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Trilog-Verhandlungen zum AI Act gescheitert – Streit um Industrieregulierung und Deepfake-Verbot
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Heise Online29.04.2026Politique2 dk okumaGermany

Trilog-Verhandlungen zum AI Act gescheitert – Streit um Industrieregulierung und Deepfake-Verbot

EU-Parlament, Mitgliedstaaten und Kommission erzielen keine Einigung über Digital-Omnibus – Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt

L'essentiel

  • Die Trilog-Verhandlungen über die Reform des AI Acts sind am frühen Mittwochmorgen ergebnislos beendet worden.
  • Das EU-Parlament, die Mitgliedstaaten und die Kommission konnten sich nicht auf den sogenannten Digital-Omnibus einigen.
  • Streitpunkt ist vor allem die Forderung der EVP, industrielle KI-Anwendungen aus dem Anwendungsbereich herauszunehmen – was Siemens und Bosch vor doppelter Regulierung schützen soll.

Résumé généré par IA

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Der AI Act ist die weltweit erste umfassende KI-Regulierung der EU. Der sogenannte Digital-Omnibus sollte Teile der Verordnung reformieren und insbesondere hochriskante KI-Anwendungen neu regeln. Ein zentraler Streitpunkt ist die Frage, ob industrielle KI-Anwendungen ausgenommen werden sollen.

Taille de police

Die Trilog-Verhandlungen über die Zukunft des AI Acts in Brüssel endeten am frühen Mittwochmorgen ergebnislos. Die Teams des EU-Parlaments, der Mitgliedstaaten und der Kommission gingen nach stundenlangen Gesprächen auseinander, ohne eine Einigung über den sogenannten Digital-Omnibus erzielt zu haben. Damit rückt das Ziel, Teile der KI-Verordnung zu reformieren und KI-gestützte „Nudifier“-Apps zu verbieten, in die Ferne.

Die Fortsetzung der Gespräche sei vorerst auf unbestimmte Zeit vertagt worden, berichtet Politico unter Berufung auf Diplomaten und EU-Beamte. Eigentlich sollten die neuen Regeln für hochriskante KI-Anwendungen schon im August in Kraft treten. Das Scheitern der Verhandlungen bleibt für die Branche eine rechtliche Unsicherheit.

Ein Knackpunkt der Verhandlungen waren Forderungen der bürgerlich-konservativen EVP-Fraktion im Parlament, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilt. Sie dringen darauf, industrielle KI-Anwendungen – etwa in der Medizintechnik oder im Maschinenbau – weitgehend aus dem Anwendungsbereich des AI Acts herauszunehmen. Das soll deutsche Schwergewichte wie Siemens oder Bosch vor einer doppelten Regulierung schützen und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Befürworter dieses „Sektor-Exits“ argumentieren, dass diese Produkte bereits strengen sektoralen Gesetzen unterliegen und zusätzliche Anforderungen durch das KI-Gesetz unnötig Bürokratie schaffe.

Politischer Schlagabtausch

Doch dieses Ansinnen stößt auf Widerstand der Grünen und der Sozialdemokraten sowie mehrere EU-Länder. Die niederländische Abgeordnete Kim van Sparrentak sprach von einem „Putsch“ des deutschen Flügels der EVP. Sie warnte davor, dass die Industrie durch diese Blockadehaltung in ein rechtliches Chaos gestürzt werde.

Grünen-Berichterstatter Sergey Lagodinsky warf Merz vor, den europäischen Gesetzgebungsprozess als Geisel zu nehmen. Besonders schwer wiegt für die Kritiker, dass durch die Blockade auch gesellschaftspolitische Vorhaben wie das Verbot von sexualisierten Deepfakes ins Stocken geraten sind. Lagodinsky wirft CDU und CSU vor, das geplante Verbot für Entkleidungs-Apps zu verhindern.

Der TÜV-Verband warnt davor, den horizontalen Ansatz des AI Acts aufzugeben. Die einheitliche Regulierung von Hochrisiko-KI über verschiedene Produktgruppen hinweg sei der Kern der Verordnung. Ein Rückzug in sektorale Einzelregelungen führe zu einem langen Regulierungsvakuum und einem Flickenteppich. Statt Bürokratie abzubauen, entstehen unterschiedliche Standards und Verfahren, die den Industriestandort Europa schwächten. Zudem gefährde ein solcher Schritt die Chance, europäische Standards als globale Messlatte für vertrauenswürdige KI zu etablieren.

Warnung vor mangelndem Grundrechtsschutz

AlgorithmWatch bemängelt, dass der KI-Omnibus ohnehin im Eiltempo durchgepeitscht werden solle, ohne die Folgen für die Grundrechte ausreichend zu beleuchten. Die Organisation fordert, dass ein Verbot von sexualisierenden Deepfakes nicht an technischen Definitionen von „intimen Körperteilen“ scheitern dürfe. Maßgeblich müsse die explizite Einwilligung Betroffener sein.

Die Verzögerung der Verhandlungen biete Raum für Nachbesserungen. Zugleich wächst das Risiko, dass gar kein Schutzmechanismus verabschiedet wird.

Ben Brake, Direktor der Plattform-Lobby DOT Europe, bezeichnete den Abbruch der Gespräche als Rückschlag für die Digitalwirtschaft. Er mahnte, rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auch die Kommission zeigt sich besorgt: Vizepräsidentin Henna Virkkunen drängt auf eine schnelle Absprache, die einer qualitativ hochwertigen Gesetzgebung aber nicht im Weg stehen dürfe.

À surveiller

Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes

  • Verhandlungen werden innerhalb der nächsten Wochen fortgesetzt

    Très probable · En quelques semaines

  • Kompromiss bei industrieller KI wird wahrscheinlich Teilausnahmen enthalten

    Probable · En quelques mois

  • Verbot von Nudifier-Apps wird trotz Verzögerung umgesetzt

    Possible · En quelques mois

Questions ouvertes

  • Wann werden die Verhandlungen wieder aufgenommen?
  • Welche Kompromisse sind möglich?
  • Wird das Verbot von Nudifier-Apps trotzdem umgesetzt?
  • Wie positionieren sich andere EU-Länder?

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This article was originally published by Heise Online.

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