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KI-Boom: Schwellenländer als unterschätzte Gewinner der nächsten Wachstumsphase
En développement
Handelsblatt24.06.2026Business6 dk okumaGermany

KI-Boom: Schwellenländer als unterschätzte Gewinner der nächsten Wachstumsphase

L'essentiel

  • Der KI-Boom bietet Anlegern Chancen in Schwellenländern wie Taiwan, Südkorea und China, die wichtige Infrastruktur und Chips liefern.
  • Diese Märkte sind attraktiv bewertet und profitieren von globalen Trends, während US-Tech-Konzerne oft im Fokus stehen.

Résumé généré par IA

Pourquoi c'est important

Schwellenländer galten lange als Wette auf günstige Arbeitskräfte und Wachstum. Heute sind sie Treiber technologischer Innovationen und Infrastrukturausbau. Ihre Investmentstory hat sich grundlegend verändert.

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Köln. Wer auf einen weiteren Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) setzen will, denkt zuerst an US-amerikanische Tech-Konzerne wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet. Doch viele Unternehmen, die die nötigen Chips, Speicher und Infrastruktur liefern, sitzen außerhalb der USA. Dadurch entsteht ein großer Teil der Gewinne aus der KI-Revolution in Taiwan, Südkorea und China. Für Anleger könnten dort die bislang unterschätzten Gewinner der nächsten Wachstumsphase zu finden sein.

„Der globale KI-Boom wird nicht nur im Silicon Valley entschieden“, sagt Emily Whiting, Investment-Expertin für Schwellenländer-Aktien bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management. Taiwan produziert den Großteil der Hochleistungschips weltweit. Südkorea zählt zu den wichtigsten Herstellern von Speicherchips.

Lange galten die Emerging Markets als Wette auf günstige Arbeitskräfte, Rohstoffe und überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum. Heute sind sie Treiber technologischer Innovationen, der Digitalisierung und des Ausbaus der globalen Infrastruktur. Die Investmentstory der Schwellenländer hat sich grundlegend verändert. „Heute weisen viele Unternehmen aus Schwellenländern stärkere Bilanzen, eine bessere Unternehmensführung und höhere Wachstumsaussichten als ihre Pendants aus den Industrieländern auf“, sagt Naomie Waistell, Fondsmanagerin beim französischen Investmenthaus Carmignac.

Auch die Bewertungen sprechen für Schwellenländer. Während Anleger für die Unternehmen im S&P 500 derzeit im Schnitt rund das 22-Fache der erwarteten Jahresgewinne bezahlen, sind die Unternehmen des MSCI Emerging Markets nur mit dem 13-Fachen ihrer Gewinne bewertet. Trotz der Kursgewinne der vergangenen Jahre notieren Schwellenländeraktien damit mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem US-Markt.

Der schwächere US-Dollar weist zusätzlich auf gute Chancen für Aktien aus Schwellenländern hin. Diese entwickeln sich historisch oft besonders gut, wenn der Dollar an Wert verliert. Dadurch werden Anlagen außerhalb der USA für internationale Investoren attraktiver.

Doch das Interesse vieler Anleger ist verhalten. „Schwellenländer sind in vielen internationalen Portfolios nach wie vor unterrepräsentiert“, sagt Whiting. Das könnte auch an den trotz der attraktiven Perspektiven vorhandenen Risiken liegen. Allein die drei KI-Schlüsselunternehmen TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix machen knapp 30 Prozent des MSCI Emerging Markets aus, des wichtigsten Barometers für Schwellenländer-Aktien. Sollte die Euphorie rund um KI kippen, dürfte das also auch Investoren mit Positionen in Schwellenländern treffen.

Aktiv gemanagte Fonds haben dabei mehr Spielraum. Sie bilden keinen Index ab, sondern können vielfältig investieren und weltweit Chancen nutzen. Je nach Ansatz setzen sie auf die großen Technologiegewinner Asiens oder auf weniger bekannte Märkte.

