Commerzbank-Chefin Orlopp und Unicredit-Boss Orcel: Weiter auf Konfrontationskurs oder Verständigung?
L'essentiel
- Trotz eines persönlichen Gesprächs zwischen Commerzbank-Chefin Orlopp und Unicredit-Boss Orcel bleiben die Fronten im Übernahmekampf verhärtet.
- Drei Hauptstreitpunkte – die Übernahmeprämie, das Auslandsnetz der Commerzbank und die Einbindung von Bundesregierung und Betriebsrat – verhindern eine Einigung.
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Die Commerzbank und Unicredit befinden sich seit 2024 in einem Übernahmekampf. Ein vertrauliches Gespräch zwischen den Vorstandschefs Bettina Orlopp und Andrea Orcel brachte keine Annäherung.
Nach einem vertraulichen Gespräch der Vorstandschefs dringen Details nach außen. Bei dem Poker mit Unicredit geht es nicht nur um den Preis. Zwei Akteure spielen eine entscheidende Rolle. Andreas Kröner 23.06.2026 - 07:44 Uhr Artikel anhören
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und Unicredit-Boss Andrea Orcel: Weiter auf Konfrontationskurs oder Verständigung? Foto: Imago, Getty Images, Commerzbank
Frankfurt. Für Bettina Orlopp steht viel auf dem Spiel. Auf der Hauptversammlung am 20. Mai haben sich viele Mitarbeiter und Aktionäre für eine eigenständige Commerzbank ausgesprochen und die Vorstandschefin für ihren Widerstand gegen Unicredit gefeiert. Wenige Tage später wendet sich die 56-Jährige dann an Andrea Orcel.
Orlopp schlägt dem Unicredit-Chef vor, in einem persönlichen Gespräch auszuloten, ob es nicht vielleicht doch noch einen Weg gibt, aus der feindlichen Attacke einen freundlichen Zusammenschluss zu machen.
Bei dem Spitzengespräch, das am 28. Mai stattgefunden hat, wurde dann jedoch deutlich, dass es nach wie vor große Differenzen gibt, die sich vermutlich auch in der Zukunft nicht einfach ausräumen lassen.
Die Erwartungen mancher Investoren, beide Seiten würden sich in dem seit 2024 tobenden Übernahmekampf früher oder später auf einen freundlichen Deal verständigen, könnten sich damit aus Sicht von Beteiligten als zu optimistisch erweisen.
Das Handelsblatt hat in den vergangenen Wochen mit zahlreichen Personen gesprochen, die am Übernahmeprozess beteiligt sind. Obwohl Unicredit nach ihrem Übernahmeangebot bald rund 40 Prozent der Commerzbank-Aktien kontrollieren wird, glaubt niemand der Insider an eine schnelle Lösung des Konflikts. Verantwortlich dafür sind vor allem drei große Streitpunkte.
1. Angemessene Übernahmeprämie
Orlopp ist als Vorstandschefin verpflichtet, im Interesse der eigenen Aktionäre zu handeln, von denen einige einen Deal zu besseren Konditionen durchaus attraktiv fänden. Orcels wiederholte Attacken auf die Commerzbank haben sie zwar maßlos geärgert, aber in der Öffentlichkeit bewahrt die Managerin die Contenance.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: „Es gibt einen Weg hin zu einem freundlichen Deal.“ Foto: imago/imagebroker
Zudem hat Orlopp bei aller Kritik an Unicredits Vorgehen stets betont, offen für eine gemeinsame Lösung zu sein. „Es gibt einen Weg hin zu einem freundlichen Deal“, sagte sie Anfang des Monats auf einer Investorenkonferenz von Goldman Sachs. „Wir haben immer gesagt, dass wir bereit sind, uns zusammenzusetzen und über eine solche Lösung zu sprechen.“
Dabei bestätigte Orlopp indirekt auch die Geheimgespräche mit Unicredit, über die vergangene Woche bereits mehrere Medien berichtet hatten. Sie habe „proaktiv Kontakt mit Unicredit aufgenommen“, um sicherzustellen, dass Orcel von der Bereitschaft der Commerzbank zu weiteren Gesprächen wisse, erklärte die Vorstandschefin.
