ETFs: Immer mehr Deutsche investieren in Indexfonds
Quick Look
- ETFs werden in Deutschland immer beliebter, mit einer Verdopplung der Depotkunden seit 2022.
- Besonders junge Anleger und Frauen holen auf, obwohl Männer noch höhere Sparraten und Anlagevolumen aufweisen.
- Investitionen in US-ETFs sinken, während europäische und globale Indizes wie der FTSE All-World an Beliebtheit gewinnen.
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Why It Matters
Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) werden in Deutschland immer beliebter. Zahlen der Direktbank ING zeigen eine Verdopplung der Depotkunden mit ETFs seit 2022. ETFs entwickeln sich zu einer beliebten Form der Geldanlage und des langfristigen Vermögensaufbaus.
In Deutschland gibt es etwa 14 Millionen Menschen, die Aktien besitzen. Immer mehr von ihnen halten sie in Form von Indexfonds. Vor allem bei zwei Gruppen werden ETFs immer beliebter. Markus Hinterberger 02.06.2026 - 11:55 Uhr Artikel anhören
Ein-Euro-Münzen fallen in eine Hand: ETFs als Form der Vermögensbildung. Foto: Getty Images, Montage
München. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) werden in Deutschland immer beliebter. Das legen Zahlen der Direktbank ING nahe. Demnach hat sich seit 2022 die Zahl der Depotkunden, die mindestens einen ETF besitzen, von 922.000 auf 1,8 Millionen verdoppelt. Andere Banken berichten von ähnlichen Zuwächsen.
„ETFs haben sich in vergangenen Jahren zu einer der beliebtesten Formen der Geldanlage und des langfristigen Vermögensaufbaus entwickelt“, sagt Thomas Dwornitzak, Leiter Investieren, bei ING Deutschland.
Laut ING werden ETFs dabei über alle Altersgruppen hinweg häufiger bespart. Vor allem Anlegerinnen haben demnach aufgeholt. Während die Anzahl der Anleger von 384.000 auf 755.000 und damit um 96 Prozent wuchs, stieg die Zahl der aktiven ETF-Anlegerinnen um 137 Prozent von 245.000 auf 581.000.
Junge investieren mehr als ältere Anleger
Am stärksten ist die Zahl der jüngsten Depotinhaber gestiegen. Verzeichnete die ING vor vier Jahren noch 55.000 Depots von unter 18-Jährigen, sind es aktuell 221.000. Die Diskussion um eine Frühstartrente, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im vergangenen Jahr losgetreten hatte, macht sich hier nach Angaben der Bank bemerkbar. Die Frühstartrente ist ein Modell, bei dem der Staat plant, für Kinder frühzeitig Geld kapitalmarktbasiert für spätere Altersvorsorge anzulegen.
Im Schnitt fließen monatlich 87 Euro in die Sparpläne von Minderjährigen. Eine Zahl, die sich mit einer Auswertung der Consorsbank unter den bei ihr geführten Kinderdepots deckt. Beide Erhebungen zeigen auch, dass ETF-Sparpläne zu mehr als 90 Prozent der Sparpläne von unter 18-Jährigen ausmachen.
Bei den Erwachsenen gilt hingegen: Je älter der Depotinhaber, desto seltener bespart er ETFs. Jedoch sind auch bei Menschen, die älter als 60 Jahre sind, ETF-Sparpläne inzwischen stärker vertreten als Fonds- oder Aktiensparpläne. Insgesamt spielen ETFs in den Depots von Anlegerinnen eine größere Rolle, was auch eine Studie der Consorsbank nahelegt.
Bei der durchschnittlichen Höhe der Sparplanraten liegen die 30- bis 40-Jährigen mit monatlich 180 Euro vorn. Ihnen folgen mit 171 Euro die 18- bis 29-Jährigen. Die Altersgruppe zwischen 41 und 50 Jahren folgt mit 163 Euro.
Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2022 gab es bei den 18- bis 29-Jährigen und den 30- bis 40-Jährigen mit 29 und 30 Euro. Das sei ein Zeichen dafür, dass diese Generationen den langfristigen Vermögensaufbau im Blick hätten und dem Kapitalmarkt offen gegenüberstünden, sagt Dwornitzak von der ING.
Heruntergebrochen auf die Geschlechter liegen Männer mit einer monatlichen Sparrate von im Schnitt 167 Euro vorn. Frauen investieren 141 Euro pro Monat. Der Abstand hat sich im Vergleich zu 2022 aber etwas vergrößert: Damals stand es 153 zu 132 Euro.
Auch beim gesamten durchschnittlichen Investmentvolumen in ETFs gibt es nach den ING-Zahlen noch Unterschiede: Das durchschnittliche ETF-Vermögen der Männer beträgt etwa 46.000 Euro, das der Frauen 33.000 Euro. 2022 besaßen Anleger im Schnitt 33.000 und Anlegerinnen 26.000 Euro.
Weniger US-ETFs, aber der MSCI-World bleibt der Lieblings-ETF
Von 2022 auf 2026 ist das Nettokaufvolumen von ETFs auf US-Indizes um mehr als die Hälfte gesunken. Flossen im März 2022 noch 35 Millionen Euro in diese Indexfonds, waren es im März dieses Jahres nur noch 17 Millionen Euro. Fast spiegelbildlich verlief die Entwicklung bei den ETFs, die europäische Indizes abbilden. Hier verdreieinhalbfachten sich laut ING die monatlichen Investments auf 29 Millionen Euro.
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Über alle Altersgruppen hinweg sind sogenannte Welt-ETFs besonders beliebt. Das sind ETFs, die breit gestreut in Hunderte bis Tausende Unternehmen weltweit investieren und damit die Entwicklung globaler Aktienmärkte über einen Index abbilden. Vorn liegen ETFs auf den MSCI World, der die Aktienmärkte von 23 entwickelten Volkswirtschaften abdeckt. Er lag sowohl 2022 als auch in diesem Jahr auf dem ersten Platz der beliebtesten Indizes.
Dennoch gehen Investments in den MSCI World zurück. Denn der Index wird von vielen Anlagefachleuten wegen eines hohen Anteils an US-Aktien als Klumpenrisiko wahrgenommen. Die großen US-Tech-Konzerne um den Chiphersteller Nvidia, den Softwareanbieter Microsoft und Firmen wie Apple, Meta, Amazon oder Alphabet machen wegen ihrer enormen Kurszuwächse in den vergangenen Jahren ein Fünftel des gesamten Index aus.
Um dem entgegenzutreten, besparen viele Anlegerinnen und Anleger derzeit eher ETFs auf den FTSE All-World. Dieser Index bildet nicht nur Industriestaaten, sondern auch Schwellenländer mit ab. In ihm spielen die genannten Großkonzerne eine etwas geringere Rolle. Dennoch sieht Dwornitzak noch große Konzentrationsrisiken in den Portfolios. „Hier ist mehr Aufklärung zur Diversifizierung der Geldanlage nötig“, sagt er.
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Open Questions
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