Abschaffung der "Rente mit 63" könnte Milliarden sparen
L'essentiel
- Eine neue Studie von DIW und Bertelsmann Stiftung schlägt vor, die "Rente mit 63" abzuschaffen.
- Dies könnte die öffentlichen Kassen um 9,5 Mrd.
- Euro pro Jahr entlasten und 125.000 Arbeitskräfte freisetzen.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Eine Studie des DIW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersucht die finanziellen und arbeitsmarktbezogenen Auswirkungen der "Rente mit 63". Diese Regelung ermöglicht Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine Abschaffung erhebliche Entlastungen für die öffentlichen Kassen und den Arbeitsmarkt bringen würde.
Eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte würde die öffentlichen Kassen einer neuen Studie zufolge um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlasten. Zudem stünden dem Arbeitsmarkt zusätzlich rund 125.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung, errechnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.
Die sogenannte "Rente mit 63" ermöglicht es Beschäftigten nach 45 Beitragsjahren, vorzeitig ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Jedes Jahr nehmen dies nach Angaben der Stiftung etwa 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige in Anspruch.
Modellrechnung für den Jahrgang 1957
Die Modellrechnung für Rentnerinnen und Rentner des Jahrgangs 1957 - aktuell der jüngste Jahrgang, der vollständig im Ruhestand sei - zeigt demnach, dass die gesetzliche Rentenversicherung um rund 10,4 Milliarden Euro entlastet werden könnte.
Die Forscher gehen davon aus, dass die Betroffenen ihren Renteneintritt ohne diese Option im Schnitt um zehn Monate verschieben würden. Dem stünden Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben von zusammen rund 900 Millionen Euro gegenüber.
"Kompetenz, Fachwissen und Arbeitskraft gehen vorzeitig verloren"
"Der Staat lässt sich das Angebot der 'Rente mit 63' jedes Jahr viele Milliarden Euro kosten", sagte André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. "Es belastet die Rentenkasse, zugleich gehen der Wirtschaft Kompetenz, Fachwissen und Arbeitskraft vorzeitig verloren."
Abgesehen von den finanziellen Aspekten hätte ein Wegfall der Regelung laut der Studie zur Folge, dass dem Arbeitsmarkt zusätzlich rund 125.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung stünden.
Frührente bei Besserverdienern beliebt
Entgegen der landläufigen Meinung werde die abschlagsfreie Frührente nicht nur von Menschen in körperlich anstrengenden Berufen genutzt, heißt es in der Untersuchung. Anspruchsberechtigt seien vor allem Personen mit langen und stabilen Erwerbsbiografien und daher überdurchschnittlich hohen Rentenansprüchen.
"Weit größer ist doch der Nutzen, der entsteht, wenn es gelingt, erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte einige Monate oder gar Jahre länger im Job zu halten", sagte Eric Thode von der Bertelsmann Stiftung.
Abschaffung mit Ausnahmeregelung?
Auch eine Studie des Prognos-Instituts für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hatte im Jahr 2023 gezeigt, dass ein Auslaufen der abschlagsfreien "Rente ab 63" den Fachkräftemangel lindern und die Beitragszahler deutlich entlasten könnte.
Im Jahr 2025 hätten diese ohne die "Rente mit 63" rund acht Milliarden Euro weniger aufbringen. Dem Arbeitsmarkt seien durch die Regelung mehr als 200.000 Beschäftigte entzogen worden.
Experten schlagen Ausnahmereglen vor
Eine pauschale Abschaffung sehen die Autorinnen und Autoren der Studie von Bertelsmann und dem DIW allerdings kritisch. Sie würde insbesondere Personen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit hart treffen, da diese gezwungen wären, Rentenabschläge in Kauf zu nehmen.
Um dies zu vermeiden, schlagen die Fachleute Ausnahmeregelungen vor - etwa eine individuelle Gesundheitsprüfung, eine neu gestaltete Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Berücksichtigung des Einkommens.
Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen
Zudem sei es entscheidend, in Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen zu investieren, um mehr Menschen längeres Arbeiten zu ermöglichen.
Die aktuelle Regelung war 2014 von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingeführt worden. Sie ist jedoch wegen ihrer Kosten umstritten. Die aktuelle Koalition aus SPD und Union will bald Entscheidungen über ein Reformpaket auch zur Rente treffen.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Die aktuelle Koalition wird Entscheidungen über ein Rentenreformpaket treffen, das auch die "Rente mit 63" betrifft.
Très probable · En quelques mois
Eine pauschale Abschaffung der "Rente mit 63" wird vermieden, stattdessen werden Ausnahmeregelungen eingeführt.
Possible · En quelques mois
Questions ouvertes
- Wie genau würden die Ausnahmeregelungen für Personen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit gestaltet?
- Welche konkreten Maßnahmen zur Weiterbildung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen werden vorgeschlagen?
- Wann wird die aktuelle Koalition Entscheidungen über das Rentenreformpaket treffen?
- Welche politischen Hürden gibt es für eine Abschaffung der "Rente mit 63"?



