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Antonio Rüdiger: Vom Stammspieler zum Vorbild in der Nationalmannschaft
Sports
Süddeutsche Zeitung6/18/2026Sports6 min readGermany

Antonio Rüdiger: Vom Stammspieler zum Vorbild in der Nationalmannschaft

Quick Look

  • Antonio Rüdiger, einst Stammspieler und nun Vizekapitän, zeigt sich in der Nationalmannschaft gelassener und entspannter.
  • Trotz seiner neuen Rolle als "Stammspieler a.D." wird er als Vorbild für Teamgeist und Ruhe gelobt, was auch durch seinen neuen Vertrag bei Real Madrid und die Zusammenarbeit mit José Mourinho gestärkt wird.

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Why It Matters

Antonio Rüdiger wurde von Bundestrainer Julian Nagelsmann über seine Rolle in der Nationalmannschaft informiert und ist nicht mehr Stammspieler. Er hat jedoch seinen Vertrag bei Real Madrid verlängert und wird positiv über seine neue Situation und die Zusammenarbeit mit José Mourinho sprechen.

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Vor jener Stunde, in der er Rüdiger mitteilen würde, dass er während der Weltmeisterschaft seinen Stammplatz auf der Ersatzbank haben werde, hat sich Julian Nagelsmann also gefürchtet. Nicht, weil er Angst hatte, dass ihm Rüdiger eine Szene machen und – wie manchem Gegenspieler – den Schreck seines Lebens bescheren würde, sondern weil es ihn belastete, einem vertrauten und geschätzten Spieler eine Enttäuschung antun zu müssen.

Als er im März vor dem Testspiel in der Schweiz das Resultat der Unterhaltung bekanntgab, klang er so bedrückt, als ob er selbst schlechte Nachrichten empfangen hätte. Rüdiger habe „akzeptiert, wie die Situation ist“, und habe versichert, dass er „deren Leistung honoriert“. Die Rede war von Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah, die, wie Nagelsmann klarstellte, nicht nur beim Testspiel in Basel, sondern dauerhaft die zentralen Positionen in der Viererkette besetzen sollten, weil: „Generell wechselst du nicht ständig deine Innenverteidiger.“

Wenn man Antonio Rüdiger, 33, nun in den USA erlebt, könnte man geradewegs meinen, dass ihm Nagelsmann mit der Entfernung aus der Stammelf einen Gefallen getan hätte. Am Rande des Trainings war er auf lustiger Golf-Cart-Fahrt mit Jamal Musiala und dem potenziellen Bruchpiloten Leroy Sané zu beobachten. Auf dem Übungsplatz scherzt und lacht er wie ein Mann ohne Sorgen. Noch nie sei Rüdiger im Kreis der Nationalmannschaft so entspannt gewesen wie im Teamquartier in Winston-Salem, war in den vergangenen Tagen aus dem Mitarbeiterstab des DFB zu hören. Sein erstes Länderspiel hatte er im Mai 2014 bestritten, 82 weitere sind seitdem dazugekommen.

Nun erschien Rüdiger auf dem Podium der Pressekonferenz, einer Veranstaltung, die er in den vergangenen Jahren so sehr zu schätzen wusste wie nässenden Ausschlag im Gesicht. Diesmal hingegen saß da ein Antonio Rüdiger, dem das Gespräch Spaß machte, der sich wohlfühlte, pointiert formulierte und gern mal einen Scherz machte, manchmal in rätselhafter Form. Zum Beispiel, als er gefragt wurde, was er von der Teamunterkunft halte. Er hätte jetzt allen Grund gehabt, von der fabelhaften Parklandschaft vor der Haustür, den tollen Sportanlagen auf dem nahen Universitätsgelände oder dem behaglichen Ambiente im Herrenhaus zu schwärmen. Stattdessen lobte er die kurzen Wege zwischen Hotel und Platz und das Bett, das in seinem Zimmer steht: „Weil, da verbringe ich die meiste Zeit. Ich schlafe sehr gut hier.“

