Apotheken sollen mehr Leistungen anbieten
Quick Look
- Gesundheitsministerin Nina Warken plant, Apotheken mehr Leistungen anzubieten, darunter Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und Medikamente ohne Rezept.
- Ziel ist die Stärkung der ländlichen Versorgung.
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Why It Matters
Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt seit Jahren und erreichte Ende März den niedrigsten Stand seit 1977. Dies stellt insbesondere kleinere und ländliche Apotheken vor wirtschaftliche Herausforderungen.
In Apotheken gibt es schon jetzt nicht nur Medikamente. Künftig sollen sie Patientinnen und Patienten aber noch weitere Leistungen anbieten können – von Impfungen über Vorsorge bis zu mehr Arzneien auch ohne sonst nötiges Rezept. Das sehen Gesetzespläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor, die der Bundestag heute beschließen soll. Die neuen Möglichkeiten sollen das Netz der Apotheken auch auf dem Land absichern und die Versorgung generell breiter aufstellen.
Für viele Menschen seien Apotheken bereits erste Anlaufstellen, wenn es um Gesundheitsfragen gehe, sagte Warken. Und diese Kontakte sollten nun noch stärker genutzt werden, um leicht zugängliche Angebote zu etablieren. Dabei gehe es aber nicht um komplexe Diagnosen oder einen Ersatz ärztlicher Begutachtungen. Weitere Ziele der Reform sind mehr Eigenverantwortung und Flexibilität, wie es im Entwurf heiß. Denn vor allem kleineren und ländlichen Apotheken machten Personalmangel und sinkende Wirtschaftlichkeit Probleme.
Die Zahl der Apotheken sinkt seit Jahren und ging bis Ende März weiter auf 16.541 zurück – den niedrigsten Stand seit 1977. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes kommen nach wie vor aus dem Kerngeschäft mit Arzneimitteln ohne und mit Rezept. Ein Überblick über die vorgesehenen Neuregelungen:
Vorsorge Apotheken sollen neue Leistungen zu Vorbeugung und Früherkennung anbieten können – etwa für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und rund ums Rauchen.
Impfungen Neben Impfungen gegen Grippe und Corona sollen alle Schutzimpfungen mit »Totimpfstoffen« in Apotheken angeboten werden können - also zum Beispiel auch gegen Tetanus oder Virusinfektionen, die Zecken übertragen (FSME).
Schnelltests Wie bei Coronatests in der Pandemie sollen Patienten selbst zu bezahlende Schnelltests zu bestimmten Erregern bekommen können – etwa auf Influenza-, Noro- oder Rotaviren. Das soll auch Infektionsketten schneller unterbrechen.
Medikamente Apotheken sollen verschreibungspflichtige Präparate in bestimmten Fällen auch ohne ärztliche Verordnung abgeben können. Patienten müssen sie dann selbst bezahlen. Gehen soll das zum einen bei bekannten und schon seit Längerem eingenommenen Medikamenten. Erlaubt werden soll die einmalige Abgabe der kleinsten Packung, wenn das Fortführen der Therapie keinen Aufschub erlaubt.
Erlaubt werden soll dies zum anderen bei »unkomplizierten Formen bestimmter akuter Erkrankungen«. Welche das sind und welche Vorgaben gelten, will das Ministerium noch festlegen. Tabu sein soll es aber für »systemische wirkende Antibiotika« und Mittel mit hohem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial.
Wann sie öffnen, soll in die Verantwortung der Apotheken gestellt werden. So könnten Geschäftszeiten besser an den Bedarf angepasst werden, erläuterte das Ministerium. Geregelt werden soll dies in einer Verordnung. Bisher sind Apotheken zur »ständigen Dienstbereitschaft« mit Befreiungen verpflichtet, aus denen feste Öffnungszeiten resultieren, etwa werktags von 8.00 bis 18.30 Uhr.
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände begrüßte die Aussicht, mehr Leistungen anbieten zu können – mahnt aber, dass nur wirtschaftlich gesunde Betriebe sie erbringen könnten. In der Branche wächst die Ungeduld, dass eine erst zurückgestellte und nun in Aussicht gestellte Honorarerhöhung bald kommt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte: »Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie sind keine Bausteine, die nach Belieben in andere Hände gegeben werden dürfen.« Medikamente seien »keine Bonbons«.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Bundestag wird die Gesetzespläne von Gesundheitsministerin Nina Warken beschließen.
Very likely · Within days
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wird sich weiterhin für Honorarerhöhungen einsetzen.
Very likely · Within weeks
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wird die Umsetzung der neuen Regelungen kritisch begleiten.
Likely · Within months
Open Questions
- Welche spezifischen Vorgaben werden für die Abgabe von Medikamenten bei akuten Erkrankungen gelten?
- Wann genau treten die neuen Regelungen in Kraft?
- Wie werden die Honorarerhöhungen für Apotheker gestaltet?
- Welche Auswirkungen haben die neuen Leistungen auf die Arbeitsbelastung des Apothekenpersonals?


