Deutschland sucht engere Partnerschaften in Südamerika
Der deutsche Außenminister reist nach Südamerika, um Brücken zu bauen und die Vernachlässigung der Region durch Europa in der Vergangenheit wiedergutzumachen.
Quick Look
- Der deutsche Außenminister reist nach Asunción, Paraguay, um am Mercosur-Gipfel teilzunehmen und die Beziehungen zu Südamerika zu stärken.
- Ziel ist es, globale Partnerschaften zu festigen, Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten von Großmächten wie China zu reduzieren, insbesondere bei kritischen Rohstoffen.
- Europa versucht, seinen Einfluss in einer Region zurückzugewinnen, in der China und die USA bereits stark präsent sind.
AI-generated summary
Why It Matters
Der deutsche Außenminister reist nach Südamerika, um die Beziehungen zu stärken und die Vernachlässigung der Region durch Europa in der Vergangenheit wiedergutzumachen. Dies geschieht vor dem Hintergrund von Handelskriegen und dem Bestreben, Lieferketten zu diversifizieren und Abhängigkeiten von Großmächten zu verringern.
Uns verbindet weit mehr als uns trennt, mit dieser Botschaft reist der deutsche Außenminister nach Südamerika - er will Boden gut machen, nachdem Europa die Region in der Vergangenheit eher vernachlässigt hat - jetzt sollen wieder Brücken gebaut werden.
Dass es bei seiner Landung in Asunción allerdings die Paraguayos sein würden, die das entscheidende Tor schossen, damit hätte der Außenminister nicht gerechnet - 3:1 für die Nationalelf hatte er getippt. Zeiten ändern sich. Auch geopolitisch. Aber genau deswegen nimmt Wadephul am Gipfel der Mercosur-Staaten in Paraguays Hauptstadt Asunción teil, mit denen die EU ein Freihandelsabkommen vor Kurzem unterzeichnet hat.
Nur durch ein stabiles Netz von globalen Partnerschaften könne man die "außen-, sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Kerninteressen" durchsetzen, sagte Wadephul. "Das Mercosur-Abkommen kann dafür ein wichtiger Baustein sein. Ich möchte mit unseren Partnern ausloten, wie wir dieses Potenzial gemeinsam nutzen können."
Angesichts von Handelskriegen und Zöllen suchen beide Seiten nach verlässlichen Partnern, um Lieferketten zu diversifizieren, um Abhängigkeiten von Großmächten wie China zu verringern. Beispielsweise bei kritischen Mineralien und Rohstoffen, Kupfer, Lithium, Seltenen Erden, die gerade für die Energiewende zentral sind.
Genau da brauche Europa Südamerika vielmehr als umgekehrt, habe aber bisher einfach zu wenig getan, sagt Micha Zauner, Vorstand der deutschen E-Metalle AG. Er begleitet den Außenminister als Teil einer großen Wirtschaftsdelegation.
Die Chinesen seien schon lange da. Die US-Amerikaner auch - und unter Trump noch aggressiver und schneller. "Also ich merke das immer wieder, wenn ich vor Ort bin, es gibt leider fast keine oder viel zu wenige europäische Akteure auf diesem Boden", so Zauner.
Europa unterschreibt Absichtserklärungen, Peking kommt mit Geld. China ist heute der mit Abstand größte Abnehmer südamerikanischer Agrarprodukte und Mineralien wie Kupfer und Lithium und investiert massiv in regionale Infrastruktur und Energie.
Die USA wiederum haben unter Präsident Donald Trump Lateinamerika wieder zum Hinterhof erklärt und arbeiten massiv daran, den Einfluss Chinas zurückzudrängen.
Dabei unterstützt Trump auch gezielt konservative und rechte Verbündete auf dem Kontinent, allen voran Argentiniens libertären Präsidenten Javier Milei. Gerade für Brasiliens Linksregierung unter Luiz Inácio Lula da Silva ist eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland und Europa auch ein geopolitisches Anliegen, sagt der Politologe Paulo Velasco von der staatlichen Universität in Rio de Janeiro.
Der Druck aus Washington, das Abwenden von einer stabilen, auf Regeln basierenden Ordnung, all das bereite Brasilien Sorge. Es eröffne aber auch ein Gelegenheitsfenster, um die Beziehungen zu Europa zu vertiefen, glaubt Velasco. "Dennoch wird Brasilien in Südamerika zunehmend zu einer isolierten Stimme - auch im Hinblick auf handelspolitische Interessen, wie etwa das EU-Mercosur-Abkommen."
Auch damit wird deutsche Außenminister auf dem Mercosur-Gifel konfrontiert werden - mit Spannungen innerhalb des Bündnisses. Da ist Argentiniens Präsident Javier Milei, der mit dem Abschluss eines bilateralen Handelsdeals mit den USA kurz nach dem EU-Mercosur-Abkommen für Irritation sorgte. Da ist aber auch der Frust der Brasilianer über protektionistische Maßnahmen der EU.
Da würde mit zweierlei Maß gemessen, sagt Celso Amorim, außenpolitischer Berater des brasilanischen Präsidenten. Er würde nicht sagen, dass es das Abkommen infrage stellt. Aber es sei enttäuschend: "Es ergibt keinen Sinn, sich in einigen Bereichen zum Multilateralismus zu bekennen, während man in anderen Bereichen unilateral handelt."
Trotz gemeinsamer Interessen und Werte - die guten Beziehungen mit dem langjährigen Partner Südamerika sind kein Selbstläufer mehr.
Open Questions
- Wie werden die Spannungen innerhalb des Mercosur-Bündnisses gelöst?
- Welche konkreten Ergebnisse wird der Mercosur-Gipfel für die EU bringen?
- Wie wird Europa seinen Einfluss gegenüber China und den USA effektiv ausbauen?




