Iran-USA-Verhandlungen: Einigung auf Arbeitsgruppen zu Atomprogramm und Sanktionen
L'essentiel
- Bei Gesprächen in der Schweiz haben sich die USA und Iran auf die Einrichtung von vier Arbeitsgruppen geeinigt.
- Diese sollen sich mit dem Atomprogramm, Sanktionen, Wiederaufbau und wirtschaftlicher Entwicklung befassen.
- US-Vizepräsident Vance sprach von einer guten Grundlage für eine Einigung.
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Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran fanden in der Schweiz statt und zielten auf eine Deeskalation im Atomstreit und eine Stabilisierung der Region ab. Parallel dazu laufen Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon.
„Straße von Hormus wird niemals in den Zustand vor dem Krieg zurückkehren“
23.06.2026, 08:54Lesezeit: 1 Min.
Irans Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf bei seiner Ankunft in Bürgenstock am SonntagReuters
Teherans Chefunterhändler: Iran wird Meerenge verwalten +++ Vance: Iran will Atominspektionen zulassen +++ Keine konkrete Anfrage für Bundeswehreinsatz +++ alle Entwicklungen im Liveblog
Vance: Iran will Atominspektionen zulassen
In den Verhandlungen mit den USA hat Iran nach den Worten von US-Vizepräsident J.D. Vance zugestimmt, wieder Atominspektionen zuzulassen. Die Regierung in Teheran habe zudem eingewilligt, Mechanismen für die Verwaltung eingefrorener Vermögenswerte und die Einhaltung von Waffenruhen zu schaffen, erklärte Vance nach den Beratungen in der Schweiz. Er nannte zudem einen Mechanismus, um die Straße von Hormus offenzuhalten. Die technischen Gespräche sollen in den kommenden Tagen und Wochen fortgesetzt werden. Die Verhandlungen über die Atominspektionen könnten bereits in dieser Woche beginnen, sagte Vance.
Iran bestätigte allerdings nicht, dass eine erneute Einreise von Inspektoren erlaubt werde. Eine entsprechende Entscheidung müsse zuvor mit dem Parlament und dem Nationalen Sicherheitsrat abgestimmt werden, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.
US-Präsident Donald Trump bekräftigte auf seiner Plattform Truth Social, Iran müsse die IAEA wieder ins Land lassen. „Jeder ist sich voll bewusst, dass Iran umfangreichen Waffeninspektionen zustimmen wird, um „nukleare Ehrlichkeit“ auf lange Sicht zu gewährleisten“, schrieb er.
Im Herbst hatte die IAEA in Iran zuletzt einige Standorte des Atomprogramms besichtigt, die nicht durch die israelischen und US-Angriffe im Juni 2025 beschädigt worden waren. Seit diesen ersten Angriffen hat sie keinen Zugang mehr zu den iranischen Urananreicherungs-Anlagen gehabt.
Die iranische Delegation hatte auch bei den Gesprächen mit den USA am Sonntag in der Schweiz nicht zugelassen, dass IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi an den Verhandlungen direkt teilnimmt. Medienberichten zufolge war Grossi zwar am Verhandlungsort Bürgenstock, aber das iranische Team zeigte keinerlei Interesse an einem Austausch mit dem IAEA-Chef.Der Iran bestätigte allerdings nicht, dass eine erneute Einreise von Inspektoren erlaubt werde. Eine entsprechende Entscheidung müsse zuvor mit dem Parlament und dem Nationalen Sicherheitsrat abgestimmt werden, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.
Vance kehrte noch am Montag in die USA zurück. Die Verhandlungen mit Iran gingen auf technischer Ebene weiter, sagte er. Nach seinen Angaben wurde ein Prozedere vereinbart, damit die Straße von Hormus, durch die Öl und Dünger aus den Anliegerstaaten auf den Weltmarkt transportiert wird, geöffnet bleibt.
