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EU-Zollreform trifft chinesische E-Commerce-Giganten wie Shein und Temu
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EU-Zollreform trifft chinesische E-Commerce-Giganten wie Shein und Temu

Neue Zollregeln und höhere Gebühren für Kleinsendungen aus China führen zu erwarteten Markteinbrüchen und veränderten Logistikketten.

L'essentiel

  • Die EU hat die Zollfreigrenze für E-Commerce-Sendungen abgeschafft und neue Gebühren eingeführt.
  • Dies führt zu einem erwarteten Markteinbruch von 70-75% für chinesische Anbieter wie Shein und Temu.
  • Das Berliner Start-up eClear profitiert von den neuen Regeln durch seine Vorverzollungsplattform.

Résumé généré par IA

Pourquoi c'est important

Die EU hat die Zollfreigrenze von 150 Euro für E-Commerce-Sendungen abgeschafft und neue Gebühren eingeführt, um den Verbraucherschutz zu stärken und unfaire Wettbewerbsbedingungen zu beenden. Dies betrifft insbesondere Sendungen aus China.

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Düsseldorf. Noch bis vor wenigen Tagen landeten täglich zwei Frachtflugzeuge der chinesischen E-Commerce-Plattform Shein am Pariser Flughafen Charles de Gaulle, beladen mit jeweils bis zu 100 Tonnen Kleidung, Elektronik und Haushaltswaren. Bevor die Ware in Frankreich verteilt wurde, machte sie Insidern zufolge zunächst einen kurzen Umweg über Budapest. Der Grund:

Standen bislang die privaten Besteller etwa von Stabmixern, Turnschuhen oder Kinderpuppen theoretisch in der Haftung, wenn es um schadhafte Produkte ging, haften nun die in der EU registrierten Importagenten der zumeist chinesischen Anbieter.

Hinzu kommt eine deutliche Verteuerung: Seit Juli gilt die Zollfreigrenze von 150 Euro für E‑Commerce-Sendungen in die EU faktisch als abgeschafft. Stattdessen werden pro Warengruppe pauschal drei Euro fällig, ab November kommen weitere zwei Euro je Paket hinzu.

„Der Markt für E-Commerce, insbesondere aus China, wird dadurch um 70 bis 75 Prozent einbrechen“, ist Roman Koidl überzeugt. Der Gründer und Vorstandschef des Berliner Start-ups eClear berichtet: „Schon jetzt ziehen sich zahlreiche Marktteilnehmer zurück.“

Selbst die China Post nehme inzwischen keine Päckchen mehr an, sagt Koidl. Das staatliche Pekinger Unternehmen hatte lange Zeit von günstigen Tarifen des Weltpostvereins profitiert und chinesische Billigwaren so besonders kostengünstig in die EU transportieren können.

Der harte Kurs der EU gegen zollfreie Kleinsendungen, deren Inhalte europäische Verbraucherschutzvorschriften häufig unterlaufen, kommt Koidl dennoch entgegen. Bereits vor zehn Jahren gründete der Österreicher mit Schweizer Pass in Berlin das Clearinghaus eClear für Zoll und Einfuhrumsatzsteuer – und gewann früh prominente Investoren. Am Eigenkapital von bislang 65 Millionen Euro sind unter anderem der frühere Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sowie der ehemalige Krupp-Chef Gerhard Cromme beteiligt.

Den Investoren könnte sich nun, auch dank der frühzeitigen Vorbereitung auf den Wegfall der Geringfügigkeitsklauseln, ein lukratives Geschäft eröffnen. Im Zentrum des Geschäftsmodells steht dabei ein Instrument: die Vorverzollung.

„Für jeden einzelnen Artikel, der künftig als Kleinsendung aus China in die EU geht, ist ab sofort eine eigene Zollanmeldung notwendig“, sagt Koidl. Dafür habe eClear bereits ab 2019 eine Verzollungsplattform aufgebaut, in die Marktplätze, Händler und Logistiker eingebunden seien und über die automatisierte Anmeldungen direkt per Schnittstelle in das deutsche Zollsystem „Atlas“ laufen. „Damit liegen dem deutschen Zoll alle notwendigen Angaben vor, noch bevor das Flugzeug in China startet“, sagt der eClear-Chef. In Deutschland werde dann nur noch stichprobenartig kontrolliert.

Der Einzelversand ist dabei hochkomplex. Marktplätze wie Temu, Shein, JD.com oder Tiktok Shop kassieren zwar den Kaufpreis samt der pauschalen Drei-Euro-Zollgebühr, fungieren aber lediglich als Vertriebsplattform. Die Ware wird in der Regel direkt aus chinesischen Fabriken verschickt.