Im „Carmignac Emergents“ (ISIN FR0010149302) investiert Fondsmanagerin Waistell in 40 Titel: „Wir versuchen, zukünftige Gewinner zu identifizieren, anstatt einfach nur die größten Unternehmen im Index zu halten.“ In den vergangenen drei Jahren legte das Portfolio um 83 Prozent zu. „Südkorea steht durch Unternehmen wie SK Hynix und Samsung Electronics im Zentrum der KI-Wertschöpfungskette, doch die Bewertungen bleiben im Vergleich zu globalen Wettbewerbern bemerkenswert attraktiv“, sagt Waistell. Die größten Länderpositionen sind Südkorea, Taiwan, China und Brasilien, die rund drei Viertel des Portfolios ausmachen.

Der Fonds investiert in Unternehmen, die vom Ausbau von Rechenzentren, Halbleitern und Energiesystemen profitieren. Als besonders aussichtsreiche Beispiele nennt die Fondsmanagerin den Speicherchip-Hersteller SK Hynix sowie den chinesischen Batteriehersteller CATL.

Der „Emerging Markets Equity Fund“ (ISIN LU0053685615) von JP Morgan Asset Management investiert breiter. Er besteht typischerweise aus 50 bis 90 Aktien und ist nicht an Vorgaben für Länder oder Sektoren gebunden. In den vergangenen drei Jahren legte der Fonds um 78 Prozent zu. Die Verantwortlichen setzen auf einen langfristigen, wachstums- und qualitätsorientierten Ansatz.

„Der größte positive Beitrag kommt aus der Einzeltitelauswahl im Technologiesektor – vor allem aus dem Halbleiter- und Komponentenbereich“, sagt Fondsmanager Austin Forey. Zu den größten Länderpositionen zählen Südkorea, Taiwan, China, Indien und Brasilien. Forey sieht die Chancen dabei nicht allein im Technologiesektor. JP Morgan setzt auf eine wirtschaftliche Stabilisierung in China, den langfristigen Reformkurs in Indien sowie attraktive Bewertungen in Lateinamerika. „Brasilien ist relativ gut positioniert, unter anderem wegen der Rolle als Netto-Ölexporteur“, sagt Forey.

Einen völlig anderen Investmentansatz verfolgt der ebenfalls aktiv gemanagte „Schroder ISF Frontier Markets Equity Fund“ (ISIN LU0562313402), der in den vergangenen drei Jahren eine Wertentwicklung von 86 Prozent erzielt hat. Portfoliomanager Rami Sidani investiert in rund 50 Aktien aus den kleineren Frontier Markets. Diese sind wirtschaftlich weniger reif als große Schwellenländer wie China und Brasilien.

Besonders attraktiv sind laut Sidani Vietnam und Kasachstan: „Vietnam ist ein Nutznießer der globalen Diversifizierung der Lieferketten und zieht jährlich mehr als 30 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen an.“ Kasachstan punktet mit Rohstoffreichtum, soliden Staatsfinanzen und Reformen. In Afrika engagiert sich Sidani selektiv, insbesondere in Kenia.

„Frontier Markets werden vorwiegend von inländischen Wachstumsdynamiken angetrieben – und nicht von globalen Konjunkturzyklen“, sagt Sidani. Die Volkswirtschaften profitieren von lokalen Trends wie Urbanisierung, Digitalisierung und wachsendem Konsum. Für risikobereite Anleger können sie eine interessante Beimischung in einem breit aufgestellten Portfolio sein.

À surveiller

Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes

  • Anhaltende Outperformance von Schwellenländer-Aktien gegenüber Industrieländern.

    Probable · Moyen terme

  • Zunehmende Bedeutung von Frontier Markets für diversifizierte Portfolios.

    Possible · Long terme

Questions ouvertes

  • Wie stabilisiert sich die chinesische Wirtschaft langfristig?
  • Wie wird sich die globale Lieferketten-Diversifizierung auf Vietnam auswirken?
  • Welche weiteren Reformen sind in Kasachstan geplant?

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