Iran: Arbeitsgruppen zu Atomprogramm und Sanktionen vereinbart
Bei ihren Gesprächen in der Schweiz haben sich die USA und Iran nach Angaben Teherans auf die Einrichtung von vier Arbeitsgruppen verständigt. Zwei davon sollen sich mit dem iranischen Atomprogramm und der Aufhebung von Sanktionen gegen Iran befassen, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Dienstag unter Berufung auf Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi. Zwei weitere Arbeitsgruppen sollen sich demnach dem Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Entwicklung im Iran sowie der „Überwachung und Umsetzung“ widmen.
Teherans Chefunterhändler: Iran wird Straße von Hormus verwalten
Nach den Gesprächen mit US-Vertretern in der Schweiz hat der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf laut Berichten von Staatsmedien verkündet, dass sein Land künftig die Straße von Hormus verwalten werde. „Die Straße von Hormus wird niemals in den Zustand vor dem Krieg zurückkehren, sondern im Einklang mit dem Völkerrecht von der Islamischen Republik Iran verwaltet werden“, sagte Ghalibaf am Dienstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Irna.
Ghalibaf äußerte sich den Angaben zufolge nach seiner Rückkehr aus der Schweiz, wo im Luxusresort Bürgenstock Verhandlungen mit Vertretern Washingtons stattfanden. Die US-Delegation wurde dabei von Vizepräsident J.D. Vance angeführt, die iranische Delegation von Ghalibaf.
In einem am Dienstag auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichten Video sagte er, die Gespräche hätten „gute Ergebnisse“ gebracht. Am Montag hatte bereits Vance erklärt, dass „eine sehr gute Grundlage für eine erfolgreiche endgültige Einigung geschaffen“ worden sei.
US-Außenminister Rubio reist an den Golf
Vor dem Hintergrund der Iran-Verhandlungen reist US-Außenminister Marco Rubio von heute an in drei Golfstaaten. Rubio besucht zunächst die Vereinigten Arabischen Emirate und dann Kuwait und Bahrain. Im Rahmen der dreitägigen Reise will der US-Außenminister nach Angaben aus Washington bis Donnerstag das Rahmenabkommen mit dem Iran erläutern sowie die Bemühungen um einen freien Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus.
In Bahrain wird Rubio demnach am Donnerstag auch mit Vertretern des Golf-Kooperationsrates zusammenkommen. Nach Beginn der US-israelischen Luftangriffe auf den Iran Ende Februar hatte der Iran seinerseits Ziele in mehreren Golfstaaten angegriffen. In der Region unterhalten die USA militärische Stützpunkte.
Weitere Verhandlungen zwischen Libanon und Israel
Ranghohe Vertreter Israels und des Libanons wollen am Dienstag in Washington zu einer weiteren Verhandlungsrunde zusammenkommen. „Die Gespräche werden mit dem Ziel fortgesetzt, ein umfassendes Friedens- und Sicherheitsabkommen zwischen den beiden Ländern voranzubringen“, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums am Montag der Nachrichtenagentur AFP.
Es ist die fünfte Verhandlungsrunde zwischen beiden Ländern seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der von Iran unterstützten libanesischen Hizbullah-Miliz, die die Gespräche ablehnt. „Wir ermöglichen es Israel und dem Libanon, als zwei souveräne Staaten zu verhandeln“, sagte der US-Regierungsvertreter.
Israel: Keine Kompromisse in Südlibanon
Israel will die Sicherheitszone im Südlibanon nach Angaben von Regierung und Militär aufrechterhalten. Die Armee werde weiter vorgehen, um Bedrohungen für israelische Soldaten und Bürger zu „neutralisieren“ und die Infrastruktur von Extremisten zu zerstören, teilten der israelische Ministerpräsident, der Verteidigungsminister und der Armeechef in einer gemeinsamen Erklärung nach einer Sicherheitsberatung am Montagabend mit. Die Sicherheit der israelischen Bürger und der Streitkräfte werde „ohne Kompromisse ihr leitendes Prinzip bleiben“, heißt es in der Mitteilung weiter.
