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Die WTF-Halbzeitshow der Fußball-Weltmeisterschaft
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FAZ19 hours agoCulture4 min readGermany

Die WTF-Halbzeitshow der Fußball-Weltmeisterschaft

Quick Look

  • Die Halbzeitshow einer Fußball-Weltmeisterschaft sorgte für breite Verwirrung und Kritik.
  • Von Chris Martins Ankündigungsvideo bis zu den Auftritten von Madonna, Justin Bieber und anderen Künstlern wurde die Darbietung als absurd, peinlich und als „Mini Playbackshow“ empfunden, die das Finale degradierte.

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Why It Matters

Die Halbzeitshow einer Fußball-Weltmeisterschaft sorgte für Verwirrung und Kritik aufgrund ihrer Inszenierung und der Auswahl der Künstler.

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Knappe zwölf Stunden nach der ersten Halbzeitshow einer Fußball-Weltmeisterschaft ist da immer noch vor allem die Frage: WTF? Oder, FIFA-konformer und höflicher ausgedrückt: Was zur Hölle war da los?

Es begann schon schlimm vor neun Wochen mit der Ankündigung: Der „Kurator“ der Show (was auch immer das heißen soll, wir sprechen hier ja wahrlich nicht von einer Kunstausstellung im MoMA, im Städel oder in der Neuen Nationalgalerie), Coldplay-Sänger Chris Martin, hatte ein Werbevideo gemacht. Er saß – wie immer in einem peinlich zu kleinen T-Shirt – vor bunt glänzenden Luftballons und ahornähnlichen Bäumen mit pinkfarbenen Blütentrauben (was KI schon alles kann, Wahnsinn!) und fing einen Fußball, den Elmo ihm zuwarf. Elmo erklärte Martin daraufhin: „Man spielt Fußball nicht mit den Händen.“ Martin antwortete: „Oh, das war es, was ich falsch gemacht habe.“

Dann videotelefonierten sie mit BTS, der koreanischen Mega-Boyband, lasen sich SMS von Shakira vor und sprachen darüber, dass alle auf der Welt „one big family“ seien. Das Kreditkartenunternehmen Visa kommentierte unter dem Instagram-Reel: „halftime is ELITE“. Amazon Music schrieb: „These headliners are ICONIC.“

Christian Streich verzog die Mundwinkel

Gestern war es dann so weit. Christian Streich verzog die Mundwinkel im ZDF-Studio, als die ersten Klänge des vorproduzierten Musikvideos auf den Stadionleinwänden ertönten. ZDF-Kommentator Oliver Schmidt kündigte die „Ikone der Achtziger“ an. Madonna, der Superstar von vor 40 Jahren also, sang ihren Hit „Music“ von vor zwanzig Jahren.

Für einen langen Moment war unklar, ob sich da nur ein Madonna-Avatar in Hotpants vor dem DJ-Pult rekelte oder ein echter, 67 Jahre alter, aber komplett weich gezeichneter Mensch. Ob der Avatar oder die echte Madonna dann auf ein Mad-Max-mäßiges Auto stieg, das Ronaldo fuhr, ob es wirklich Madonna war, die dann Ronaldinho, dem Beifahrer, im Gesicht herumfummelte und im Befehlston sang: „Everybody get up and dance“. „Ich sehe, wie Sie, ein Musikvideo“, sagte der ZDF-Kommentator Schmidt hilflos aus dem Stadion.

„It’s the world cup, hallelujah“

Aber dann stakste Madonna tatsächlich aus den Katakomben auf den furchtbar mitgenommenen Rasen im Stadion zu. Sie stand neben dem verloren grinsenden Ronaldinho und dem genauso verloren grinsenden Ronaldo, alle drei nahmen sich an den Händen, und für einen Augenblick glaubte man dem Instagram-Kommentar von Amazon Music, weil dieses Bild der drei alternden Stars tatsächlich ikonisch war. Ikonisch absurd.

Chris Martin hatte in seinem Ankündigungsvideo gesagt: „Eine Halbzeitshow bietet die Möglichkeit, zu zeigen, wie großartig alle möglichen Arten von Menschen sind.“ Damit war das Konzept abschließend erläutert. Es folgten: die Muppets und der Los-Angeles-Philharmonic-Orchestra-Dirigent Gustavo Dudamel mit einer Interpretation von „Seven Nation Army“. Danach kamen BTS, die offenbar nicht Playback sangen – als Einzige neben Justin Bieber. Der performte anschließend, angekündigt von „Ted Lasso“-Schauspieler Jason Sudeikis in seiner Serienrolle als Fußballtrainer Ted Lasso. Dass wahrscheinlich 99,9 Prozent der weltweiten WM-Zuschauer noch nie „Ted Lasso“ auf Apple TV gesehen hatten – egal.

Der tiefgläubige Bieber trat mit Gitarre aufs Feld, völlig unbeeindruckt von der bemühten Party-Atmosphäre um ihn herum, und sang in einen dunkelgrünen Fetzen gekleidet wie ein mittelalterlicher Barde: „It’s the world cup, hallelujah.“ Ob Gott wohl selbst gedacht hätte, dass er diese Wörter einmal in einem Satz hören würde?

Fast am Ende tanzten (ihre Mikrofone waren nur Deko) die Einzigen, die eigentlich plausibel und durchaus unterhaltsam genug die Halbzeitshow hätten bestreiten sollen: Shakira und Burna Boy. Die Kolumbianerin und der Nigerianer haben mit „Dai Dai“ den offiziellen mehrsprachigen WM-Song gemacht. Natürlich ist er kitschig und inhaltsleer, aber der Rhythmus stimmt, und mehr braucht es ja eigentlich nicht bei einem Fußballspiel.

Stattdessen wurde die eigentlich nur 15 Minuten lange Halbzeit auf 27 Minuten und zwanzig Sekunden ausgedehnt. Als Chris Martin hinter einem Kinderchor in seinem wieder viel zu kleinen T-Shirt hüpfend endlich zum Ende gekommen war, meldete sich der erste Deutschland-sucht-den-Superstar-Sieger und Playback-Experte Alexander Klaws auf Instagram zu Wort: „Ganz kurz…WARUM degradiert man ein WM-Finale mit einer Mini Playbackshow?“ Ja, warum, eigentlich? Und wieso muss ein DSDS-Sieger das Madonna und Co. erklären?

Open Questions

  • Warum wurde die Halbzeitshow so inszeniert?
  • Warum wurde die Show auf 27 Minuten ausgedehnt?
  • Warum muss ein DSDS-Sieger Künstlern wie Madonna die Show erklären?

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This article was originally published by FAZ.

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