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Ruth Ellis: Posthume Begnadigung nach 71 Jahren für letzte hingerichtete Frau Großbritanniens
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Die Welt10/7/2026Política4 min de lecturaGermany

Ruth Ellis: Posthume Begnadigung nach 71 Jahren für letzte hingerichtete Frau Großbritanniens

En resumen

  • Ruth Ellis, die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde, hat 71 Jahre nach ihrer Hinrichtung eine posthume Begnadigung erhalten.
  • Der britische Justizminister David Lammy erkannte eine "schwere Ungerechtigkeit" an, da mildernde Umstände im Verfahren nicht berücksichtigt wurden.
  • Ellis wurde 1955 wegen Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet, nachdem sie ihren gewalttätigen Liebhaber erschossen hatte.

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Por qué importa

Ruth Ellis war die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde. Ihr Fall trug zur Abschaffung der Todesstrafe bei.

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Obwohl die Konsequenzen tödlich waren, brauchten die Geschworenen im Londoner Old Bailey im Juni 1955 ganze 20 Minuten, um Ruth Ellis des Mordes für schuldig zu sprechen. Das bedeutete für die 28-Jährige den Tod durch den Strang, der am 13. Juli im Holloway Prison durch den Henker vollstreckt wurde. Ellis sollte die letzte Frau sein, die in Großbritannien ein Opfer der Todesstrafe wurde.

Es dauerte 71 Jahre, bis Ruth Ellis postum begnadigt wurde. „Ich habe die Ehre, bekannt zu geben, dass Seine Majestät der König auf unsere Empfehlung hin zugestimmt hat, Ruth Ellis eine bedingte Begnadigung zu gewähren“, sagte der britische Justizminister und stellvertretende Premierminister David Lammy vor dem Parlament in London. Damit werde eine „schwere Ungerechtigkeit“ anerkannt. Denn die mildernden Umstände, die Ellis vor der Hinrichtung hätten retten können, wurden in den Verfahren nicht bedacht.

Die Lebensumstände der Angeklagten dürften die Jury damals dazu bewogen haben, es sich leicht zu machen. Ruth Ellis, geborene Hornby, Tochter eines Engländers und einer Belgierin, hatte mit 14 Jahren die Schule abgebrochen und in Bars als Kellnerin, später in Nachtclubs als Stripperin und Prostituierte gearbeitet. Zwei Kinder, eine Abtreibung und eine gescheiterte Ehe folgten.

1953 lernte Ellis als Bardame in einem Londoner Nachtclub David Drummond Moffat Blakely kennen, einen mehr oder weniger erfolgreichen Rennfahrer, der sich auch als Hersteller von Sportwagen versuchte. Die Beziehung der beiden war von Leidenschaft geprägt und von Gewalt. Auch nachdem Ellis schwanger geworden war, musste sie wiederholt seine Handgreiflichkeiten ertragen, zuletzt am 31. März 1955. Durch einen Schlag in den Bauch verlor sie ihr Kind.

Zehn Tage später erwartete Ellis ihren Liebhaber vor der Magdala Tavern im Londoner Stadtteil Hampstead. Als er das Lokal verließ, feuerte sie mit einem Revolver der Marke Smith and Wesson zwei Schüsse auf Blakely ab, der daraufhin zu Boden stürzte. Die letzten vier Kugeln aus dem Magazin trafen den Verwundeten aus nächster Nähe. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Sie ließ sich festnehmen, ohne Widerstand zu leisten.

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Am 20. Juni begann der Prozess vor dem Londoner Strafgerichtshof Old Bailey. Das öffentliche Interesse war enorm, Gegner der Todesstrafe und selbsternannte Verteidiger der guten Sitten prallten aufeinander. Die Sonntagszeitung „Sunday Pictorial“ (seit 1963 „Sunday Mirror“) bezahlte sogar ihre Anwälte. Aber Ellis hatte es der Staatsanwaltschaft leicht gemacht, indem sie erklärte: „Es ist doch offensichtlich, dass ich ihn töten wollte.“

Ein Deal, die Tat nicht als Mord, sondern als Totschlag zu werten, war damit unmöglich. Die brutale Vorgeschichte interessierte das Gericht nicht, wohl auch, weil Ellis eine Affäre mit einem gewissen Desmond Cussen unterhalten hatte, der unter dem Verdacht stand, ihr den Revolver besorgt zu haben. Gerüchte von einem Eifersuchtsdrama machten die Runde.

Zwar wies Richter Cecil Robert Havers die Geschworenen an, dass „dieses Gericht kein Moralgericht, sondern ein Strafgericht“ sei. „Seien Sie nicht im Geringsten voreingenommen gegenüber der Angeklagten, nur weil sie laut ihrem eigenen Geständnis Ehebruch begangen hat oder weil sie gleichzeitig zwei Liebhaber hatte.“ Aber: „Selbst wenn Sie jedes Wort der Aussage von Frau Ellis akzeptieren, scheint darin nichts zu sein, was irgendeine Art von Verteidigung gegen die Mordanklage begründen würde.“

Sie selbst erklärte nach dem Urteil: „Ich habe mich nicht verteidigt. Ich sage, ein Leben für ein Leben.“ In einem Brief kurz vor ihrer Hinrichtung schrieb sie dem Labour-Abgeordneten George Rogers, er werde von ihrem Anwalt „die Wahrheit erfahren“. Ellis’ Fall beförderte in Großbritannien die Abkehr von der Todesstrafe. Deren letzte Opfer waren im August 1964 die Raubmörder Peter Anthony Allen und Gwynne Owen Evans. 1973 wurde die Todesstrafe offiziell abgeschafft.

Zwei Enkelkinder von Ellis saßen auf der Zuschauertribüne, als Justizminister Lammy die Begnadigung verkündete. „Heute hat unsere Großmutter endlich Gerechtigkeit erfahren“, erklärte Enkelin Laura Enston. „Diese Begnadigung macht nicht ungeschehen, was vor 71 Jahren geschehen ist. Aber sie bekräftigt offiziell und endgültig, dass Ruth nicht hätte hingerichtet werden dürfen, und dass die Justiz ihr Ungerechtigkeit zugefügt hat.“

Schon in seiner Geschichts-Promotion beschäftigte sich Berthold Seewald mit Brückenschlägen zwischen antiker Welt und Neuzeit. Als WELT-Redakteur gehörten Serienmörder zu seinem Arbeitsgebiet.

Preguntas abiertas

  • Welche Rolle spielte Desmond Cussen genau?
  • Gab es weitere Zeugen der Tat?

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This article was originally published by Die Welt.

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