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BackBosch zieht sich aus israelischer KI-Forschung zurück
Bosch zieht sich aus israelischer KI-Forschung zurück
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Handelsblatt6/2/2026Business5 min readGermany

Bosch zieht sich aus israelischer KI-Forschung zurück

Quick Look

  • Bosch schließt seine Forschungsbüros in Tel Aviv und Haifa, was den Rückzug des ersten deutschen Großkonzerns aus Israels KI-Landschaft markiert.
  • Gründe sind strategische Neuausrichtung und wirtschaftliche Tragfähigkeit.

AI-generated summary

Why It Matters

Bosch is closing its two research offices in Israel, affecting around 10 employees. This marks the first withdrawal of a major German company from Israel's research landscape since the pandemic. Israel is a leading global technology hub.

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Bosch zieht sich als erster deutscher Großkonzern aus der israelischen Forschungslandschaft zurück. Die Schließung verdeutlicht die aktuellen Probleme des KI- und Start-up-Standorts. Léonardo Kahn 02.06.2026 - 09:08 Uhr Artikel anhören

Skyline von Tel Aviv: Die israelische Metropole gilt als Tech- und Gründerzentrum. Foto: Getty Images/iStockphoto

Tel Aviv. Die Schließung der beiden Forschungsbüros von Bosch in Israel wirkt angesichts der 20.000 Stellen, die der Konzern in Deutschland abbaut, nebensächlich. Bosch selbst veröffentlichte nicht einmal eine Pressemitteilung.

Und doch handelt es sich dabei nach Informationen des Handelsblatts um die ersten Standortschließungen des Konzerns im Ausland. Und um das erste deutsche Großunternehmen, das sich seit der Pandemie aus der israelischen Forschungslandschaft zurückzieht. Dabei gilt Israel als einer der weltweit führenden Technologiestandorte.

Israelische Wirtschaftsbeobachter neigen dazu, die Schließung vor allem im Kontext des globalen Bosch-Stellenabbaus zu lesen. Doch es gibt Israel-spezifische Gründe, warum sich der Konzern gerade dort zumindest teilweise aus dem Ausland zurückzieht.

Bosch hatte seine Forschungsaktivitäten in Israel 2018 aufgebaut, als Teil des Bosch Centre of Artificial Intelligence. An den Standorten in Tel Aviv und Haifa arbeiteten bis 2023 rund 30 Mitarbeitende an den Schnittstellen von KI, Sensorik und Automatisierung.

Auf Nachfrage begründet Bosch-Forschungschef Udo-Martin Gómez die Entscheidung mit einer strategischen Neuausrichtung: „Mittlerweile hat sich die KI-Kompetenz weltweit auf starke Zentren in China und den USA wie auch, gerade bei der physischen KI, auf Europa konzentriert.“

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Trotz Branchenkrise und Iran-Krieg – Bosch überrascht mit positivem Ausblick

Dass Bosch China explizit als neues KI-Zentrum benennt, fällt Wirtschaftsbeobachtern auf. Israel galt über Jahre als einer der weltweit führenden Standorte für KI-Forschung und Start-up-Entwicklung und war genau deshalb ein bevorzugtes Ziel für deutsche Konzerne, die den Anschluss an die digitale Avantgarde suchten. Deutsche Telekom, Mercedes, Merck: Laut der deutsch-israelischen Handelskammer unterhalten acht deutsche Unternehmen noch immer eigene Forschungs- und Entwicklungsbüros im Land.

Ziel von Bosch in Israel war es, Zugang zum dortigen Start-up-Ökosystem und Spitzenforschung zu gewinnen. Das Team leistete nach Unternehmensangaben Beiträge zur KI-basierten Automatisierung von Baumaschinen sowie zu robotischen Anwendungen in Fertigung und Lagerlogistik. 2022 wurden die Büros in die Bosch-Konzernforschung integriert.

Doch nun will die Konzernforschung ihre KI-Kompetenz „bündeln“, sagte Gómez. „Zudem haben wir die Robotics-Forschung bei Bosch grundsätzlich neu ausgerichtet und konzentrieren uns künftig auf Anwendungen in der Fabrikautomatisierung.“

Auf einen detaillierten Fragenkatalog des Handelsblatts ist das Unternehmen nicht eingegangen. Aber Gómez sagte weiter: „Wir bedauern, dass sich vor Ort keine wirtschaftlich tragbaren Optionen ergeben haben, die eine Fortführung der lokalen Forschungsaktivitäten langfristig rechtfertigen würden.“ Intern kommuniziert wurde die Schließung im Januar 2026, endgültig vollzogen werden soll sie Ende Juni. Betroffen sind zwei Standorte, es kommt zu zehn Entlassungen.

Was von Bosch in Israel bleibt

Mit rund 400 Mitarbeitenden bleibt der Konzern zwar in Israel präsent: durch die BSH-Hausgeräte-Tochter, durch die Bosch-Rexroth-Tochter Elmo Motion Control mit rund 300 Beschäftigten, die elektrische Servoantriebe für die Industrieautomation entwickelt und produziert, sowie durch Bosch Ventures. Die konzerneigene Wagniskapitalgesellschaft ist seit 2008 mit einem zweiköpfigen Team in Tel Aviv vertreten und investiert weiterhin in israelische Start-ups. Aber dass ausgerechnet die Forschung und Entwicklung abwandert, fällt auf.

