China-Schock: Chinesische Unternehmen investieren massiv in Europa
L'essentiel
- Chinesische Unternehmen investieren wieder stärker in Europa, vor allem im Autobereich.
- Experten warnen vor einem neuen "China-Schock" durch steigende Exporte und fordern mehr Technologietransfer.
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Chinesische Unternehmen investieren wieder stärker in Europa, insbesondere im Automobilsektor. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer härteren Chinapolitik der EU, einschließlich Schutzzöllen auf E-Autos. Gleichzeitig nehmen die chinesischen Exporte in die EU zu, was zu einem "China-Schock" führen könnte.
Chinesische Unternehmen investieren massiv in Europa, vor allem im Autobereich. Doch zugleich nehmen auch die Exporte aus der Volksrepublik zu. Experten warnen vor einem neuen China-Schock. Jakob Hanke Vela, Moritz Koch, Julian Olk 18.05.2026 - 19:00 Uhr Artikel anhören
E-Autos von Byd für den deutschen Markt: Das erste europäische Werk des chinesischen Herstellers steht in Ungarn vor der Eröffnung. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Berlin, Brüssel. Chinesische Unternehmen investieren wieder stärker in Europa. Im vergangenen Jahr stiegen die Investitionen um 67 Prozent und erreichten einen Wert von 16,8 Milliarden Euro. Das ist das höchste Niveau seit 2018. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der China-Denkfabrik Merics und der Rhodium Group, die dem Handelsblatt vorliegt.
Sogenannte Greenfield-Investitionen, bei denen keine Unternehmen aufgekauft, sondern neue Produktionsstätten errichtet werden, kletterten sogar auf einen neuen Höchstwert:
Sie summieren sich auf fast neun Milliarden Euro – eine Steigerung von 51 Prozent gegenüber 2024.
Aus Sicht der EU-Kommission ist diese Entwicklung kein Zufall, sondern das Ergebnis einer härteren Chinapolitik, zu der die Schutzzölle gegen importierte chinesische E-Autos gehören. Diese machen eine Produktion in Europa attraktiver. Die Botschaft lautet: Die EU will sich nicht länger auf die Rolle eines Absatzmarkts für subventionierte chinesische Überkapazitäten reduzieren lassen. „Europa ist kein kostenloses Buffet mehr“, sagte Industriekommissar Stéphane Séjourné dem Handelsblatt. „Wir sind offen für Investitionen, aber wir müssen unsere Interessen wahren.“
Ökonomen fürchten „China-Schock“
Vor allem im Automobilsektor bauen chinesische Unternehmen neue Fabriken in Europa. Die Summe der Investitionen in diesem Bereich betrug im vergangenen Jahr 7,6 Milliarden Euro, mehr als 90 Prozent davon konzentrierten sich auf die Lieferkette für Elektrofahrzeuge. Das chinesische Unternehmen CALB errichtet etwa eine Fabrik in Portugal, CATL eine Produktionsanlage in Ungarn, Gotion eine Gigafactory in der Slowakei. Und bei VW gibt es Überlegungen, freie Kapazitäten in deutschen Werken mithilfe chinesischer Joint-Venture-Partner auszulasten.
Trotz der verstärkten Investitionstätigkeit legen auch die chinesischen Exporte in die EU weiter zu. Das Ausmaß des Warenzustroms ist so groß, dass Ökonomen von einem neuen „China-Schock“ sprechen. Vor allem deutsche Unternehmen – Autokonzerne, Zulieferer, Maschinenbauer – stehen unter hohem Wettbewerbsdruck, da die Chinesen nicht nur günstige, sondern zunehmend auch qualitativ hochwertige Produkte anbieten.
Ökonomen fürchten, dass der China-Schock zur „Deindustrialisierung“ Europas beiträgt. Die Münchener Handelsökonomin Dalia Marin etwa warnt vor einem Verdrängungswettbewerb, dem die deutsche Wirtschaft nicht gewachsen sei. Marin spricht sich dafür aus, den Zugang zum europäischen Markt an die Bedingung zu koppeln, in Europa zu produzieren – auch um Wissen von China nach Europa zu transferieren. Denn auf Feldern wie dem Bau von E-Autos und in der Batterie-Fertigung sind chinesische Unternehmen technologisch an ihren europäischen Wettbewerbern vorbeigezogen.