Dafür gibt es laut Orlopp jedoch drei Vorbedingungen: Unicredit müsse eine angemessene Übernahmeprämie zahlen. Die Stärken des Geschäftsmodells der Commerzbank müssten auch nach einem Verkauf bewahrt werden. Und die Aufstellung und Governance eines fusionierten Konzerns müssten reflektieren, dass Deutschland nach einer Übernahme der größte Markt für Unicredit wäre.
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Einen konkreten Preis hat Orlopp in den Geheimgesprächen mit Unicredit nicht gefordert, aber einen prozentual zweistelligen Aufschlag auf den Commerzbank-Kurs. Das ist aus ihrer Sicht eine Grundvoraussetzung für tiefergehende Gespräche.
Dazu muss man wissen: Orlopp könnte ihren Aktionären eine Übernahme grundsätzlich nur empfehlen, wenn der Angebotspreis in einem unabhängigen Gutachten („Fairness Opinion“) als angemessen bewertet wird. Nach Einschätzung der Commerzbank-Gremien ist dafür zwingend eine zweistellige Übernahmeprämie nötig.
Orcel hat die Forderung nach einem zweistelligen Aufschlag in den Geheimgesprächen jedoch zurückgewiesen, weil ein Deal für seine Aktionäre dann nicht mehr attraktiv wäre. Außerdem ist der 63-jährige Italiener der Ansicht, dass im aktuellen Commerzbank-Kurs bereits eine signifikante Übernahmeprämie enthalten ist.
Der Wert des Papiers hat sich seit Unicredits Einstieg im September 2024 mehr als verdreifacht und damit deutlich stärker zugelegt als andere Geldhäuser im selben Zeitraum.
2. Auslandsnetz der Commerzbank
Der Hauptstreitpunkt bei den Debatten über das künftige Geschäftsmodell ist das Auslandsnetz der Commerzbank. Das Geldhaus ist weltweit in 40 Ländern mit eigenem Personal vertreten. Zudem arbeitet es mit rund 1300 Korrespondenzbanken zusammen, die im Ausland komplementäre Dienstleistungen erbringen.
Für Orlopp ist das Auslandsnetz ein integraler Bestandteil des Instituts, das den Angaben zufolge rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels abwickelt. Viele Commerzbanker sehen es als zentralen Wettbewerbsvorteil. Das Geldhaus könne damit die Auslandsgeschäfte von kleineren Mittelständlern begleiten, die bei internationalen Großbanken oft nicht mal einen eigenen Ansprechpartner bekämen, argumentieren sie.
Unicredit verfolgt einen anderen Ansatz. Außerhalb seiner europäischen Kernmärkte ist das Institut kaum mit eigenem Personal vertreten und setzt fast ausschließlich auf Korrespondenzbanken. Das ist aus Sicht von Orcel deutlich effizienter und auch weniger risikoreich als der Ansatz der Commerzbank.
Hafen von Abidjan: Braucht die Commerzbank ein Repräsentationsbüro in der Elfenbeinküste? Foto: AFP/Getty Images
Unicredit wäre zwar bereit zu prüfen, ob es sinnvoll sein könnte, einzelne Auslandsstandorte wie Hongkong oder Singapur aufrechtzuerhalten, sollten diese wirklich wichtig für das Mittelstandsgeschäft der Commerzbank sein. Laut ihrer Internetseite betreiben die Frankfurter aber beispielsweise auch Repräsentationsbüros in Angola und der Elfenbeinküste. Dass diese essenziell für den deutschen Mittelstand sind, glaubt Unicredit nicht.
Zudem haben in der Konzernzentrale in Mailand viele den Eindruck, Orlopp sperre sich grundsätzlich gegen größere Veränderungen bei der Commerzbank, die aus Sicht von Unicredit aber dringend erforderlich sind. Die Italiener halten die Commerzbank für einen Restrukturierungsfall und wollen im Fall einer Übernahme allein in Deutschland 7000 Vollzeitstellen streichen.
Orlopp sieht dagegen keinen Restrukturierungsbedarf und verweist auf das Wachstum des Instituts in den vergangenen Jahren. „Wenn man schlau ist, kann man dies für eine kombinierte Bank hervorragend nutzen“, sagte sie auf der Goldman-Konferenz.
