Flatex-Kunden investieren in KI-Infrastruktur und stocken stabile Werte auf
Quick Look
- Deutsche Flatex-Kunden profitierten im Mai von Börsenaufschwung.
- Sie investierten verstärkt in KI-Infrastruktur, Halbleiter und Speicherchips sowie in stabile Werte wie Versicherungen.
- Aus Automobil-, Telekommunikations- und Luftfahrtaktien zogen sie Geld ab.
AI-generated summary
Why It Matters
Die Aktienmärkte weltweit legten im Mai zu. Flatex-Kunden erzielten positive Renditen mit Einzelaktien und ETFs. Die Analyse der Portfoliodaten zeigt Umschichtungen in zwei Branchen und Abzüge aus drei Sektoren.
Düsseldorf. Im Mai legten die Aktienmärkte weltweit weiter zu. Laut der US-Bank JP Morgan stiegen Wachstumsaktien im Schnitt um sieben Prozent, Substanzwerte um 2,3 Prozent.
Auch die 450.000 deutschen Kunden des Brokers Flatex profitierten vom Aufschwung an den Börsen. Mit Einzelaktien erzielten sie im Mai 4,3 Prozent Rendite, mit ETFs sieben Prozent. Die Portfoliodaten liegen dem Handelsblatt exklusiv vor.
Die Daten zeigen mehr als Rendite: Aus den 100 größten Aktienpositionen lässt sich ableiten, dass Flatex-Kunden vor allem Titel aus zwei Branchen nachgekauft haben. Aus drei Sektoren zogen sie Geld ab. Das Handelsblatt hat die Umschichtungen analysiert.
Derzeit haben Anleger ihr Geld zum größten Teil in Aktien und ETFs investiert. Einzelaktien machen mit 47,3 Prozent (minus 0,5 Prozentpunkte) die größte Position aus. ETFs bringen es auf 41,9 Prozent (plus 0,6 Prozentpunkte).
Das Handelsblatt hat mit den Veränderungen der 100 größten Aktienpositionen und den Aktienkursen der Unternehmen die „Net Flows“ der Aktien berechnet. Das sind die preisbereinigten Nettozuflüsse oder -abflüsse der Unternehmen. Sie zeigen auf, wie Anleger aktiv gehandelt haben.
Den mit Abstand größten Nettozufluss verzeichnet demnach SanDisk. Das US-Technologieunternehmen wurde mit der Produktion von Speicherkarten und USB-Sticks bekannt. Die Aktie des Unternehmens stieg im Mai um 60 Prozent. Die Flatex-Anleger erhöhten ihre Gesamtposition aber um mehr als 150 Prozent, was einen Net Flow von 58 Prozent ergibt.
Auch den zweithöchsten Net Flow verzeichnete ein US-Tech-Unternehmen: Service Now. Auffällig ist, dass das Cloud-Unternehmen schon im April auf dem zweiten Platz der höchsten Net Flows stand. Im Mai betrug der Nettozufluss bei Service Now 21 Prozent. Noch vor zwei Monaten stand die Aktie außerhalb der Top 100 Einzelpositionen der Flatex-Kunden, inzwischen ist sie auf Platz 69.
Für Andreas Hackethal, Finanzprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt, zeigen die Daten: Kunden haben entlang der Wertschöpfungskette rund um Künstliche Intelligenz (KI) umgeschichtet. Anleger kauften Halbleiter-, Speicherchip- und KI-Technologieunternehmen nach. Offensichtlich würden die Flatex-Kunden nicht nur auf KI-Profiteur und Chiphersteller Nvidia setzen, sondern auf „die gesamte Infrastruktur hinter der Künstlichen Intelligenz“.
Dahinter folgen mit dem größten Goldbergbau-Unternehmen Barrick Gold, dem Versicherer Hannover Rück und McDonald’s Unternehmen, deren Aktienkurse im Mai gefallen sind. Hier haben Flatex-Anleger deutlich nachgekauft.
Neben Hannover Rück steht auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re in den Top Ten der höchsten Net Flows im Mai mit plus 8,3 Prozent. Auch hier kauften Anleger bei fallenden Kursen nach: Die Aktie verlor im Mai elf Prozent an Wert.