Europa ist kein kostenloses Buffet mehr. Stéphane SéjournéEU-Industriekommissar
Die EU-Kommission plant deshalb, in bestimmten strategischen Sektoren künftig Technologietransfers gesetzlich vorzuschreiben – so wie es China vorgemacht hat. „Strengere Auflagen für ausländische Investitionen führen zu mehr Arbeitsplätzen und zu mehr Wertschöpfung in Europa“, stellt Kommissionsvizepräsident Séjourné klar.
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„Es wäre wünschenswert, einen umgekehrten Wissenstransfer einzuleiten“, sagt auch Merics-Forscher Andreas Mischer. Allerdings sei fraglich, ob die Chinesen sich darauf einlassen würden. Bisher ist China kaum zu Zugeständnissen bereit und unternimmt wenig, um das stark auf die Förderung des Exportsektors ausgerichtete Wirtschaftsmodell anzupassen.
Die Studie weist darauf hin, dass Chinas Währung, der Renminbi, im vergangenen Jahr stark an Wert verloren hat, was Exporte gegenüber Direktinvestitionen attraktiver werden lässt. Hinzu kommt, dass chinesische Firmen Produktionskapazitäten in China geschaffen haben, die schon jetzt die globale Nachfrage übersteigen. Es ergibt für diese Unternehmen daher kaum Sinn, weitere Fabriken in Europa zu bauen. Wohl auch deshalb verzeichnet die Studie einen Rückgang bei den neu angekündigten Direktinvestitionen. Damit ist fraglich, ob sich der positive Trend in den kommenden Jahren fortsetzt.
Batteriewerk von CATL in Arnstadt, Thüringen: Das chinesische Unternehmen expandiert in Europa. Foto: picture alliance / ZB/euroluftbild.de
Dennoch: Fürs Erste sieht sich die EU in ihrem Kurs bestätigt. Auch im Europaparlament werden die neuen Zahlen begrüßt. Die EU erhebt seit Juli 2024 zusätzliche Zölle auf chinesische Elektroautos, weil sie den Wettbewerb durch staatliche Subventionen verzerrt sieht. Der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD), sieht darin einen Hebel, um Produktion nach Europa zu holen.
Autoindustrie
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Europa dürfe nicht nur Absatzmarkt für chinesische E-Autos sein: „Ziel der Schutzzölle ist auch, dass chinesische Hersteller hier investieren und ihre Autos auch hier vor Ort herstellen und Arbeitsplätze schaffen.“ In den 1980er-Jahren sei Europa gegenüber japanischen und koreanischen Herstellern ähnlich vorgegangen – mit Erfolg.
Aus Brüsseler Sicht ist damit allerdings nur der erste Teil der Strategie erfüllt. Im nächsten Schritt müsse sichergestellt werden, dass die chinesischen Fabriken in Europa zum Aufbau von Know-how und Wertschöpfung beitragen. „Entscheidend ist jetzt, dass diese Investitionen fair laufen“, sagte Lange. „Wenn BYD oder andere chinesische Hersteller in Europa produzieren, ist das grundsätzlich gut. Aber wir müssen sehr genau hinschauen, dass der Wettbewerb nicht verzerrt wird. Deshalb ist es richtig, dass die EU die Förderung der BYD-Fabrik in Ungarn untersucht.“
Die EU setzt auf Industriepolitik
Zudem wächst die Sorge, dass chinesische Investitionen ohne klare Auflagen am Ende nur begrenzten Nutzen für Europa haben. Gerade in der Automobilindustrie will die EU eine Integration mit europäischen Lieferketten erreichen, um technisches Know-how etwa in der Batteriezellproduktion zu erwerben. „Europa darf nicht zulassen, dass chinesische Hersteller hier nur eine verlängerte Werkbank errichten“, sagte Lange. „Bei Batteriefabriken haben wir gesehen, dass Arbeiter aus China geschickt werden, um die Fabriken hier aufzubauen. Wer in Europa produziert, muss auch in Europa Wert schaffen: mit Jobs vor Ort und Technologietransfer.“
Produktion des Windanlagenbauers Mingyang: Geplatzter Deal für den Bau einer Fabrik an der deutschen Küste. Foto: picture alliance / CFOTO
Die Kommission will deshalb mit dem geplanten Gesetz zum „Industrial Accelerator Act“ chinesische Investitionen an Bedingungen knüpfen. Chinesische Investitionen sollen in strategischen Sektoren nur genehmigt werden, wenn sie mit Technologietransfers einhergehen oder als Teil von Joint Ventures mit europäischen Unternehmen stattfinden.
