EZB-Prognosen: Warum Ölpreis-Futures die Inflation unterschätzen
L'essentiel
- Eine Analyse von HQ Trust zeigt, dass Ölpreis-Futures, die die EZB für ihre Inflationsprognosen nutzt, oft daneben liegen.
- Dies erklärt, warum die EZB ihre Inflationsschätzungen häufig korrigieren muss.
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Pourquoi c'est important
Die EZB nutzt Ölpreis-Futures zur Ableitung ihrer Inflationsprognosen. Eine Analyse von HQ Trust zeigt, dass diese Futures die tatsächliche Preisentwicklung oft unterschätzen.
Regelmäßige Leser des Handelsblatts kennen Schlagzeilen wie: „EZB erwartet mehr Inflation und weniger Wachstum.“ Ebenso vertraut ist ein anderes Muster: Die Europäische Zentralbank muss ihre Inflationsprognosen später häufig nach oben korrigieren.
Ein Grund dafür könnte ausgerechnet in einer zentralen Annahme ihrer Modelle liegen. Die EZB leitet ihre Erwartungen für den Ölpreis aus den Terminmärkten ab. Doch eine aktuelle Analyse zeigt: Diese Futures geben zwar oft die Richtung vor, bei der tatsächlichen Preisentwicklung liegen sie jedoch erstaunlich häufig daneben.
Die Problematik ist relevant, weil Energiepreise erheblichen Einfluss auf die Inflation haben. Noch im Juni musste die EZB ihre Inflationsprognose für 2026 von 2,6 auf drei Prozent anheben. Solche Schätzungen sind mehr als eine akademische Übung – sie fließen direkt in die Zinsentscheidungen des EZB-Rats ein.
Gerade die Folgen von Verwerfungen an den Energiemärkten scheinen für die EZB-Forscher schwer greifbar zu sein. Eine aktuelle Analyse des Family-Office HQ Trust liefert nun jedoch einen Hinweis, warum die Notenbanker die Inflation immer wieder unterschätzen.
Weil Ölpreise entscheidend für die Inflation sind, müssen die EZB-Forscher Annahmen über deren künftige Entwicklung treffen. Statt eigener Vorhersagen greifen sie dabei auf die Preise an den Terminmärkten zurück.
Der Gedanke dahinter: Die EZB-Forscher haben keine Kristallkugel und können die zukünftige Entwicklung der Ölpreise unmöglich besser vorhersagen als sämtliche Marktteilnehmer wie Ölkonzerne, Airlines oder Hedgefonds, die an den Terminmärkten Absicherungsgeschäfte und Preiswetten eingehen.
Allerdings scheitert das Modell regelmäßig an der Wirklichkeit, wie Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege von HQ Trust, nachweist. Er hat die Prognosekraft von Öl-Futures für die Entwicklung der Ölpreise empirisch untersucht. Sein Ergebnis: Tendenziell sagen die Terminmärkte korrekt voraus, ob die Ölpreise eher steigen oder eher fallen. Kielkopf fügt jedoch hinzu: „Wer jedoch eine präzise Prognose erwartet, wird enttäuscht. Die Streuung der Ergebnisse ist enorm.“
Im Durchschnitt rechnen die Terminmärkte mit leicht fallenden Ölpreisen. Im von HQ Trust untersuchten Zeitraum von Dezember 1983 bis Juni 2026 lag der Preis des Zwölf-Monats-Futures im Mittel 2,1 Prozent unter dem Spotpreis. „Die Realität sah anders aus“, sagt Kielkopf.
So habe der Ölpreis tatsächlich zwölf Monate später im Durchschnitt 7,8 Prozent höher gelegen als ein Jahr zuvor. Die zukünftige Ölpreisentwicklung wurde also meist unterschätzt.
Vor allem in Krisenzeiten driften Terminmärkte und Spotmärkte stark auseinander. „In Ölpreisschocks liegen Futures häufig deutlich unter dem Spotpreis, in Rezessionsphasen mit stark gefallenen Spotpreisen hingegen darüber“, schreibt Kielkopf weiter. Wenn die Prognosefähigkeit der Terminmärkte für den zukünftigen Ölpreis abnimmt, macht das auch die Inflationsschätzungen der EZB stärker anfällig für Fehler. Das könnte erklären, warum die EZB seit der Pandemie so häufig ihre Inflationsprognose korrigieren musste.
Questions ouvertes
- Wie wird die EZB ihre Modelle anpassen?
- Welche anderen Faktoren beeinflussen die Inflationsprognosen?



