ETFs schlagen MSCI World: Diversifikation jenseits von Tech und USA
Quick Look
- Drei ETFs mit unterschiedlichen Konzepten übertreffen den MSCI World, indem sie den hohen Anteil von US-Aktien und Tech-Sektoren reduzieren.
- Sie setzen auf breitere Ländergewichtung, Faktoransätze und Dividendenstrategien.
AI-generated summary
Why It Matters
Der Boom Künstlicher Intelligenz hat zu einer starken Konzentration von Tech- und US-Aktien in globalen Indizes wie dem MSCI World geführt. Dies birgt Risiken für Anleger, die eine breitere Diversifikation suchen.
Ein niedrigerer Tech- und US‑Anteil bedeutet nicht automatisch weniger Rendite. Weltweit investierenden ETFs gelingt es mit ganz unterschiedlichen Konzepten, den MSCI World zu schlagen. Andreas Neuhaus 22.06.2026 - 09:13 Uhr Artikel anhören
Weltweit investieren: Anleger sind nicht auf den MSCI World oder MSCI All World Country angewiesen. Foto: Moment/Getty Images
Düsseldorf. Am Aktienmarkt gab es in den vergangenen Jahren ein bestimmendes Thema: den Boom Künstlicher Intelligenz (KI). Für Anleger hat das einen ungewünschten Nebeneffekt. In den meisten Welt-Indizes hat sich eine Unwucht gebildet.
So beträgt im MSCI World das Gewicht der beiden Tech-Sektoren Informationstechnologie (IT) und Kommunikationsdienste mittlerweile fast 40 Prozent, der Anteil von US-Aktien liegt bei knapp 72 Prozent. Zudem hängt die Performance relativ stark von wenigen Aktien ab.
Das Handelsblatt hat deshalb mit Daten der Vergleichsplattform ExtraETF nach börsengehandelten Fonds (ETFs) gesucht, die:
weltweit sowie branchenübergreifend investieren,
einen niedrigeren Tech- und US-Anteil aufweisen,
und trotzdem seit dem vergangenen Jahr besser laufen als der MSCI World.
Dabei können völlig unterschiedliche Konzepte zu einem besseren Ergebnis als beim MSCI World führen, wie die drei folgenden Beispiele zeigen.
Erstes ETF-Beispiel: L&G Gerd Kommer Multifactor Equity
Eine Alternative ist der „L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF“ (ISIN: IE0001UQQ933). In dieser Variante des ETF werden Dividendenzahlungen automatisch reinvestiert, er gibt aber auch eine, in der die Dividenden ausgeschüttet werden (IE000FPWSL69).
Der ETF wurde vom Vermögensverwalter Gerd Kommer in Zusammenarbeit mit dem Legal & General Investment Management (LGM) entwickelt. Er verfolgt einen anderen Ansatz als der MSCI World, bei dem das Gewicht der einzelnen Aktien nicht nur von der Marktkapitalisierung abhängt.
Stattdessen basiert die Länder-Gewichtung zur Hälfte auf der Marktkapitalisierung und zur anderen Hälfte auf dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Länder. Bei den Einzeltiteln wiederum basiert die Gewichtung unter anderem auf Bewertung, Größe und Qualität. Zudem existiert ein Maximalgewicht von einem Prozent je Aktie, wobei die Zusammensetzung vierteljährlich angepasst wird.
Das hat drei Effekte:
Die Gewichtung verschiebt sich zulasten der USA. Ihr Anteil sinkt auf unter 50 Prozent, dafür steigt das Gewicht europäischer Unternehmen und Unternehmen aus Schwellenländern. Letztere werden im MSCI World gar nicht abgebildet.
Das Gewicht der Tech-Sektoren sinkt auf 34 Prozent. Dafür sind vor allem der Finanz- und der Energiesektor etwas stärker gewichtet.
Die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen sinkt ebenfalls. Im MSCI World kommen die sieben großen Tech-Konzerne Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Meta, Nvidia und Tesla auf ein Gewicht von knapp 24 Prozent. Im Kommer-ETF waren es zuletzt 5,5 Prozent.