Nach wie vor ist Rüdiger Vizekapitän, aber er ist jetzt Stammspieler a.D. und gehört einer Gruppe von Spielern an, die vielleicht etwas ruhiger schlafen können, weil sie in den Spielen nicht von Anfang an ranmüssen. Die Rolle hat er augenscheinlich akzeptiert. „Als Fußballer ist es nicht einfach, auf der Bank zu sein“, sagt er, „aber in der Nationalmannschaft ist es etwas anderes als im Verein.“ Das Wort Konkurrenzkampf, Grundvokabular eines Reservespielers, fällt ausdrücklich nicht. Stattdessen würdigt er Jonathan Tah: „Er ist jetzt der neue Chef, Jona stellt einfach etwas dar.“ Auch dessen Nebenmann Schlotterbeck bekam ein Lob, das unter anderem von den Fähigkeiten beim Spielaufbau („überragend“) und einem „linken Fuß aus Gold“ handelte.

Ausgerechnet der umstrittenste deutsche Nationalspieler, der wegen seiner unbeherrschten Momente von den Fachmedien und Social-Media-Aktivisten für nicht mehr tragbar erklärt worden ist, dem selbst die ihm wohlgesonnenen Autoritäten Julian Nagelsmann und Rudi Völler den Rausschmiss aus der Nationalmannschaft angedroht hatten – der ist jetzt ein Musterbild für Ruhe und Ausgeglichenheit, Fairness und Teamgeist.

Rüdigers Gelassenheit ist auch Ausdruck der Verantwortung, die ihm vom Coach übertragen wurde

Vom Bundestrainer gab es dafür nach dem 7:1 gegen Curaçao – wie auch für den Dortmunder Waldemar Anton – ein Sonderlob, das einem Verdienstorden glich. Dass er die beiden Verteidiger zuvor eingewechselt hatte, war eine demonstrative Geste: Belohnung für die Betroffenen – und Anreiz an die anderen Spieler im übergroßen 26-Mann-Kader. Nagelsmann hält engen Zusammenhalt für ein entscheidendes Element, um bei dieser WM Erfolg haben zu können. Rüdigers Gelassenheit hat mit einer gewissen Altersweisheit zu tun, aber sie ist auch Ausdruck der Verpflichtung und Verantwortung, die ihm vom Coach übertragen wurde. Er ist immer noch ein wichtiger Spieler, vor allem aber soll er ein Vorbild sein.

Seine veränderte Rolle scheint Rüdiger auch einen neuen Blick auf alte Themen zu öffnen. Auf einmal findet er auch jenen Teil seines Renommees gut, gegen den er bisher immer wieder angekämpft hatte. Dass er in der Social-Media-Welt der „Buhmann“ sei, das sei für ihn in Ordnung, sagte er: „Ich glaube, mein Name generiert Klicks – schlechte Presse ist gute Presse.“ Das amüsiert ihn, die Tiraden im Netz winkt er vorbei. Auf dem Podium hat Rüdiger zu dem Thema einen Satz gesprochen, der als Motto für eine Kampagne des Gesundheitsministeriums taugt: „Lassen wir Social Media Social Media sein – wir bleiben in der realen Welt.“

Vielleicht wäre der Verteidiger etwas weniger entspannt, wenn er nicht vor ein paar Tagen einen neuen Vertrag bei Real Madrid unterschrieben hätte. Der Vertrag gibt ihm Sicherheit und eröffnet ihm die Zusammenarbeit mit José Mourinho, der ihn schon öfter in eines seiner Teams hatte holen wollen: „Es gab sehr, sehr viele Gespräche mit ihm, aber es ist irgendwie nicht passiert. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt unter ihm spielen kann.“ Ein weiteres Jahr bei Real Madrid, das setzt den Traum fort, den er niemals hatte, „weil ich nie gedacht hätte, dass ich das erreichen werde“. Er habe, sagt er, einen „Nicht-Traum“ verwirklicht. Was soll diesen Mann noch beunruhigen?

Open Questions

  • Wie wird sich Rüdigers neue Rolle auf die Teamdynamik auswirken?
  • Wird er weiterhin eine Schlüsselrolle bei der kommenden WM spielen?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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