Industriekommissar Séjourné verteidigt diesen Kurs: Der Industrial Accelerator Act werde dazu beitragen, dass wir mehr Produktion „made in Europe“ haben. „Europa tut damit nur, was der Rest der Welt längst tut“, betont Séjourné.
Clément Beaune
„Wir schlagen einen Zoll von 30 Prozent auf alle chinesischen Importe vor“
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, welche Sicherheitsbedenken mit den verstärkten chinesischen Investitionen einhergehen. Gerade in Deutschland wächst seit Jahren die Sorge, dass China sich in zentrale Bereiche der Bundesrepublik einkaufen könnte.
Im Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) laufen Arbeiten an einer Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes. Das hatte bereits Reiches Vorgänger Robert Habeck (Grüne) versucht. Er wollte bestimmten Greenfield-Investitionen aus China eine staatliche Prüfpflicht auferlegen. Das Gesetz kam wegen des vorzeitigen Koalitionsbruchs aber nicht zustande. Welche Verschärfungen nun vorgesehen sind, ist noch unklar. Ein erster Entwurf wird in den nächsten Monaten erwartet.
Nicht alle Investitionen sind willkommen
In konkreten Fällen hat sich Reiche gegen China gestellt. Das Wirtschaftsministerium hatte etwa den Einstieg des italienischen Energieversorgers Snam beim deutschen Gasnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) im vergangenen Jahr verhindern wollen.
Mittelbar beteiligt an Snam ist das chinesische Staatsunternehmen State Grid Corporation of China (SGCC), der größte Energieversorger der Welt. Letztlich zog Snam im November 2025 seine Offerte selbst zurück, da das Unternehmen keine Hoffnung mehr auf eine Freigabe aus Berlin hatte.
Wirtschaftsministerin Reiche: Gespräche „hinter verschlossenen Türen“. Foto: Federico Gambarini/dpa
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Nach politischem Druck war im August des vergangenen Jahres zudem ein geplanter Windpark vor der deutschen Küste nicht wie geplant mit Turbinen des chinesischen Herstellers Mingyang ausgestattet worden. Mingyang hatte bereits nach einem Standort für den Bau einer Fabrik in Deutschland gesucht. Geprüft wird derzeit noch der geplante Einstieg des chinesischen Online-Händlers JD.com beim deutschen Elektronikhändler Ceconomy.
Reiche reist kommende Woche nach China. „China bleibt für uns ein großer und wichtiger Markt“, hatte die CDU-Politikerin kürzlich gesagt. Sie wolle Deutschland dort als verlässlichen Partner präsentieren. Die Volksrepublik nutze aber Rohstoffe und industrielle Vorprodukte, um damit geopolitische Ziele durchzusetzen. „Darauf gilt es sich einzustellen.“
Mehr: Vom Industriemodell zur Datenkolonie? Warum sich Europas Zukunft im Technologie-Rennen entscheidet
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À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
The EU will implement stricter conditions for Chinese investments in strategic sectors, requiring technology transfer or joint ventures.
Très probable · En quelques mois
Germany will likely pass stricter regulations on foreign investments, potentially impacting Chinese Greenfield investments.
Probable · En quelques mois
Increased protectionist measures from the EU, such as tariffs or stricter regulations, will continue to shape the relationship with China.
Probable · Moyen terme
Questions ouvertes
- Will China agree to reciprocal technology transfer requirements?
- How will the EU's Industrial Accelerator Act specifically impact future investments?
- What are the precise details of the proposed changes to Germany's Foreign Trade Act?
- Will the current trend of increased Chinese investment in Europe continue in the coming years?





