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Dolly Partons "Jolene": Ein Song über die "andere Frau" mit revolutionärem Ansatz
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Dolly Partons "Jolene": Ein Song über die "andere Frau" mit revolutionärem Ansatz

Quick Look

Dolly Partons Song "Jolene" aus dem Jahr 1973 erlebt nach ihrem Tod ein Chart-Comeback und wird als einzigartiger "Other Woman Song" analysiert, in dem die Protagonistin nicht kämpft, sondern verhandelt und eine neue Form von weiblicher Stärke und Solidarität vorschlägt, wobei auch Interpretationen über mögliche lesbische Untertöne und Beyoncé's Cover-Version diskutiert werden.

AI-generated summary

Why It Matters

Dolly Parton veröffentlichte den Song "Jolene" im Jahr 1973. Er gehört zum Genre der "Other Woman Songs", in dem eine Frau eine andere um die Treue ihres Partners bittet. Nach Partons Tod im Jahr 2025 stieg der Song erneut in die Charts.

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Überall ist er jetzt, aus traurigem Anlass, wieder zu hören: Dolly Partons Song „Jolene“. Dem „Guardian“ hatte Parton 2016 gesagt, sie habe wohl um die 5000 Lieder geschrieben, auf ihre 49 Soloalben schaffte es nur ein Bruchteil davon, und im Mainstream-Radio hört man stets dieselben drei, vier Titel. Mit großem Abstand ganz vorn dürfte „Jolene“ liegen: das Schicksal des größten Hits.

Es ist auch nicht schlimm, Dolly Parton hätte ja auch Songs schreiben können wie „You’re Beautiful“ oder „Mambo No. 5“, und im Unterschied zu diesen geht einem „Jolene“ längst nicht so rasch auf die Nerven. Am Tag nach Partons Tod setzte sich der 53 Jahre alte Song an die Spitze der Apple-Musikcharts. In der Liste der „500 besten Songs aller Zeiten“ des „Rolling Stone“ (Ausgabe des Jahres 2024) belegt das Lied Platz 63, auch das muss einem nicht peinlich sein.

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Und der Text? Na ja. Eine Frau beschwört eine andere Frau, ihr bitte schön nicht den Mann wegzunehmen. Country-Pop des Jahres 1973 eben.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Wie generell bei Dolly Parton steckt hinter der vermeintlich einfachen, überdeutlichen Fassade weit mehr.

Inspiriert zu dem Titel wurde Parton von ihrem Ehemann, dem Asphaltierungsunternehmer Carl Dean, der mehr als sechzig Jahre an ihrer Seite gewesen war und sich stets fernab der Öffentlichkeit hielt; im März 2025 war er gestorben. Skandale aus dieser Ehe drangen nicht nach außen, außer jener klitzekleinen Krise, von der Dolly Parton selbst erzählte: Obgleich damals nicht vermögend, suchte Dean eine Zeitlang häufiger die örtliche Bankfiliale auf, um, wie die Gattin herausfand, mit der rothaarigen Frau am Schalter zu flirten. „Not that big of a deal“, hat Parton selbst gesagt, keine große Sache. Eine Nähe zu einer Barkeeperin oder Tätowiererin hätte womöglich problematischere Folgen gezeitigt, so aber war die einzige, ganz großartige Folge der Song „Jolene“.

Die andere Frau

In der populären Musik und speziell im Country gibt es das Genre des „Cheatin’ Songs“, das mutmaßliches oder tatsächliches Fremdgehen behandelt, und das Subgenre des „Other Woman Songs“ – das Lied über oder an die „andere Frau“, die Rivalin. Naturgemäß wird diese nicht mit Samthandschuhen angefasst und nicht mit samtener Stimme besungen: „Cheatin’ Songs“ erzählen von Wut, von Verzweiflung, von Hass, von Rache.

„Jolene“ aber ist anders. Die von Parton über einem nervösen Gitarrenrhythmus angesungene Frau ist keine namenlose Nebenbuhlerin, sondern, obzwar selbst (noch) nicht Handelnde, die eigentliche Protagonistin des Liedes. Und was für eine: flammende rotbraune Locken, elfenbeinfarbene Haut, smaragdgrüne Augen: Jolenes Schönheit, schwärmt die Sängerin, ist unvergleichlich. Zumindest sie selbst, gesteht sie sich ein, kann da unmöglich mithalten.

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Dass Dolly Parton selbst zu den ansehnlicheren Menschenkindern zählte, spielt in diesem Kontext gar keine Rolle, zumal wir schön säuberlich trennen müssen zwischen dem lyrischen Ich und der Interpretin und Autorin. Die Frau jedenfalls, der Parton ihre hinreißende Stimme leiht, ist voller Selbstzweifel und voller Ängste, und sie macht sich selbst in irritierender Weise klein. Sie bittet, sie bettelt: Bitte, Jolene, nimm mir nicht den Mann weg, nur weil du es könntest. Für dich ist er nur einer von vielen, für mich ist er der einzige. Bitte bedenke das, wenn du dich, wie auch immer, entscheidest: Mein Glück ist in deinen Händen. Die schier übermächtige Rivalin erfährt hier eine Apotheose als Liebesgöttin, die in alttestamentlicher Willkürherrschaft retten oder strafen kann.

