Commerzbank-Übernahmekampf wird zur Schlammschlacht
Quick Look
- UniCredit wirft der Commerzbank Obstruktion vor und droht mit Übernahme des Aufsichtsrats.
- Die Commerzbank vermutet unzulässige Absprachen zwischen UniCredit und Derivate-Partnern.
- Die Bafin wurde eingeschaltet.
AI-generated summary
Why It Matters
Der italienische Bankkonzern UniCredit will die Commerzbank gegen deren Willen übernehmen. Die Commerzbank wirft UniCredit unzulässige Absprachen vor und hat die Bafin eingeschaltet.
Das Tauziehen um die Commerzbank entwickelt sich immer mehr zur Schlammschlacht.
Die italienische Großbank UniCredit, die die Frankfurter Bank gegen deren Willen übernehmen will, wirft der Commerzbank-Führung um Bettina Orlopp inzwischen offene Obstruktion vor und drohte indirekt damit, die Macht im Aufsichtsrat des Frankfurter Geldhauses zu übernehmen. Dann könne man den Commerzbank-Vorstand abberufen. Bisher ist UniCredit als Großaktionär nicht im Aufsichtsrat vertreten.
Die Commerzbank hatte die Frage aufgeworfen, weshalb Aktionäre UniCredit fast zwölf Prozent ihrer Aktien angedient hätten, obwohl das angesichts des Aktienkurses derzeit ein schlechtes Geschäft für sie sei.
UniCredit hatte offengelegt, dass sie Derivategeschäfte mit Banken eingegangen war, mit denen sie sich gegen Kursverluste mit Commerzbank-Aktien absichern wollte. Insidern zufolge sind diese nicht mit normalen, sondern mit angedienten Commerzbank-Aktien unterlegt. Damit könnten die UniCredit-Partner einen Anreiz haben, auf das Tauschangebot einzugehen.
Unzulässige Absprachen?
Die Commerzbank wolle mit »unzutreffenden und irreführenden Informationen« nur von den Vorteilen ablenken, die eine Übernahme der Bank und eine Fusion mit der HypoVereinsbank (HVB) »für Aktionäre, weitere Interessengruppen und Deutschland bringen könnte«, hieß es von der Mailänder Großbank. UniCredit habe daher die Bafin eingeschaltet.
Die Italiener reagieren damit auf die Ankündigung der Commerzbank, von der Bafin prüfen zu lassen, ob UniCredit und ihre Derivate-Partner sich abgesprochen hätten (»Acting in Concert«). Dann würden ihre Anteile addiert, und UniCredit hätte unter Umständen ein höheres Pflichtangebot für die Commerzbank vorlegen müssen. Die Münchner HVB war schon vor 20 Jahren von UniCredit übernommen worden. Sie ist seither zwar deutlich geschrumpft, aber profitabel.
Indirekt droht UniCredit dem Commerzbank-Vorstand damit, ihn über den Aufsichtsrat abberufen zu lassen: »Sollte UniCredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre.« Dafür würde eine einfache Mehrheit genügen, die für UniCredit schon jetzt greifbar nahe ist. In der Folge ließe sich der von UniCredit vorgeschlagene Umbau der Commerzbank leichter durchsetzen.
Die Bundesregierung, mit zwölf Prozent zweitgrößter Anteilseigner der Commerzbank, hat zwar das Recht, zwei Aufsichtsräte zu nominieren. Gewählt werden müssen sie freilich nicht.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Bafin-Entscheidung über "Acting in Concert"-Vorwurf.
Likely · Within weeks
UniCredit versucht, Aufsichtsrat zu beeinflussen.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie wird die Bafin die Absprachen prüfen?
- Erlangt UniCredit die Mehrheit im Aufsichtsrat?
- Wie reagiert die Bundesregierung auf die Drohung?





