Indisches Tech-Unternehmen will Nagarro übernehmen
Persistent Systems bietet 1,05 Milliarden Euro für den Münchner IT-Dienstleister
L'essentiel
- Das indische Tech-Unternehmen Persistent Systems möchte den Münchner IT-Dienstleister Nagarro übernehmen.
- Persistent bietet 1,05 Milliarden Euro an und hat bereits über 20% der Anteile gesichert.
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Nagarro wurde 2020 von Allgeier abgespalten und an die Börse gebracht.
Das indische Tech-Unternehmen Persistent Systems möchte den IT-Dienstleister Nagarro übernehmen. Der Aufsichtsratschef des Münchner IT-Dienstleisters spricht von gemeinsamen Werten der Firmen.
Beide Unternehmen entwickeln Software im Auftrag ihrer Kunden, auch mit KI-Unterstützung. Foto: dpa
München. Der Software-Entwickler Nagarro aus München steht vor dem Verkauf nach Indien. Der dortige Rivale Persistent Systems im westindischen Puna bietet 1,05 Milliarden Euro für das Unternehmen und hat sich bereits mehr als 20 Prozent der Anteile von dessen Großaktionär, der Familie Dürschmidt, gesichert, wie die beiden Unternehmen am späten Freitagabend mitteilten.
Einschließlich Schulden wird Nagarro mit 1,36 Milliarden Euro bewertet, wie eine Persistent-Sprecherin sagte. Die Übernahme kommt aber nur zustande, wenn Persistent sich mehr als 50 Prozent der Anteile sichern kann. Danach soll das im Kleinwerteindex SDax gelistete Unternehmen von der Börse genommen werden.
Die Inder bieten 81 Euro je Nagarro-Aktie, das ist das Doppelte des Xetra-Schlusskurses vom Freitag, an dem die Papiere bereits um fast 20 Prozent auf 40,44 Euro nach oben geschnellt waren. Medienberichte über eine bevorstehende Übernahme hatte es aber nicht gegeben.
Der Nagarro-Vorstand um Manas Human – er stammt aus Indien – begrüßte das Angebot von Persistent. „Wesentliches Ziel der Transaktion ist es, das Wachstum und die Wettbewerbsposition der Nagarro-Gruppe durch einen verbesserten Kundenzugang, breitere Lieferpräsenz, erweiterte Kapazitäten und verbesserte globale Umsetzungsstärke zu beschleunigen“, hieß es in der Mitteilung.
Beide Unternehmen entwickeln Software im Auftrag ihrer Kunden, auch mit KI-Unterstützung, wobei Persistent vor allem in Asien und Nordamerika, Nagarro dagegen in Europa stark ist. Der größte Anteil der etwa 18.000 Mitarbeiter von Nagarro arbeitet in Asien, in Europa sind es 3000. Zusammen kommen Persistent und Nagarro auf einen Umsatz von umgerechnet 2,9 Milliarden Dollar und 46.000 Beschäftigte.
Finanzierung der Übernahme mit Barclays-Kredit
„KI verändert unsere Branche in einem beispiellosen Tempo“, sagte Persistent-Gründer und Aufsichtsratschef Anand Deshpande. „Gemeinsam werden Persistent und Nagarro noch besser aufgestellt sein.“
Nagarro-Aufsichtsratschef Christian Bacherl erklärte den Verkauf so: „In Persistent haben wir einen Partner mit denselben Werten und Überzeugungen sowie komplementären Stärken gefunden: ein Unternehmen mit echter KI- und Engineering-Kompetenz, der Reichweite, um Nagarros Ambitionen zu beschleunigen, und einer Unternehmenskultur, die Vertrauen schafft.“
Finanzieren will Persistent die Übernahme zunächst mit einem Kredit der britischen Investmentbank Barclays. Das Unternehmen wird an der indischen Börse mit umgerechnet sieben Milliarden Euro bewertet.
Nagarro war Ende 2020 von der börsennotierten Münchner IT-Firma Allgeier abgespalten und an die Börse gebracht worden. Allgeier-Aufsichtsratschef Carl Georg Dürschmidt und seine Familie hielten bisher gut 20 Prozent der Anteile an der ehemaligen Tochter, mindestens weitere zwölf Prozent liegen bei Nagarro-Managern, die ihre Anteile ebenfalls an Persistent verkaufen wollen.
Noch Anfang 2025 hatte Nagarro einem Verkauf an den Finanzinvestor Warburg Pincus eine Absage erteilt und auf Eigenständigkeit gepocht.
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