„Ein revolutionärer Ansatz"

Indem sich jedoch die Sängerin in den Staub wirft, geht sie zugleich in die Offensive. Sie bläst nicht zum Kampf, den sie ohnehin zu verlieren drohte, aber sie tritt in Verhandlungen ein: Frauen, als Vertreterinnen des diplomatischen Geschlechts, sollten doch miteinander reden können, und vielleicht ist das Umschmeicheln der bedrohlichen Superfrau da nicht die schlechteste Taktik. Jedenfalls: Statt aus der Distanz zu hassen, sucht sie Nähe, Verständnis – und möglicherweise: Schwesternschaft. „Dolly verfolgt in diesem Lied einen wirklich neuartigen, revolutionären Ansatz in Bezug auf die andere Frau“, hat die Historikerin Nadine Hubbs 2019 in der Podcast-Folge „The Only One For Me, Jolene“ gesagt.

Hochinteressant ist hierbei die Abwesenheit desjenigen, über dessen Kopf hinweg verhandelt wird: Der Mann spielt keine Rolle. Klar, sie liebt ihn und will auch keinen anderen, ihre Liebe aber verleiht ihm keine Stärke. Gegen die Strahlkraft Jolenes wäre er chancenlos, er hätte keine andere Wahl, als seinen Trieben zu folgen: Er ist schließlich nur ein Mann. Partnerschaftliches Vertrauen sieht anders aus; man fragt sich, was Gatte Carl dazu gesagt hätte. Als klassische Feministin hat sich Dolly Parton nicht betrachtet, und wollte man „Jolene“ in diese Richtung interpretieren, so wäre es ein recht kurioser, anrührender Feminismus. Andererseits: Als Frau die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, weil auf die Männer kein Verlass ist, das darf schon als progressiv durchgehen.

Im erwähnten Podcast hat Nadine Hubbs noch eine weitere Lesart von „Jolene“ ins Spiel gebracht. Die zwar hyperfeminine Dolly Parton hat sich für alle Facetten des Lebens und Liebens offen gezeigt, und mit etwas Phantasie lässt sich aus „Jolene“ noch ein origineller Subtext heraushören: Schwärmerische Worte wie jene, mit denen diese Jolene besungen wird, widmet man in Liebesliedern üblicherweise dem Objekt seiner Begierde. Und wenn der Mann bei diesem Frauengespräch schon nicht vonnöten ist, könnte man dann nicht gleich ganz auf ihn verzichten? Vielleicht entscheidet sich Jolene, die unter den Männern frei wählen kann, ja auch mal für eine Frau. Von den Podcast-Macherinnen konfrontiert mit dieser Deutung ihres Songs, hat sich Dolly Parton amüsiert gezeigt: An so etwas gedacht habe sie, als sie das Lied schrieb, mit Sicherheit nicht, aber sie könne damit gut leben.

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Unzählige Male ist „Jolene“ gecovert worden, zuletzt auch von einer anderen ganz Großen, von Beyoncé für ihr Album „Cowboy Carter“. Allerdings mochte sich diese die Position der Bittstellerin nicht zu eigen machen und veränderte den Text. Statt ehrfürchtig zu flehen, warnt sie Jolene: „Lass die Finger von meinem Mann.“ Schließlich brauche es mehr als Schönheit, um eine zwanzig Jahre währende Liebe zu zerstören, und nicht umsonst sei sie selbst eine „Queen“: Hier kann man sich die Mühe, zwischen realem Star und lyrischem Ich zu trennen, getrost sparen. In trotziger Überzeugung ruft Beyoncé der anderen Frau zu, dass bei ihr nichts zu holen sei, was angesichts unverhohlener Anspielungen auf Fehltritte ihres Gatten Jay-Z in früheren Songs autosuggestive Anklänge hat.

Man mag die „Jolene“-Version der R&B-Königin als moderner und wehrhafter empfinden als Dolly Partons Original. Man könnte sie aber auch für einen Rückschritt halten. „In jedem Raum sind tausend Mädchen, die sich genauso verhalten wie du“, singt Beyoncé Jolene ins Gesicht und macht sie, was Parton fern gewesen wäre, auf diese Weise klein. Die Utopie einer vernünftigen Verständigung unter Frauen ist dahin. Nur eines ist gleichgeblieben, nämlich eine gewisse überlegene Sicht auf das andere Geschlecht: „Ich habe diesen Mann großgezogen, ich habe seine Kinder großgezogen“, behauptet Beyoncé. „Ich kenne meinen Mann besser, als er sich selbst kennt.“ Kein Wunder, dass er dann auch dieses Mal nicht mitreden darf.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Der Song "Jolene" wird in den kommenden Monaten weiterhin in Streaming-Charts präsent sein und möglicherweise weitere Cover-Versionen inspirieren.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wie wird sich die Bedeutung von "Jolene" in der Popkultur langfristig entwickeln?
  • Wird es weitere Cover-Versionen des Songs von prominenten Künstlerinnen geben?
  • Wie reagiert das Publikum auf die Interpretation des Songs als feministisches oder queeres Statement?

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