Dworkowitsch suspendiert sich als Fide-Präsident nach EU-Sanktionen
Quick Look
- Arkadi Dworkowitsch hat seine Befugnisse als Präsident des Schachweltverbands Fide mit sofortiger Wirkung ausgesetzt, nachdem er auf die EU-Sanktionsliste gesetzt wurde.
- Er bezeichnet den Beschluss als "rechtswidrig und ungerecht" und will ihn anfechten.
- Vizepräsident Viswanathan Anand übernimmt interimistisch.
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Why It Matters
Arkadi Dworkowitsch hatte zuvor erklärt, bei EU-Sanktionen zurückzutreten, und wurde nun auf die Sanktionsliste gesetzt. Er hatte den russischen Schachverband lange geschützt.
Dworkowitsch hatte in der Vergangenheit erklärt, er werde, sollte er auf der EU-Sanktionsliste landen, zurücktreten. Nun teilt er mit, er halte den EU-Beschluss für »rechtswidrig und ungerecht« und werde ihn mit allen möglichen Mitteln anfechten. Bis zu einer Gerichtsentscheidung könne aber die Funktionsweise des Schachweltverbands behindert werden. Deswegen habe er beschlossen, mit sofortiger Wirkung »die Ausübung meiner Befugnisse und Pflichten als Fide-Präsident auszusetzen«. Das gelte, solange er den EU-Sanktionen unterliege.
Der bisherige Vizepräsident Viswanathan Anand, ehemaliger Weltmeister, hat bereits erklärt, dass er nun wie vorgesehen als Interimspräsident der Fide übernehme.
Kurz vor der Veröffentlichung der EU-Sanktionen hatte das Fachportal chess.com bereits über eine interne Nachricht von Dworkowitsch berichtet. Demnach habe er Mitarbeitern geschrieben, dass dies sein »letzter Tag« als Fide-Präsident sein könne. Auf eine SPIEGEL-Anfrage zu der Nachricht hat der Weltverband Fide bislang nicht reagiert.
Weltverbandspräsident Dworkowitsch hatte den russischen Verband lange geschützt und sich für die Rückkehr russischer Schachgroßmeister und -mannschaften zu internationalen Turnieren starkgemacht.
Schon länger hatte die EU Berichten und Beobachtern zufolge geplant, Dworkowitsch zu sanktionieren. Lange soll ihn aber die ungarische Regierung unter Ex-Ministerpräsident Viktor Orbán geschützt haben, zu der Dworkowitsch gute Kontakte gepflegt haben soll. Der neue Ministerpräsident Péter Magyar macht da offensichtlich nicht mehr mit.
Wer wird Fide-Präsident?
Wie geht es also nun weiter im Weltschach? Dworkowitsch kandidierte eigentlich gerade für eine dritte Amtszeit als Fide-Präsident, die Wahl findet im September statt. Nun hat Dworkowitsch mittlerweile erklärt, nicht antreten zu wollen. Stattdessen will der russische Verband Kirsan Iljumschinow unterstützen, er war bereits von 1995 bis 2018 Fide-Präsident.
Außerdem sind zwei deutsche Unternehmer im Rennen: Der Düsseldorfer Wadim Rosenstein und der Hamburger Jan Henric Buettner kandidieren bei der Präsidentenwahl. Beide bemühen sich derzeit um Unterstützung der nationalen Verbände.
Auf SPIEGEL-Anfrage erklärte Buettner, er spreche Dworkowitsch seinen Respekt aus. »Die jüngsten Ereignisse unterstreichen einmal mehr, wie wichtig es für unseren Verband ist, als unabhängig, politisch neutral und ausschließlich auf den Dienst an der globalen Schachgemeinschaft ausgerichtet wahrgenommen zu werden«, so Buettner. Er wolle als Präsident »mit jedem Mitglied der Schachfamilie zusammenarbeiten, unabhängig von Nationalität oder politischem Hintergrund, und gleichzeitig sicherstellen, dass die Entscheidungen der Fide ausschließlich von den Interessen des Schachs und seiner Mitglieder geleitet werden«.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Dworkowitsch wird den EU-Beschluss rechtlich anfechten.
Very likely · Within months
Die Wahl des Fide-Präsidenten findet im September statt.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie wird Dworkowitschs Anfechtung des EU-Beschlusses ausgehen?
- Wer wird der nächste Fide-Präsident im September?
- Wie wird sich die Fide unter Anand interimistisch entwickeln?