3. Bundesregierung und Betriebsrat
Orcel wäre bereit, eine moderate Übernahmeprämie zu bezahlen, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Es gibt unterschiedliche Darstellungen, ob er dafür in den Geheimgesprächen einen sofortigen Verkauf der Staatsbeteiligung von 13 Prozent an der Commerzbank verlangt hat oder nur die Vermittlung von konstruktiven Gesprächen mit der Bundesregierung und dem Betriebsrat.
Fest steht jedoch: Ein höheres Angebot kommt für Orcel nur infrage, wenn er sich mit allen wesentlichen Beteiligten auf einen verlässlichen Rahmen verständigen kann, um seine Pläne bei der Commerzbank umzusetzen. Dazu zählen aus seiner Sicht neben dem Management auch die Bundesregierung und der Betriebsrat.
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Bei Unicredit haben einige den Eindruck, Orlopp weigere sich vor allem, Gespräche mit dem Betriebsrat und der Bundesregierung zu vermitteln, weil Orcel keine zweistellige Übernahmeprämie bezahlen wolle. Viele Commerzbanker halten die Vorstellung, Orlopp könne quasi mit einem Fingerschnipsen konstruktive Verhandlungen mit der Bundesregierung und dem Betriebsrat herbeiführen, dagegen für realitätsfremd.
Einerseits könne Orlopp grundsätzlich nicht für den Betriebsrat oder die Bundesregierung sprechen, argumentieren Commerzbank-Insider. Zudem gebe es nach Orcels Attacken auf das Frankfurter Geldhaus aktuell keinerlei Vertrauensbasis, um konstruktive Gespräche zu führen.
Proteste vor der Commerzbank-Hauptversammlung im Mai: „Unicredit, go away!“ Foto: REUTERS
Die Bundesregierung bekräftigte am Montag, ihre Beteiligung an der Commerzbank nicht zu verkaufen, und begründete dies unter anderem mit dem „aggressiven Vorgehen“ von Unicredit. Der Bund werde weiter im Sinne der Beschäftigten der Commerzbank, des deutschen Mittelstands und des Finanzstandorts Frankfurt handeln, hieß es in Regierungskreisen.
Orlopp hat mehrfach betont, bei einem möglichen Deal die Interessen aller Stakeholder zu berücksichtigen, also von Aktionären, Kunden und Beschäftigten. Sie ist überzeugt, dass eine Bank ohne zufriedene Kunden und Mitarbeiter langfristig auch keine guten Renditen für ihre Aktionäre erwirtschaften kann.
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Der Szenarien, wie es im Übernahmekampf jetzt weitergehen könnte
Im Kampf gegen Unicredit ziehen die Vorstandschefin und der Betriebsrat seit zwei Jahren an einem Strang. Sollte sich Orlopp mit Orcel eines Tages auf einen Deal verständigen, der aus ihrer Sicht auch im Interesse der Beschäftigten wäre, könnte die Managerin ihr Vertrauensverhältnis zum Betriebsrat nutzen, um diesem eine solche Vereinbarung näherzubringen.
In der Commerzbank gehen viele jedoch davon aus, dass es dann zu einem Bruch zwischen Orlopp und dem Betriebsrat kommen würde. Zahlreiche Arbeitnehmervertreter sehen mittlerweile nämlich keinerlei Basis mehr für einen freundlichen Deal.
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Der Gesamtbetriebsrat hat im Übernahmekampf kürzlich wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Irreführung sogar Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Dies sei „die nächste Eskalationsstufe, aber noch lange nicht die letzte“, sagte Betriebsratschef Sascha Uebel vor zwei Wochen. „Ich werde mich weiter mit allen Mitteln gegen eine Übernahme durch Unicredit wehren.“
Mehr: Betriebsrat beschließt Strafanzeige im Übernahmekampf mit Unicredit
Erstpublikation: 22.06.2026, 17:57 Uhr.
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À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Der Übernahmekampf wird sich weiter hinziehen, ohne schnelle Lösung.
Probable · En quelques mois
Die Bundesregierung wird ihre Commerzbank-Beteiligung nicht verkaufen.
Très probable · Long terme
Questions ouvertes
- Wird Unicredit die Übernahmeprämie erhöhen?
- Wie wird die Bundesregierung auf weitere Forderungen reagieren?
- Kann ein Kompromiss zwischen Management und Betriebsrat gefunden werden?





