China und Kambodscha vereinbaren Zusammenarbeit gegen Scam-Zentren
Bei Staatsbesuch des chinesischen Außenministers Wang Yi in Phnom Penh beschlossen beide Länder sechs Punkte gemeinsamer Zusammenarbeit, darunter den Kampf gegen grenzüberschreitenden Online-Betrug
Quick Look
- China und Kambodscha haben bei einem Staatsbesuch des chinesischen Außenministers Wang Yi die Zusammenarbeit im Kampf gegen grenzüberschreitende Scam-Zentren vereinbart.
- Die Länder einigten sich im Rahmen ihres strategischen Dialogs auf sechs gemeinsame Ziele, darunter die entschlossene Bekämpfung von Online-Glücksspiel und Telekommunikationsbetrug.
- Kambodscha lieferte Anfang des Jahres den mutmaßlichen Betrüger Chen Zhi, Gründer der Prince Group, an China aus.
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Why It Matters
Scam-Zentren in Südostasien, insbesondere in Myanmar und Kambodscha, sind seit Jahren ein wachsendes Problem. Diese kriminellen Netzwerke betreiben Online-Betrug und Zwangsarbeit, wobei hunderte Menschen gegen ihren Willen festgehalten werden. Die Prince Group gilt als eines der größten transnationalen kriminellen Netzwerke Asien.
Bei einem Staatsbesuch des chinesischen Außenministers in Kambodscha haben beide Länder unter anderem die Zusammenarbeit im Kampf gegen lokale Scam-Zentren vereinbart. Myanmar gilt als bevorzugter Standort für diesen geschäftsmäßigen Online-Betrug, doch auch in Kambodscha sind derartige Firmen und sogar Zwangsarbeitslager verbreitet, in denen Menschen gegen ihren Willen festgehalten und gezwungen werden, Online-Nutzer um ihre Ersparnisse zu erleichtern.
Solche Scam-Zentren werden oft von einheimischen Gruppen organisierter Kriminalität betrieben, aber auch von ausländischen Kriminellen geleitet. Anfang dieses Jahres lieferte Kambodscha einen mutmaßlichen Online-Betrüger nach China aus, dem milliardenschwerer Online-Betrug vorgeworfen wurde. Dabei handelt es sich um Chen Zhi, Gründer und Vorsitzender der Prince Group. Offiziell haben Chen Zhi und die Prince Group mit Immobilien und Finanzdienstleistungen Geld verdient. Doch bei der Organisation soll es sich um eines der größten transnationalen kriminellen Netzwerke in Asien handeln, das mit Scam-Zentren in Kambodscha riesige Gewinne erwirtschaftet haben soll. Dafür sollen hunderte Personen gegen ihren Willen eingesperrt und dazu gezwungen worden sein, Menschen in aller Welt über das Internet zu betrügen und ihnen Geld abzuknöpfen.
China fordert Ausrottung von Scam-Zentren
Diesen Machenschaften will Chinas Außenminister Wang Yi ein Ende setzen und forderte deshalb im Gespräch mit dem kambodschanischen Premierminister Hun Manet diese Woche, dass „grenzüberschreitendes Glücksspiel und Betrug Leben und Eigentum der Bevölkerung gefährden und entschieden bekämpft und vollständig ausgerottet werden müssen“, berichtet die südostasiatische Straits Times.
Gestern nun haben sich China und Kambodscha im Rahmen ihres „2+2“ genannten strategischen Dialogs auf sechs Punkte gemeinsamer Ziele und Zusammenarbeit geeinigt, von denen einer dem Kampf gegen Scam-Zentren gewidmet ist, wie das chinesische Außenministerium schreibt. Demnach „vereinbarten beide Seiten, die Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden zu stärken, wobei der Schwerpunkt auf der entschlossenen und gründlichen Bekämpfung von Online-Glücksspiel- und Telekommunikationsbetrug, dem Schutz von Leben und Eigentum der Bevölkerung und der Schaffung eines günstigen externen Umfelds für die Zusammenarbeit zwischen China und Kambodscha liegen sollte“.
Konkrete Maßnahmen im Kampf gegen Scam-Zentren wurden bislang allerdings nicht vereinbart – oder zumindest nicht öffentlich bekannt gegeben.
Open Questions
- Welche konkreten Maßnahmen werden gegen Scam-Zentren ergriffen?
- Wie wird die Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden strukturiert?
- Welche Rolle spielen lokale kriminelle Gruppen in Kambodscha?