Netanjahu: Israelische Streitkräfte haben „volle Handlungsfreiheit“ im Süden Libanons
Die israelischen Streitkräfte haben nach den Worten von Regierungschef Benjamin Netanjahu „volle Handlungsfreiheit“, um gegen jede Bedrohung im Süden Libanons vorzugehen. Die israelischen Streitkräfte „unterliegen in dieser Angelegenheit keinerlei Einschränkungen“, sagte Netanjahu am Montag. Er bekräftigte, dass die Soldaten so lange in der Region stationiert bleiben würden, wie dies als notwendig erachtet werde.
Die von Iran finanzierte Hizbullah hatte Libanon Anfang März mit Angriffen auf Israel in den Irankrieg hineingezogen. Israel reagierte mit Luftangriffen auf Ziele in Libanon und rückte zudem mit Bodentruppen im Süden des Landes vor.
Iran: Keine Verhandlungen über Atomprogramm bei Treffen mit USA
Iran verhandelt nach eigenen Angaben bei den Gesprächen mit den USA in der Schweiz nicht über sein Atomprogramm. Zudem gehe die Islamische Republik auch keine neuen Verpflichtungen ein, meldete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA unter Berufung auf das Außenministerium in Teheran. Die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) werde im Rahmen der bestehenden Verfahren fortgesetzt, hieß es weiter. Dies stehe jedoch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des iranischen Parlaments und der Entscheidungen des Obersten Nationalen.
Rubio besucht Golfstaaten
US-Außenminister Marco Rubio hat vor dem Hintergrund der Iran-Gespräche eine Reise in drei Golfstaaten angekündigt. Rubio werde von Dienstag an die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Bahrain besuchen, erklärte sein Sprecher am Montag in Washington. Bis Donnerstag werde der Außenminister dort das Rahmenabkommen mit Iran erläutern sowie die Bemühungen um einen freien Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. In Bahrain wird Rubio demnach am Donnerstag mit Vertretern des Golf-Kooperationsrates zusammentreffen.
USA erlauben Verkauf von iranischem Öl
Das US-Finanzministerium erteilt eine vorübergehende Generallizenz für iranische Ölprodukte. Diese beinhalte die Produktion, die Lieferung und den Verkauf von Rohöl sowie petrochemischen Produkten und Erdölprodukten iranischen Ursprungs bis zum 21. August, teilte das Ministerium mit. Die Genehmigung umfasse auch den Import dieser Produkte in die USA. Grundlage ist eine in der vergangenen Woche von den beiden Regierungen unterzeichnete Absichtserklärung. Darin stimmten die USA Ausnahmeregelungen für den Export von iranischem Rohöl sowie für damit verbundene Dienstleistungen wie Bankgeschäfte, Versicherungen und Transporte zu. Transaktionen mit Nordkorea oder Kuba sind von der Lizenz ausgeschlossen.
Regierungssprecher: Keine konkrete Anfrage für Bundeswehreinsatz
Der Bundesregierung liegt offenbar keine konkrete Anfrage zum Einsatz der Bundeswehr in der Straße von Hormus vor. „Es gibt das Angebot, es gab auch immer indirekte Aufforderungen des amerikanischen Präsidenten, der die europäischen Partner zu einer Unterstützung aufgefordert hat“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag in Berlin. Eine Konkretisierung gebe es nicht. Kornelius betonte, dass man in der Frage eines Bundestags-Mandats keine Eile habe. Die Bundesregierung habe einen Einsatz „an eine Kette von Voraussetzungen geknüpft“. Dazu gehöre, dass auch die Anrainer-Staaten und die USA selbst diesen Einsatz wollten.
Der Bürgenstock als Verhandlungsort
Das Zentrum der Verhandlungen zwischen den USA und Iran ist das Bürgenstock-Resort auf dem gleichnamigen Berg im Schweizer Kanton Nidwalden. Die Anlage gehört seit 2007 einer Tochterfirma des qatarischen Staatsfonds und wurde nach Investitionen von mehr als 550 Millionen Schweizer Franken 2017 wiedereröffnet. Qatar vermittelt nun gemeinsam mit Pakistan zwischen den USA und Iran.
