachten diese Pflichtmeldungen als seltenen Einblick in die Denkweise jener Investoren, die durch ihre Vernetzung und Erfolgsbilanz aus der Masse herausstechen.
Das Handelsblatt wertet dafür regelmäßig die Portfolios der 1000 größten institutionellen Anleger nach verwaltetem Vermögen aus – mit Hunderttausenden Positionen in Aktien, Anleihen und Optionsscheinen. Zuletzt reichten die Investoren Mitte Mai ihre Meldungen für das erste Quartal 2026 bei der SEC ein. Die Analyse zeigt, welche Titel aktuell bei den großen Adressen besonders gefragt sind.
Nachdem die großen Fonds vor drei Monaten US-Werte verkauft und Werte aus Asien und Europa aufgestockt hatten, zeigt sich nun bei der Analyse, dass Fondsmanager vor allem in zwei Bereichen umschichten.
Zwei Themen hätten im abgelaufenen Quartal die Börsen bestimmt, sagt Kapitalmarktstratege Pascal Kielkopf vom Vermögensverwalter HQ Trust: Öl und Chips. Anfang des Jahres hätten Investoren noch Kapital aus den USA abgezogen. Doch das änderte sich nach dem Ausbruch des Irankriegs im Februar. „Das war ein Gamechanger“, sagt Kielkopf.
Die USA als Nettoölexporteur hätten davon profitiert, „wohingegen viele Schwellenländer, gerade im asiatischen Raum, aber auch Europa deutlich nach unten gedreht haben“, sagt Kielkopf.
Der zweite einflussreiche Trend im ersten Quartal seien die stark gestiegenen Bewertungen von Halbleiter-Aktien gewesen, sagt Kielkopf. Zugleich seien Softwaretitel unter Druck geraten, weil KI-Modelle wie Anthropics Claude ihre künftigen Geschäfte disruptieren könnten.
Die Entwicklung zeigt sich auch in der Sektoren- und Branchengewichtung der Profi-Portfolios. Energietitel wie Ölproduzenten, die besonders von der Blockade der Seestraße von Hormus und dem starken Anstieg des Ölpreises profitieren, wurden stark zugekauft. Insgesamt stieg ihre durchschnittliche Gewichtung in den Depots um 46 Prozent.
Im Technologie-Sektor wird die Spaltung deutlich. Während die Asset-Manager ihre Anteile bei Halbleitern um 23 Prozent aufstockten, verlor Software erheblich um 16 Prozent. Auch indirekte Profiteure des KI-Booms wie Energieversorger und Technologie-Hardware-Anbieter konnten ihre Anteile ausbauen.
Weniger beliebt waren hingegen Immobilien-Aktien. Für den Kapitalmarktstrategen Kielkopf ist auch das eine Folge des Irankonflikts. Der steigende Ölpreis lasse die Inflationserwartungen steigen, je länger der Konflikt dauere. Höhere Inflation wiederum zwinge die Zentralbanken tendenziell dazu, die Zinsen zu erhöhen. „Die Immobilienbranche ist stark abhängig von Hypotheken und damit sehr zinssensibel“, sagt Kielkopf. Das sei ein „belastendes Szenario“.
Beim Blick auf Einzeltitel zeigt sich erstmals seit längerer Zeit eine Schwäche der großen sieben Tech-Konzerne aus den USA, den sogenannten Magnificent Seven. Mit Ausnahme von Apple bauten die Marktexperten bei allen sieben Konzernen ihre Beteiligungen ab. Während Amazon und Nvidia nur geringfügig litten, sank die Gewichtung vor allem bei Microsoft und Tesla.
Der E-Auto-Hersteller musste sogar erstmals seinen Platz in der Gruppe der sieben wichtigsten Aktien in den Portfolios der Profi-Investoren an den Halbleiterproduzenten Broadcom abgeben. Neu in der Gruppe der zwanzig wichtigsten Aktientitel ist mit Micron Technology zudem ein weiterer Halbleiterverkäufer.
Stark abverkauft wurden hingegen viele Softwaretitel, besonders aus dem Software-as-a-Service-Bereich (SaaS). „Da ist die Befürchtung, dass moderne KI-Modelle – zunehmend auch in kostenfrei verfügbaren Versionen – die Entwicklung eigener Anwendungen erheblich vereinfachen könnten“, sagt Kielkopf. „Warum sollte man also teure Softwarelösungen von etablierten Anbietern kaufen, wenn man das selbst programmieren kann?“
„Ich würde da aber ein Fragezeichen dran machen, ob alle diese SaaS-Abverkäufe gerechtfertigt sind“, sagt Kielkopf. Er halte es etwa für unwahrscheinlich, dass Unternehmen anfangen würden, ihre eigene Cybersecurity-Software zu programmieren: „Das bringt ein enormes Sicherheitsrisiko mit sich.“
Gegen den Trend zugewinnen konnten Unternehmen, die Anleger als mögliche Gewinner der KI-Disruption identifiziert haben. So etwa der Internetdienstleister Fastly, der KI-Anfragen künftig vermehrt auf seinen weltweit verteilten Servern berechnen lassen will und sich so neue Umsätze erhofft.
Zudem gibt der Analyst zu bedenken, dass Softwareunternehmen „selbst KI einsetzen können, um ihre Produkte besser zu machen“. Er sagt: „Wenn Unternehmen das erfolgreich tun, bin ich mir sicher, dass sie auch nach wie vor eine Chance haben und nicht einfach ersetzt werden.“
Seit der Einführung des OpenAI-Modells ChatGPT im November 2022 hat sich der Anteil fast verdoppelt. Der größte Teil des Anstiegs geht auf die vergangenen sechs Monate zurück – und das auch mit Erfolg.
„Gerade in den vergangenen Wochen sind die Kurse von Halbleiter-Aktien regelrecht explodiert – wobei es sich dabei vor allem um Titel aus der zweiten Reihe handelt“, sagt Kapitalmarktexperte Kielkopf. Lange hätten die großen sieben Tech-Konzerne alles überragt. „Jetzt sind es eher Chip-Zulieferfirmen.“ Dazu zählten Werte wie Micron, Intel, Samsung oder SK Hynix.
Profi-Investoren setzen unter den Halbleiter-Werten derzeit vor allem auf den europäischen Chiphersteller STMicroelectronics, den taiwanesischen Konkurrenten United Microelectronics, sowie Aehr Test Systems und Formfactor aus Kalifornien.
Neben dem Hardwaretrend für die KI-Revolution hat sich auch der eingangs erwähnte Trend in den Portfolios der Großinvestoren niedergeschlagen: Steigende Ölpreise lassen die Anleger auf höhere Gewinne bei Förderern fossiler Energie hoffen.
Bemerkenswert ist, wie breit der Zukauf durch die gesamte Ölbranche geht. Alle der 15 weltweit größten Ölfirmen fanden sich deutlich häufiger in den großen Investmentportfolios als noch drei Monate zuvor. Bei keiner bauten die Profianleger Positionen ab.
Für Kielkopf ist das keine überraschende Entwicklung. „Die Ölstraße von Hormus ist nach wie vor nicht offen und die Ölpreise hoch“, sagt er. Außerdem lasse sich an den Öl-Futures ablesen, wie der Markt die Entwicklung des Ölpreises einschätze. „Die Hoffnung, dass die Ölpreise schnell wieder fallen und am Jahresende wieder da stehen, wo sie vor Kriegsausbruch waren – die ist in den Futures nicht mehr wirklich eingepreist.“







