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Karibikinsel Anguilla profitiert massiv vom KI-Boom durch Internet-Domain
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Die Welthace 9 horasBusiness4 min de lecturaGermany

Karibikinsel Anguilla profitiert massiv vom KI-Boom durch Internet-Domain

Die Web-Endung .ai beschert dem britischen Überseegebiet Rekordeinnahmen, während Unternehmen weltweit um die begehrten Internetadressen konkurrieren.

En resumen

  • Die Karibikinsel Anguilla verzeichnet durch den Verkauf ihrer Internet-Domain .ai, die für Künstliche Intelligenz steht, einen massiven Einnahmeschub.
  • Die Regierung erwartet erstmals Einnahmen von über 100 Millionen Dollar, die in Infrastruktur und Schuldentilgung fließen.

Resumen generado por IA

Por qué importa

Anguilla profitiert von der Internet-Endung .ai, die aufgrund des KI-Booms weltweit stark nachgefragt wird. Die Einnahmen übersteigen erstmals 100 Millionen Dollar.

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Immer im Sommer gibt es auf der kleinen Karibikinsel Anguilla ein großes Sommerfest. Motto dieses Jahr: „Die Party am Laufen halten“. Geplant sind verschiedene kleinere Aktivitäten, Straßenparaden und Strandpartys. Allerdings: Dass die Feierstimmung im Land bald enden könnte, ist ziemlich unwahrscheinlich. Denn Anguilla ist das Ziel einer enormen Investitionskampagne.

Wie es gerade aussieht, könnten die Einnahmen der 15.000-Einwohner-Inselnation, die rechtlich zu Großbritannien gehört, dieses Jahr zum ersten Mal 100 Millionen Dollar überschreiten. Vor wenigen Wochen veröffentlichte die Regierung in Anguilla Dokumente, in denen man davon ausgeht, dass die Einnahmen aus „Waren und Dienstleistungen“ dieses Jahr etwa diese Summe erreichen. Der Boom wird allerdings von Monat zu Monat größer.

Grund für den neuen Reichtum auf der Insel ist: ihre Webadresse. Deren sogenannte „Top-Level-Domain“, also das Länderkürzel im Internet, lautet „.ai“. Und das ist genau die Abkürzung, die im Englischen für „Artificial Intelligence“, also Künstliche Intelligenz, steht. Bedeutet: Aktuell sichern sich Hunderte Tech-Firmen Internetadressen in Anguilla – und sind bereit, dafür viel Geld zu bezahlen.

Die Preise gehen jedenfalls gerade durch die Decke. Vor wenigen Wochen wurde etwa der Fall des US-Unternehmers Dharmesh Shah bekannt, der für seine Website mit .ai-Kennung Medienberichten zufolge 700.000 Dollar (etwa 607.000 Euro) bezahlte. Auch die bekannte KI-Software Claude.ai nutzt eine Domain der Karibikinsel. Schätzungen auf Basis von Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) legen nahe, dass die Einnahmen Anguillas aus dem Adressenhandel heute dreimal so hoch sind wie noch 2023.

Aber: Nicht alle Adressen aus Anguilla sind so teuer. Eine .ai-Domain gibt es ab 80 Euro pro Jahr. Die lokale Vergabestelle erhöhte den Preis vor ein paar Wochen um zehn Dollar pro Jahr und legte eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten für die Verträge fest. Im Länder-Preisvergleich liegt Anguilla mit diesem Wert an der Spitze.

Reiner Zufall allerdings, dass die beiden Buchstaben für so viele Firmen gerade von Bedeutung sind. Welche Länder welche Webadresse bekommen, regelt eine globale Behörde namens IANA. Die meisten Domains sind einfache ISO-Ländercodes und stammen aus den 1980er- oder 1990er-Jahren. Seine Domain hat Anguilla auch schon seit 1995.

Vorteil: Die Preisgestaltung für die Adressen liegt allein bei den Behörden der Länder, denen sie zugeordnet sind. Eine deutsche .de-Adresse etwa kostet im Jahr oft nur fünf Euro. Für Websites mit Schweizer oder österreichischer Kennung werden üblicherweise zehn Euro pro Jahr fällig. Neutrale .net- oder .org-Adressen, die als überregionale Ausnahme von zwei Unternehmen in den USA verwaltet werden, gibt es schon ab acht Euro. Konventionelle .com-Kürzel liegen bei zehn bis 25 Euro im Jahr, allerdings sind viele Website-Namen dort schon vergeben.

Seit Ende April dieses Jahres gibt es auch deshalb den Plan, noch viel mehr Domains als bisher einzuführen. Unternehmen und Städte können bei der zuständigen Internet-Behörde ICANN seitdem neue Kennzeichen beantragen. „.kreuzberg“ wäre dann zum Beispiel für den gleichnamigen Stadtteil in der Hauptstadt denkbar. Auch Marken oder bestimmte Gruppen können sich noch bis zum 12. August um eine eigene Web-Endung bewerben.

Warum das Ganze? Die Webadresse wird zu einem immer wichtigeren Zeichen der digitalen Identität. Sowohl von Behörden als auch von Firmen, die sich in Anguilla eine Adresse kaufen. „In Zeiten zunehmender Cyber-Bedrohungen und wachsender Anforderungen an digitale Infrastrukturen bieten eigene Top-Level-Domains strategische Vorteile“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung von der Berliner IT-Beratung Dotzon. Firmen mit passendem Eintrag hätten „mehr Kontrolle über die IT-Infrastruktur, stärkeren Markenschutz und vertrauenswürdige digitale Services“.

Die Rechtslage ist schon jetzt in vielen Fällen kompliziert. Sogenannte „Cyber-Squatter“ – übersetzt: „Cyber-Hausbesetzer“ – nutzen den immer stärkeren Adresszeilen-Trend etwa aus und sichern sich potenziell begehrte Seiten vorab, um diese später teuer weiterzuverkaufen. Das Geschäft gilt jedoch als riskant und spekulativ, teilweise sogar illegal. Denn ausländische Adressen schützen nicht vor nationalem Recht. Sich fremde Markennamen zu sichern, ist zum Beispiel nicht erlaubt.

Anguilla wird aller Voraussicht nach jedoch weiterhin vom Webadressen-Aufschwung profitieren. Laut Internationalem Währungsfonds ist das Land eines von wenigen in der Karibik, die gerade eindeutig Schulden abbezahlen. Die lokale Regierung investiert das Geld zudem in Katastrophenschutz und erneuerbare Energien, baute jüngst ein großes Terminal am örtlichen Flughafen aus. Demnächst soll die Landebahn auf der Insel verlängert werden.

Einen Nachteil hat die neue Einnahmequelle dann aber doch. Bestrebungen, von Großbritannien unabhängig zu werden, sind mit dem Internet-Erfolg wohl vorbei. Das zeigt ein anderes Beispiel: Die Chagos-Inseln, die die britische Regierung gerade an Mauritius verschenkte, sollen künftig ihre Länder-Domain „.io“ verlieren. Als eine Art Vorgänger von „.ai“ war die Abkürzung gerade bei Tech-Firmen beliebt, weil sie innerhalb der Branche auch für „Input/Output“ stand. Mit ihrer Löschung müssen künftig Tausende Tech-Firmen auf eine andere Adresse umziehen. Mal sehen, welche sie finden.

Qué observar

Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos

  • Ausbau der Landebahn auf Anguilla

    Probable · En meses

Preguntas abiertas

  • Wie lange hält der KI-Domain-Boom an?
  • Welche Auswirkungen hat die Preisgestaltung auf kleine Startups?

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This article was originally published by Die Welt.

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