2024 führte diese Zusammensetzung zu einer um sechs Prozentpunkte niedrigeren Rendite als der MSCI World. Aber: 2025 war die Rendite des Kommer-ETF mit zehn Prozent gut zwei Prozentpunkte höher, 2026 liegt er mit mehr als 16 Prozent knapp fünf Prozentpunkte vorn.
Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass der MSCI World durch die unterdurchschnittliche Performance der an der Wall Street „Glorreiche Sieben“ genannten großen Tech-Werte zurückgehalten wird. In den USA stieg der Roundhill Magnificent Seven ETF, der nur die Entwicklung der sieben Tech-Größen trackt, seit Anfang 2025 um 20 Prozent, während der marktbreite US-Index S&P 500 um 26 Prozent zulegte.
Zusätzlich profitiert der Kommer-ETF vom Kursverfall des Dollars. Die US-Währung wertete seit Anfang 2025 gegenüber dem Euro um mehr als zehn Prozent ab. Das mindert die Rendite von europäischen Anlegern, die in USA-Aktien investieren. Indem der US-Anteil im Kommer-ETF niedriger ist, ist er davon weniger betroffen als der MSCI World.
Was Anleger beachten sollten: Frei von KI-Aktien ist der Kommer-ETF nicht – das ist auch nicht sein Anspruch. Es geht stattdessen um eine ausgewogenere Abbildung des weltweiten Aktienmarktes, der aktuell nun mal vom KI-Boom bestimmt wird.
Zu den größten Positionen im Kommer-ETF gehören neben Nvidia, Microsoft und Apple die Chipkonzerne Micron Technology und TSMC. Sie haben zusammen aber nur ein Gewicht von gut sechs Prozent. Im MSCI World kommen die Top Fünf auf 19 Prozent.
Zweites ETF-Beispiel: VanEck World Equal Weight
Eine weitere Alternative ist der „VanEck World Equal Weight Screened UCITS ETF“ (NL001040870). Hier haben alle enthaltenen Aktien dasselbe Gewicht. Einen gleichgewichteten ETF gibt es vom Anbieter Invesco auch auf den MSCI World (IE000OEF25S1), dieser liegt im laufenden Jahr aber hinter der klassischen Variante zurück.
Der VanEck-ETF besteht aus 250 Aktien aus den Industrienationen mit der höchsten Marktkapitalisierung, sofern diese die Grundsätze des UN Global Compact für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln einhalten. Unternehmen aus der Alkohol- und Tabakindustrie sind damit ebenso ausgeschlossen wie Rüstungs- und Glücksspielunternehmen.
2,78Prozentbeträgt das Gewicht von südkoreanischen Aktien im VanEck-ETF. Im MSCI World sind diese nicht vertreten, weil sie dort als Schwellenland geführt werden. (Quelle: ExtraETF)
Gegenüber dem Kommer-ETF verschiebt sich die Zusammensetzung dadurch noch einmal stärker zulasten der USA und der Sektoren IT und Kommunikation: Der US-Anteil sinkt auf knapp 39 Prozent, die beiden Tech-Sektoren haben ein Gewicht von 31 Prozent. Dafür steigt das Gewicht des Finanzsektors im Vergleich zum MSCI World von gut 15 auf 29 Prozent. Auch das Gewicht des Gesundheitssektors steigt kräftig, von fast neun auf fast 13 Prozent.
Auf der Länderebene erhalten dadurch Europa und vor allem Japan mehr Gewicht, dessen Anteil gegenüber dem MSCI World von fast sechs auf knapp 16 Prozent steigt. Zu beachten ist auch, dass südkoreanische Aktien in dem ETF vertreten sind – im MSCI werden diese nicht geführt, weil Südkorea dort als Schwellenland geführt wird.
Nicht zuletzt vom höheren Gewicht asiatischer Länder profitiert der Index. Dadurch stieg der ETF im vergangenen Jahr mit fast 14 Prozent um knapp sechs Prozentpunkte stärker als der MSCI World. Im laufenden Jahr beträgt das Plus nach einem bisherigen Gewinn von knapp 15 Prozent mehr als drei Prozentpunkte. Die Dividenden, die der VanEck-ETF ausschüttet, sind hier bereits eingerechnet.