Das Resort dient damit abermals als Ort für internationale Gespräche: 2024 fand die internationale Ukraine-Friedenskonferenz auf dem Bürgenstock statt. Anders als vor zwei Jahren ziehen die Behörden diesmal aber keine Sperrzone über das Resort hinaus. Der öffentliche Verkehr zum Resort ist eingestellt, im Ort gelten Auflagen.
Für den kleinen Kanton bedeuten die Verhandlungen dennoch einen erheblichen Sicherheitsaufwand. Der Schweizer Bundesrat hat den Einsatz von bis zu 2000 Armeeangehörigen genehmigt. Sie sollen die Kantonspolizei bei Objektschutz, Überwachung, Erkundung, Transport und Logistik unterstützen. Zudem wird der Luftraum rund um den Bürgenstock eingeschränkt.
Das 60 Hektar große Gelände liegt hoch über dem Vierwaldstättersee und lässt sich gut von der Öffentlichkeit abschirmen. Das Resort umfasst mehrere Hotelanlagen, Restaurants und Bars, Spas sowie Tennis- und Golfplätze. Dazu kommen Veranstaltungsräume, die auch für größere Konferenzen ausgelegt sind. Wer dort übernachtet, zahlt nach Angaben des Resorts zwischen 370 und 1710 Franken.
Der Bürgenstock blickt auch als politischer Rückzugsort auf eine längere Geschichte zurück. Schon in den fünfziger Jahren verbrachte der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer dort mehrfach seine Sommerferien. 1950 reiste mit Teilen seines Mitarbeiterstabs an, sodass der Regierungsbetrieb für einige Zeit mit auf den Berg zog. Die französische Zeitung Le Monde sprach damals vom „fliegenden Kabinett“. Zur gleichen Zeit hielt sich dort auch Chaim Weizmann, der erste Präsident Israels, auf. Später wurde der Bürgenstock zudem dreimal zum Schauplatz der Bilderberg-Konferenz.
Schweiz kündigt „sofortige“ Aufnahme technischer Gespräche an
Nach den Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran in der Schweiz hat die Regierung des Gastgeberlandes die unverzügliche Aufnahme technischer Gespräche angekündigt. Das Schweizer Außenministerium begrüßte am Montag die „Einigung auf einen Fahrplan“. Damit sei die Voraussetzung für die „sofortige Aufnahme neuer technischer Gespräche“ geschaffen.
Delegationen aus Washington und Teheran hatten am Sonntag in einem Luxushotel auf dem Berg Bürgenstock in den Schweizer Alpen Gespräche für eine dauerhafte Friedenslösung zum Irankrieg begonnen. Die US-Delegation wurde von US-Vizepräsident JD Vance angeführt, die iranische Delegation von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf.
Die iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete, dass die Delegation Irans den Verhandlungsort „nach 18 Stunden intensiver Gespräche“ verlassen habe. Sie sei nun auf dem Rückweg nach Teheran. Die „technischen“ Verhandlungen sollen aber die ganze Woche weitergehen.
Libanons Präsident spricht mit J.D. Vance über Waffenruhe
Der libanesische Präsident, Joseph Aoun, hat nach offiziellen Angaben mit US-Vizepräsident JD Vance über die Aufrechterhaltung der brüchigen Waffenruhe beraten. An dem Telefonat hätten auch der US-Gesandte Jared Kushner und der qatarische Ministerpräsident Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani teilgenommen, teilte das libanesische Präsidialamt mit.
Eine Feuerpause zwischen der von Iran unterstützten Hizbullah-Miliz in Libanon und dem US-Verbündeten Israel ist zentral für einen Friedensschluss zwischen Iran und den USA. Am Wochenende kam es aber trotz der offiziellen Waffenruhe wieder zu Gefechten. Qatar vermittelt in dem Konflikt.
USA und Iran einigen sich a
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Technische Gespräche zur Atominspektion beginnen diese Woche.
Probable · En quelques jours
Die Straße von Hormus bleibt offen für den Schiffsverkehr.
Très probable · Moyen terme
Questions ouvertes
- Wann beginnen die Atominspektionen?
- Wie wird die Verwaltung der Straße von Hormus konkret aussehen?
- Werden die Sanktionen gegen Iran aufgehoben?