Der Versicherungskonzern Allianz ist nach der Größe des investierten Vermögens bei Flatex nach Nvidia die zweitwichtigste Einzelaktie. Allerdings hat die Allianz nicht von den Zuflüssen in die Versicherungsbranche profitiert: Mit minus 5,1 Prozent Net Flow zählt die Allianz zu den 15 niedrigsten der 100 Aktien.
Tobias Spreiter, Head of Business Development bei der Flatexdegiro Bank, sagt: „Viele Anleger nutzten die Kursrückgänge, um ihre Positionen in stabilen und etablierten Geschäftsmodellen weiter aufzustocken.“
Die Hälfte der analysierten Einzelaktien verbuchte im Mai einen negativen Net Flow. Am meisten Geld wurde demnach aus dem Tech-Unternehmen D-Wave Quantum abgezogen. Dessen Aktienkurs stieg im Mai um 50 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Anleger Gewinne mitgenommen haben. Dahinter folgt eine Reihe deutscher Unternehmen: Freenet, Porsche, Lufthansa, Hensoldt, DHL, BASF, Thyssenkrupp und Aixtron zählen zu den größten Verkaufstiteln im Mai.
Auch die Aktien von sechs der acht deutschen Unternehmen in dieser Liste stiegen im Mai, von 6,8 Prozent (DHL) bis 21,7 Prozent (Aixtron). Die Liste der zehn negativsten Net Flows schließt der US-amerikanische Halbleiterkonzern AMD.
Zum Vergleich: Wie die Flatex-Kunden im April und März gehandelt haben, hat das Handelsblatt ebenfalls untersucht.
Die 100 Einzelaktien hat das Handelsblatt zudem in 20 Branchen aufgeteilt. Alle Branchen mit mindestens drei Aktien sind in der folgenden Grafik aufgereiht, sortiert nach dem durchschnittlichen Net Flow der Aktien. Dabei zeigt sich: Am stärksten wurden Versicherungsaktien und Tech-Unternehmen nachgekauft.
Die größten Verluste verzeichneten die Automobilindustrie, Telekommunikation und Luftfahrt. Von den acht Automobilkonzernen sind sechs aus Deutschland, zudem zählen der US-Konzern Tesla und das chinesische Unternehmen BYD zu den größten Aktienpositionen. Nur BYD weist einen positiven Net Flow auf.
Die analysierten Telekommunikationsunternehmen verzeichnen alle Nettoabflüsse. Und auch die Luftfahrtkonzerne Lufthansa und Airbus sowie der Triebwerksproduzent MTU aus München wurden von den Flatex-Kunden überwiegend verkauft.
Um die Daten hinter der Analyse nutzbar zu machen, finden Sie eine durchsuchbare Tabelle, die die 100 größten Aktienpositionen aus den Flatex-Depos auflistet.
Die Tabelle lässt sich durchsuchen und sortieren nach der Größe des investierten Gesamtvermögens, der Veränderung des Gesamtvermögens, der Veränderung des Aktienkurses und dem Net Flow. So lässt sich ablesen, wie die größten Einzelpositionen in den Depots abgeschnitten haben (sortiert nach investiertem Vermögen), welche der 100 Aktien die höchsten Aktienkurse oder Net Flows aufweisen.
Die Tabelle zeigt auch, welche Aktienkurse im Mai am stärksten unter Druck standen: Mit Nordex, Siemens Energy, BP, RWE und Shell finden sich hier einige Energiekonzerne. Und auch die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall verlor im Mai 6,2 Prozent an Wert. Die Flatex-Kunden stockten ihre Rheinmetall-Positionen aber im Schnitt um 2,9 Prozent auf. Der Rüstungskonzern ist die sechstgrößte Position im Datensatz.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Anleger werden weiterhin in KI-Infrastruktur und defensive Werte investieren.
Likely · Medium term
Verkäufe aus Automobil-, Telekommunikations- und Luftfahrtaktien werden anhalten.
Likely · Medium term
Open Questions
- Wie entwickeln sich die Net Flows in den kommenden Monaten?
- Welche spezifischen KI-Unternehmen werden weiter nachgefragt?