„Wir schätzen die Zahl der Anbieter auf rund 30 Millionen“, sagt Koidl. „Wer von ihnen nicht an der digitalen Verzollung teilnimmt, für den wird der Markt nun wegbrechen.“

Verhandlungspartner von eClear sind allerdings nicht die einzelnen Händler, sondern große, teils staatlich beeinflusste Logistiker wie China Gate Logistics oder GTG. Diese sogenannten Konsolidierer koordinieren Tausende kleine Lager, in denen die Sendungen dezentral in Beuteln gebündelt und mit den erforderlichen Versandetiketten versehen werden. „Die chinesischen Provinzen sichern sich durch Beteiligungen an Logistikern ihren Einfluss auf die Absatzwege“, sagt Koidl.

Die großen Logistiker organisieren im Auftrag von Plattformen wie Temu und Shein auch die Frachtflüge. Aus Guangzhou, einem der wichtigsten Produktions- und Exportzentren Chinas für Textilien, Elektronik und Kosmetik, fliegt zum Beispiel Uzbekistani Airways die Ware über Taschkent nach Europa.

Silkway Airlines steuert Europa über das Drehkreuz Baku an. Cargolux verbindet Shenzhen, Shanghai und Zhengzhou per Direktflug mit Europa. An der Luxemburger Frachtairline ist zudem die chinesische Provinz Henan mit 35 Prozent beteiligt; dort sitzt in Zhengzhou auch der iPhone-Auftragsfertiger Foxconn.

Zuletzt wuchs der Markt für Kleinsendungen, die zu mehr als 90 Prozent aus China stammten, in rasantem Tempo. Seit 2022 hat sich das Volumen in der EU nahezu jedes Jahr verdoppelt. 2024 registrierte die EU rund 4,6 Milliarden Pakete aus Fernost, bis Juli 2025 kam ein weiteres Plus von 36 Prozent hinzu. In Deutschland liegt der Umsatz ausländischer Onlineanbieter nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) inzwischen bei knapp elf Milliarden Euro.

Der absehbare Einbruch bei fernöstlichen Kleinsendungen, die bis Ende Juni von der Zollbefreiung profitierten, dürfte sich zunächst im Luftfrachtgeschäft bemerkbar machen. „Auf den Warenwert, der pro Sendung bislang im Schnitt bei 25 Euro liegt, kommen nun pro Warengruppe drei Euro Zollgebühren hinzu“, rechnet eClear-Chef Koidl vor. Die Zusatzkosten tragen die europäischen Verbraucher. „Eine Handyhülle, eine Jeans und ein Lippenstift im Beutel – das sind neun Euro extra.“ Das dürfte bei den meisten Kunden die Kauflaune dämpfen.

Auch für die deutschen Paketdienste werden die neuen Zollregeln zur Bewährungsprobe. Marktführer DHL gibt sich nach außen gut vorbereitet und betont, man habe die internen Prozesse an die Vorgaben angepasst. Erhält die Post jedoch Sendungen mit unvollständigen oder fehlerhaften Angaben, werden diese nach Angaben aus der Bonner Zentrale an den Absender im Ausland zurückgeschickt.

Die großen chinesischen Onlineplattformen stellen sich längst auf die neuen Bedingungen ein. „In den vergangenen Monaten haben Temu und Shein ihre europäischen Kapazitäten Berichten zufolge massiv ausgebaut“, sagt Logistikberater Rico Back. „Temu betreibt inzwischen Lagerstandorte in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden und Österreich. Shein hat Zentren in Belgien, Frankfurt, Spanien, Italien und Irland errichtet.“

Damit fällt jedoch nicht nur der bisherige Kostenvorteil bei der Einfuhr weg. Das Berliner Start-up rechnet zudem mit spürbaren Veränderungen im Angebot. „Wir erwarten eine drastische Reduzierung des Sortiments auf die Topseller“, sagt Vorstandschef Koidl. „Der Charme eines breiten, vielfältigen Sortiments, das schnell und günstig war, kann mit teuren Warenlagern in Europa nicht aufrechterhalten werden.

À surveiller

Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes

  • Marktanteilsverlust für chinesische Anbieter in der EU.

    Très probable · En quelques mois

  • Zunahme der Lagerhaltung chinesischer Unternehmen in der EU.

    Probable · En quelques mois

Questions ouvertes

  • Wie stark wird der Rückgang der Sendungen tatsächlich sein?
  • Welche weiteren Anpassungen werden chinesische Händler vornehmen?
  • Wie reagieren andere Länder auf ähnliche EU-Regelungen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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