EU-Kommission will Pestizide unbegrenzt zulassen – Kritik von Leopoldina
Quick Look
- Die EU-Kommission schlägt vor, Pestizide unbegrenzt zuzulassen, um Verfahren zu vereinfachen.
- Die Nationale Akademie Leopoldina kritisiert dies scharf und warnt vor Risiken für Mensch und Umwelt, da neue Erkenntnisse über schädliche Abbauprodukte oder Langzeitschäden nicht mehr berücksichtigt würden.
AI-generated summary
Why It Matters
The EU Commission has proposed to allow pesticides to be approved indefinitely, eliminating the need for re-evaluation after ten years. This aims to simplify procedures. The National Academy of Sciences Leopoldina criticizes this, questioning the continued protection of humans and the environment.
Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, Pestizide unbegrenzt zuzulassen. Das Ziel: einfachere Verfahren. Bisher mussten Wirkstoffe nach zehn Jahren neu bewertet werden. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina kritisiert diesen Vorschlag: Es sei fraglich, ob damit Mensch und Umwelt weiterhin so gut geschützt wären wie bisher.
Die Leopoldina berät die Bundesregierung – und diese täte gut daran, auf die Leopoldina zu hören und sich in der EU dafür einzusetzen, dass sich der Vorschlag nicht durchsetzt. Denn wie harmlos oder wie problematisch ein Pflanzenschutzmittel wirklich ist, stellt sich manchmal erst nach Jahren heraus: Menschen sind dann den Stoffen vielleicht stärker ausgesetzt als zum Zeitpunkt der Zulassung vermutet.
Giftige Abbauprodukte entstehen zudem oft erst nach längerer Zeit, sodass man sie in den Untersuchungen vor der Zulassung gar nicht hätte finden können. Oder es liegen neue Erkenntnisse vor: etwa, dass ein Pestizid Bodenorganismen und Tiere schädigt, die gar nicht das Ziel der Bekämpfung sind. Es kann auch sein, dass Abbauprodukte sich im Trinkwasser anreichern oder sich als fruchtbarkeitsschädigend herausstellen – ein Beispiel dafür sind Wirkstoffe, die in der Umwelt Trifluoressigsäure freisetzen.
Solche neuen Befunde müssten künftig nicht mehr berücksichtigt werden, wenn ein Pestizid unbegrenzt zugelassen ist. Problematische Produkte blieben dann länger auf dem Markt als bisher. Das würde Innovationen bremsen und nicht fördern. Denn warum sollte dann ein Hersteller überhaupt ein Interesse daran haben, bessere Mittel zu entwickeln, und Geld dafür ausgeben? Zwar dürfen die nationalen Behörden weiterhin Pflanzenschutzmittel verbieten. Dafür müsste aber jedes EU-Land die Pestizide selbst prüfen und dafür eine Grundlage schaffen. Und das wäre genau das Gegenteil von Bürokratieabbau.
Es gäbe andere Stellschrauben für weniger Bürokratie. So bedeutete es weniger Aufwand, wenn ein Wirkstoff nicht mehrfach geprüft werden müsste, etwa durch Lebensmittelbehörde und Chemikalienagentur. Das ist dann der Fall, wenn ein Stoff sowohl als Pflanzenschutzmittel als auch als Biozid registriert ist. Sinnvoll wäre es überdies, wenn die EU zunächst die Schwachstellen bei der Zulassung beseitigte. Bisher wird nämlich kaum berücksichtigt, wie verschiedene Pflanzenschutzmittel auf einem Feld miteinander wechselwirken.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
The German government will likely oppose the EU Commission's proposal.
Likely · Within weeks
The EU proposal will be debated and potentially amended.
Very likely · Within months
Open Questions
- What are the specific long-term environmental impacts of indefinite pesticide approval?
- How will national authorities manage potential bans if the EU approval is indefinite?
- What is the EU Commission's response to the Leopoldina's concerns?
- Will the proposed changes affect the development of innovative, safer pesticides?