Andrea Frahm leitet das Auslandsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren in Tel Aviv seit 2019 und vertritt dort auch den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft. Seit dem 7. Oktober 2023 beobachtet sie, wie es zunehmend schwieriger wird, deutsche Fachkräfte für einen Umzug nach Israel zu gewinnen, besonders Familien mit Kindern. „In Deutschland kann man sich ein Leben im Krieg kaum vorstellen“, sagt Frahm.

Selbst wenn der Krieg morgen vorbei wäre, wird es mindestens ein Jahr dauern, bis der internationale Andrang wieder so läuft wie vor dem 7. Oktober. Andrea FrahmLeiterin Helmholtz Tel Aviv

Das betrifft auch die bisherigen Bosch-Forschungsstandorte direkt. Im September 2025 ernannte der Konzern einen neuen Leiter für die israelischen Büros, der nach Informationen des Handelsblatts nie nach Israel gezogen ist. Bestätigen will Bosch das nicht: Man mache grundsätzlich keine Angaben zum Wohnsitz von Mitarbeitenden.

Für deutsche Unternehmen, die traditionell risikoscheu agieren, ist der andauernde Krieg ein operatives Problem. „Selbst wenn der Krieg morgen vorbei wäre“, sagte Frahm, „wird es mindestens ein Jahr dauern, bis der internationale Andrang wieder so läuft wie vor dem 7. Oktober.“

Ohne Präsenz vor Ort findet weniger Wissenstransfer statt, werden keine belastbaren Netzwerke geknüpft. Ohne Planungssicherheit eröffnen deutsche Konzerne keine neuen Büros in Israel.

Welche Zukunft hat der Forschungsstandort Israel?

Frahm beobachtet, wie sich die deutsch-israelische Wirtschaftsbeziehung neu ausrichtet. War es vor der Pandemie für Konzerne noch en vogue, weltweit kleine Innovationszentren zu eröffnen, wählen sie ihre Standorte heute aufgrund multipler Krisen und verschobener globaler Machtverhältnisse deutlich strategischer. Für manche Unternehmen werde Israel dadurch weniger relevant.

„2019 gab es für internationale Vertreter noch diesen besonderen Start-up-Nation-Hype in Israel“, sagt Frahm. Selbst nach dem 7. Oktober habe sich dieses Ökosystem zunächst behauptet. „Doch mittlerweile haben wir einen Kipppunkt erreicht, der Krieg dauert einfach schon zu lange.“ Der israelische Branchenbeobachter Start-up Nation Central kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Laut seinem Quartalsbericht wurden dieses Jahr so wenige Deals abgeschlossen wie seit 2018 nicht mehr.

Andere Branchen setzen hingegen verstärkt auf Israel – allen voran die Rüstungsindustrie. Bis Ende des Jahres sollen laut „WirtschaftsWoche“ der israelische Rüstungskonzern Rafael und Volkswagen ein Joint Venture gründen, um im Werk Osnabrück Komponenten für Militärfahrzeuge zu produzieren, die Flugabwehrsysteme wie den Iron Dome transportieren können.

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Für Israel ist die Neuausrichtung eine Herausforderung, aber nicht zwangsläufig eine schlechte Entwicklung. „Deutschland steht im Gegensatz zu anderen Ländern weiterhin zu Israel, daher nimmt Israel Deutschland verstärkt als wichtigen Handelspartner wahr“, sagt Frahm.

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Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Mai 2026 nannten die meisten befragten Israelis Wirtschaft (42 Prozent) sowie Verteidigung (43 Prozent) als die wichtigsten Bereiche der deutsch-israelischen Zusammenarbeit. Bei den befragten Deutschen waren es nur 29 beziehungsweise 13 Prozent. Frahm beobachtet, dass Israel sich in Verhandlungen zunehmend bereit zeigt, deutschen Partnern entgegenzukommen.

Ob andere deutsche Konzerne dem Beispiel Boschs folgen werden, lässt sich kaum vorhersagen. „Gerade werden keine Stellen abgebaut, aber es herrscht ein Schwebezustand, in dem manchmal offene Stellen nicht nachbesetzt werden“, so Frahm.

Mehr: KI-Boom treibt Forschungsausgaben nach oben – Deutschland bleibt zurück

Erstpublikation: 01.06.2026, 10:33 Uhr.

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What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Other German companies may reassess their presence in Israel's research landscape.

    Likely · Within months

  • Israel's 'Start-up Nation' image may be negatively impacted, leading to reduced foreign investment in the tech sector.

    Possible · Within months

Open Questions

  • Will other German companies follow Bosch's example?
  • What specific economic factors made the Israeli research options unsustainable for Bosch?
  • How will this impact Israel's 'Start-up Nation' image and future foreign investment?
  • What are the long-term implications for German-Israeli R&D collaboration in other sectors?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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