Philippe Sands erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
En resumen
- Philippe Sands wird für sein Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Völkerrecht mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
- Seine Arbeit, beeinflusst durch die Familiengeschichte im Holocaust, beleuchtet Kolonialverbrechen und die Entstehung des Völkerrechts, wie im Fall der Chagossianer.
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Por qué importa
Philippe Sands wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für sein Engagement für Völkerrecht und Gerechtigkeit ausgezeichnet, wobei seine Familiengeschichte und Fälle wie die Vertreibung der Chagossianer zentrale Themen seiner Arbeit sind.
Dafür wird er in diesem Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, der mit 25 000 Euro dotiert ist und zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse im Oktober verliehen wird. Eine sehr gute Wahl. Sands setze sich „für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein“, so der Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz.
Dieser absolut gerechtfertigte Groll
Sands wurde 1960 in London geboren und ist Professor für Rechtswissenschaften und Direktor des „Centre for International Courts and Tribunals“ am University College London. Seine Eltern sind Juden, seinem Großvater gelang nach dem Anschluss die Flucht aus Österreich nach Großbritannien, andere Familienmitglieder starben im Konzentrationslager. Sands, so der Börsenverein in seiner Begründung weiter, zeige als „Nachkomme von Holocaustüberlebenden entlang der eigenen Familiengeschichte, wie dieses Recht entstanden ist und welche Erfahrungen hinter den Tatbeständen ‚Genozid‘ und ‚Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ stehen“.
Besonders eindrücklich tat er dies etwa in seinem Buch „Die letzte Kolonie“, das 2023 auf Deutsch erschien. Es geht darin um die lange Leidensgeschichte der Chagossianer. Die stammen von der Chagos-Inselgruppe, die mitten im indischen Ozean liegt und erst von den Portugiesen besetzt wurde, dann von den Franzosen, schließlich von Großbritannien. Doch während andere britische Kolonien nach dem Zweiten Weltkrieg in die Unabhängigkeit entlassen wurden, hielt man es in London noch in den 1960-Jahren für eine gute Idee, die geostrategisch günstig gelegenen Inseln als Stützpunkte an die USA abzugeben.
Also wurden die Chagossianer zur Umsiedlung gezwungen, ihre Häuser und ihren Besitz mussten sie zurücklassen, ihre Haustiere wurden getötet. Philippe Sands war noch in der Schule, als das geschah, als Jurist übernahm er den Fall später, was zum doppelten Glück für die Chagossianer wurde. Nicht nur, dass im November 2000 ihre Umsiedlung vom Londoner High Court als unrechtmäßig bestätigt wurde. Sands hat zudem ihre Geschichte aufgeschrieben.
Dabei erzählt er auch, wie er die Prozesse als Anwalt erlebt hat, mit welcher Arroganz, Ruchlosigkeit und Kälte die ehemaligen Kolonialmächte ihre Schuld abzustreiten versuchen. So beschreibt er einen britischen UN-Delegierten, der sich beschwert, dass die Debatten auf Gefühlen beruhen würden, „statt vernunftgeleitet zu sein“. Dies spiegele „einen ,ungerechtfertigten Groll der dunkleren Völker gegen die frühere Beherrschung der Welt durch europäische Nationen‘.“
Wohlgemerkt: diese Prozesse liegen nur wenige Jahrzehnte zurück, und sie strahlen lichterloh bis ins Heute. Die aktuelle Weltlage ist nicht erklärbar, ohne diesen absolut gerechtfertigten Groll der ehemals überfallenen, misshandelten und ausgebeuteten Völker wahrzunehmen und zu verstehen. Sie alle bilden mittlerweile das, was man gemeinhin als den „globalen Süden“ bezeichnet.
Neben dem Prozess der Chagossianer war Sands an weiteren bedeutenden Verfahren beteiligt, beispielsweise zur israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete und zu Verbrechen des Militärs in Myanmar an der muslimischen Minderheit der Rohingya. Und er hat noch andere Bücher geschrieben, über geflohene Nazis in Chile beispielsweise. In „Rückkehr aus Lemberg“ etwa erzählt er nicht nur die Geschichte seiner Familie, sondern auch die Geburt des modernen Völkerrechts, das auch in „Die letzte Kolonie“ großen Raum einnimmt.
Aus den Gerichtsprozessen, die er erlebt hat, beschrieb er später einen Moment, den er nicht mehr vergessen konnte: Im Sommer 1998 war Sands als Mitglied der Delegation der Salomonen in Rom, wo ein Anwalt sich über die Wiederaufnahme der französischen Atomwaffentests im Südpazifik empörte. Die Anwesenden im Großen Saal des Friedenspalastes bemerkten, „wie der französische Richter seinen Kopfhörer von den Ohren nahm und vor sich auf den Tisch legte“. Der französische Richter wollte sich nicht anhören, was die Opfer der Politik seines Landes zu sagen hatten. Also hat Philippe Sands dafür gesorgt, dass man es bis heute und in alle Zukunft in seinen Büchern nachlesen kann.
Qué observar
Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos
Philippe Sands wird im Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.
Muy probable · En meses
Preguntas abiertas
- Welche konkreten Auswirkungen wird die Auszeichnung auf die öffentliche Wahrnehmung des Völkerrechts haben?
- Wie werden die im Artikel genannten Konflikte in Zukunft weiterverhandelt?


