Ernährung von Kleinkindern und Jugendlichen beeinflusst Intelligenz
Quick Look
- Eine Analyse von 73 Studien zeigt, dass die Ernährung in den ersten zwei Lebensjahren und während der Adoleszenz die Intelligenz beeinflussen kann.
- Mangelernährung, insbesondere bei Eisen, Zink und Jod, kann den IQ senken, während eine ausgewogene Ernährung den IQ erhöhen kann.
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Why It Matters
Die ersten zwei Lebensjahre und die Adoleszenz sind prägende Phasen für die Gehirnentwicklung, die besonders sensibel auf Ernährung reagieren. Globale Studien deuten darauf hin, dass die Beseitigung von Nährstoffmängeln den durchschnittlichen IQ weltweit anheben könnte.
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Die Ernährung von Kleinkindern und Jugendlichen könnte ihre spätere Intelligenz beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kam eine große Analyse, die 73 Studien auswertete.
Die ersten zwei Lebensjahre gelten als besonders prägend für die Gehirnentwicklung. Einige Jahre später durchläuft das Gehirn während der Adoleszenz erneut grundlegende strukturelle Anpassungen und eine Neuverschaltung neuronaler Zentren, getrieben durch hormonelle Veränderungen.
In beiden Phasen der Neuroplastizität sei das Gehirn äußerst sensibel für Mangelernährung und Überernährung, schreibt das Team um Forscherin Hayley A. Young von der britischen Swansea University in Wales. Globalen Studien zufolge könne der durchschnittliche Intelligenzquotient (IQ) weltweit um bis zu zehn Punkte angehoben werden – wenn Mangel an Eisen, Zink und Jod in der Ernährung beseitigt würde.
In der nun im Fachjournal „Advances in Nutrition“ veröffentlichten Arbeit führten die Wissenschaftler die Daten von insgesamt 48 Studien mit gezielten Ernährungsinterventionen sowie 25 Langzeitstudien zusammen. Insbesondere der Einfluss der Ernährung im Jugendalter auf die Intelligenzentwicklung sei bislang „unzureichend erforscht“. Diese „Lücke“ wolle die Studie füllen.
Untersucht wurden unter anderem der Einfluss von Eisen, Jod, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Cholin, Polyphenolen, Multivitaminpräparaten, Vollkornprodukten, Fisch, Walnüssen, der sogenannten Neuen Nordischen Diät – bestehend aus viel Fisch, Beeren, Vollkorn und Gemüse – sowie Schulfrühstücksprogrammen.
Die deutlichsten Ergebnisse zeigten sich im Kleinkindalter. Sieben der Langzeitstudien untersuchten direkt den Zusammenhang zwischen Ernährung in den ersten drei Lebensjahren und späterer Intelligenz.
Intelligenz und Ernährung bei Kleinkindern
Alle diese Studien ergaben, dass mehr Früchte, Gemüse, Milchprodukte und Vollkorn auf dem Speiseplan mit stärkerer verbaler Intelligenz und einem höheren IQ-Wert im Jugendalter einhergingen. Hochverarbeitete sowie zuckerreiche Lebensmittel dagegen gingen mit relativen Minderungen der Intelligenz einher.
Eine niederländische Langzeitstudie beispielsweise verfolgte knapp 1900 Kinder vom ersten Lebensjahr bis ins frühe Jugendalter. Ein ungünstiges Ernährungsmuster im Säuglingsalter war mit einem messbar kleineren Volumen der weißen Hirnsubstanz im Alter von zehn Jahren verbunden. Kinder mit weniger weißer Substanz erzielten wiederum schwächere IQ-Werte mit 13 Jahren als gleichaltrige Kinder mit gesünderer Ernährungsgeschichte.
Besonders im ersten Lebensjahr waren die von den Studien beobachteten Effekte am stärksten. So war die Einführung von eisen- und proteinreichen Lebensmitteln ab sechs bis zwölf Monaten mit erhöhter Intelligenz assoziiert. Hochverarbeitete Lebensmittel dagegen im Alter zwischen sechs und 24 Monaten standen im Zusammenhang mit schlechteren IQ-Werten.
Auffällig: Eisenmangel in der frühen Kindheit war noch Jahre später mit schwächerer Aufmerksamkeit, Rechenfähigkeiten, räumlichem Gedächtnis und kognitiver Kontrolle verbunden. Eine spätere Behandlung im Alter von zehn Jahren kompensierte diese Einschränkungen nicht mehr vollständig.
Intelligenz und Ernährung in der Pubertät
In der Adoleszenz waren die Ergebnisse weniger eindeutig. Zusätzliches Eisen und Jod in der Nahrung wirkten primär dann positiv, wenn Jugendliche zuvor einen Mangel hatten. Vitamin D dagegen erzielte kaum Verbesserungen der Intelligenz. Auch für andere Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren waren die Ergebnisse widersprüchlich.
So zeigte sich, dass Omega-3-Interventionen bei Jugendlichen im Alter zwischen acht und 15 Jahren vor allem dann kognitive Verbesserungen brachten, wenn der Omega-3-Index im Blut auf über sechs Prozent anstieg. Studien, in denen dieser Schwellenwert nicht erreicht wurde – etwa weil die Teilnehmer die Präparate abbrachen –, zeigten kaum Effekte. Die bloße Einnahme von Fischöl reicht also offenbar nicht; entscheidend ist die tatsächliche Aufnahme ins Blut.
Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen sind. Zwischen den Untersuchungen hätten große methodische Unterschiede bestanden, sodass ein Vergleich erschwert sei. Zudem würden Studien, die sich allein am Alter orientieren, die biologischen Veränderungen während der Pubertät nicht ausreichend erfassen, um einheitliche Schlüsse zu ziehen. Auch die Messung der Intelligenz sei nicht standardisiert.
Die Wissenschaftler empfehlen, künftige Untersuchungen sollten die Teilnehmergruppen nach biologischen Pubertätsphasen einteilen und Biomarker messen, um die tatsächliche Nährstoffaufnahme direkt zu bestimmen.
Open Questions
- Wie können spezifische Ernährungsinterventionen standardisiert werden?
- Welche Rolle spielen individuelle genetische Faktoren?
- Wie lassen sich die Langzeiteffekte von Schulfrühstücksprogrammen objektiv messen?