Ähnlich wie beim Kommer-ETF gelang im vorvergangenen Jahr keine bessere Performance als beim MSCI World. 2024 lag die Rendite neun Prozentpunkte niedriger, 2023 betrug das Minus drei Prozentpunkte.
Im VanEck-ETF haben die zehn aktuell größten Positionen alle einen direkten oder indirekten KI-Bezug. Indem die ETF-Zusammensetzung aber vierteljährlich überprüft und das Gewicht jeder Aktie wieder auf 0,4 Prozent gesetzt wird, ist die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen geringer.
Drittes ETF-Beispiel: Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield
Noch stärker verschiebt sich die Gewichtung mit dem „Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF“ (IE00BK5BR626). Er investiert in Unternehmen aus mehr als 2000 Unternehmen weltweit, die einen hohen Anteil ihres Gewinns an die Aktionäre ausschütten.
Ausgangsbasis für den ETF sind Aktien von großen und mittelgroßen Unternehmen aus Schwellenländern und Industrienationen. Von dort ausgehend wird der Investmenthorizont in mehreren Schritten verkleinert:
Es werden sämtliche Reits ausgeschlossen. Das sind Unternehmen, die in Immobilien investieren, diese verwalten oder finanzieren.
Es werden alle Unternehmen ausgeschlossen, die in den vergangenen zwölf Monaten keine Dividende gezahlt haben, für die nächsten zwölf Monate keine Dividende angekündigt haben oder für die keine Dividendenprognose vorliegt.
Die verbleibenden Aktien werden auf Basis der erwarteten Dividendenrendite für die kommenden zwölf Monate von hoch nach niedrig gerankt.
Ein Mitglied bleibt so lange im Index, wie seine Dividendenrendite in den oberen 55 Prozent des Rankings gehört. Aktien, die noch nicht zum Index gehören, werden aufgenommen, wenn sie zu den oberen 45 Prozent des Rankings gehören.
Die verbliebenen Aktien werden anschließend im Index anhand ihrer investierbaren Marktkapitalisierung gewichtet. Dadurch entsteht gegenüber dem MSCI World ein völlig anderer Index. Und der lief in den vergangenen knapp 18 Monaten besser.
Im laufenden Jahr liegt die Rendite des Vanguard-ETF mit 14 Prozent um gut zwei Prozentpunkte vor dem MSCI World. Im vergangenen Jahr lief der ETF mit einer Rendite von knapp 13 Prozent bereits fast fünf Prozentpunkte besser.
Damit zeigt sich ein Trend. Auch anderen Dividenden-ETFs wie dem „VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders ETF“ (NL0011683594) und dem „iShares STOXX Global Select Dividend 100 UCITS ETF“ (DE000A0F5UH1) gelingt es mit anders konzipierten Dividendenstrategien, den MSCI World seit 2025 zu schlagen.
Beim Vanguard-ETF sinkt das US-Gewicht auf unter 40 Prozent und das Gewicht der beiden Tech-Sektoren auf elf Prozent, wobei von den sieben großen Tech-Konzernen keiner im Index vertreten ist. Dafür verdoppelt sich das Gewicht der Finanz- und Energieaktien sowie der Anbieter von Basiskonsumgütern jeweils.
Verwandte Themen
USATech-AktienAppleMicrosoft
Mit der völlig anderen Gewichtung verschieben sich allerdings auch die Risiken. Zu den größten Positionen gehören beispielsweise die Energiekonzerne Exxon Mobil und Chevron. Beide Aktien profitieren in der ersten Jahreshälfte zunächst vom gestiegenen Ölpreis, geraten nach dem Friedensabkommen im Nahen Osten aber unter Druck.
Mehr: Dieses ETF-Portfolio schüttet jeden Monat Geld aus
Mehr Qualität in Ihren Suchergebnissen
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Weitere ETFs mit Fokus auf Diversifikation und Dividenden werden auf den Markt kommen.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie entwickeln sich die 'Glorreichen Sieben' langfristig?
- Werden Schwellenländer in Zukunft stärker gewichtet werden?
- Welche neuen Anlagestrategien werden sich durchsetzen?



