Griechenland beschleunigt Schuldenabbau
Quick Look
- Griechenland tilgt vorzeitig Hilfskredite aus der Staatsschuldenkrise, um Zinskosten zu senken und die Bonität zu stärken.
- Geplant ist die Rückzahlung von 6,95 Mrd.
- Euro, was die Schuldenquote um 2,5 Prozentpunkte reduziert.
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Why It Matters
Griechenland zahlt Hilfskredite aus der Staatsschuldenkrise vorzeitig zurück, um Zinskosten zu senken, die Schuldenquote zu reduzieren und die Bonität zu stärken. Dies soll eine neue Schuldenkrise ab Mitte der 2030er-Jahre verhindern.
Athen. Griechenland beschleunigt den Abbau seiner Schulden. Das Land zahlt jetzt, wie schon in den Vorjahren, Hilfskredite aus der Zeit der Staatsschuldenkrise vor der Fälligkeit zurück. Mit dieser Strategie verfolgt Finanzminister Kyriakos Pierrakakis mehrere Ziele: Er will die Zinskosten senken, die Schuldenquote reduzieren und damit die Bonität Griechenlands an den Kapitalmärkten stärken.
Vor allem aber soll die Fälligkeitsstruktur der Verbindlichkeiten in der Mitte der 2030er-Jahre geglättet werden. Denn dann werden die Belastungen aus dem Schuldendienst sprunghaft ansteigen. Im ungünstigsten Fall könnte dem Land eine neue Schuldenkrise drohen.
An diesem Montag will Griechenland Kredite im Umfang von 6,95 Milliarden Euro vorzeitig ablösen. Dabei handelt es sich um Darlehen aus dem ersten Rettungspaket, das die Euro-Partner im Mai 2010 zu Beginn der Griechenlandkrise schnürten, um das Land vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Die sogenannte Greek Loan Facility (GLF) war ursprünglich auf bilaterale Kredite der Euro-Staaten im Volumen von 110 Milliarden Euro ausgelegt. Tatsächlich ausgezahlt wurden jedoch lediglich 52,9 Milliarden Euro.
Die Darlehen werden regulär bis 2041 zur Rückzahlung fällig. Seit 2022 hat Griechenland allerdings bereits 26,5 Milliarden Euro durch Sondertilgungen zurückgezahlt. Bei den nun vorzeitig beglichenen Beträgen handelt es sich um Kreditraten, die regulär in den Jahren 2029 sowie 2033 bis 2035 fällig geworden wären. Finanziert wird die Sondertilgung aus Rücklagen und Haushaltsüberschüssen. Finanzminister Pierrakakis hat angekündigt, die verbleibende Restschuld von 19,4 Milliarden Euro bis 2031 und damit zehn Jahre vor der Endfälligkeit zurückzuzahlen.
Deutschland profitiert als größter GLF-Gläubiger am stärksten von den vorzeitigen Tilgungen. Im Rahmen des ersten Rettungspakets stellte 2010 die damalige Bundesregierung über die staatliche KfW-Bankengruppe 15,2 Milliarden Euro für Griechenland bereit. Von der Rückzahlung am Montag fließen rund zwei Milliarden Euro an die KfW zurück. Die Zinszahlungen Griechenlands auf den deutschen Anteil der GLF-Kredite summieren sich bislang auf knapp 1,5 Milliarden Euro.
Nach Angaben von Pierrakakis spart Griechenland durch die bisherigen Sondertilgungen Zinskosten von insgesamt 795 Millionen Euro, die über die gesamte Laufzeit der Kredite angefallen wären. Allein die für Montag geplante Rückzahlung senkt die Zinslast um rund 100 Millionen Euro und reduziert die Schuldenquote um 2,5 Prozentpunkte.
In ihrer mittelfristigen Finanzplanung geht die Regierung davon aus, dass die Schuldenquote von 146,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vergangenen Jahr auf 136,8 Prozent Ende 2026 sinkt. Damit wäre dann nicht mehr Griechenland, sondern Italien mit einer prognostizierten Quote von 138,6 Prozent das höchstverschuldete Land der Europäischen Union. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Schuldenquote auf etwa 115 Prozent zurückgehen. Griechenland könnte damit auch Frankreich und Belgien hinter sich lassen.
Mit dem Schuldenabbau hofft der Finanzminister zugleich, die Kreditwürdigkeit seines Landes weiter zu verbessern. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, dass die Sondertilgung bereits im Juni erfolgt und nicht wie in den Vorjahren erst im Dezember.
Denn im Herbst aktualisieren die fünf großen Ratingagenturen ihre Bewertungen für Griechenland. Zwischen Herbst 2023 und Frühjahr 2025 hatten alle großen Agenturen das einstige Krisenland schrittweise wieder in die Gruppe der investitionswürdigen Schuldner aufgenommen.
Ein gutes Rating ist für Griechenland von großer Bedeutung. Denn in den kommenden Jahren muss das Land auslaufende zinsgünstige Hilfskredite durch Anleihen ersetzen, die zu Marktbedingungen aufgenommen werden.
Kritisch könnte die Entwicklung ab 2032 werden. Das Jahr gilt als Wendepunkt für die griechischen Staatsfinanzen, weil dann wichtige Entlastungsmaßnahmen der öffentlichen Gläubiger auslaufen. Im Jahr 2018 beschloss die Euro-Gruppe mittelfristige Schuldenerleichterungen für Athen: Zinszahlungen und Tilgungen für Kredite aus dem zweiten Rettungspaket im Umfang von rund 96 Milliarden Euro wurden bis Ende 2032 gestundet.
Dieser Aufschub endet am 1. Januar 2033. Dann droht Griechenland ein sprunghafter Anstieg der Zinslast. Denn die gestundeten Zinsen wurden nicht erlassen, sondern dem Schuldenstand zugeschlagen. Nach Angaben von Pierrakakis beläuft sich dieser Betrag auf „etwa 25 bis 30 Milliarden Euro; den genauen Betrag werden wir wissen, wenn es so weit ist“.
Damit steigt der Finanzierungsbedarf für den Schuldendienst ab 2033 stark an. Nach Berechnungen der staatlichen Schuldenagentur PDMA erhöhen sich die Fälligkeiten von rund neun Milliarden Euro im Jahr 2032 auf etwa 17 Milliarden im Jahr darauf. In den Jahren bis 2038 werden jeweils zwischen elf und 15 Milliarden Euro fällig. Insgesamt summieren sich die Fälligkeiten zwischen 2033 und 2038 auf rund 77 Milliarden Euro. Das bedeutet: Innerhalb von nur sechs Jahren müsste Griechenland mehr als ein Fünftel seiner heutigen Staatsschulden refinanzieren.
Pierrakakis will deshalb in den kommenden Jahren vor allem GLF-Kreditraten mit Fälligkeiten zwischen 2033 und 2038 vorzeitig zurückzahlen, um das Tilgungsprofil dieser Jahre zu glätten. Im Athener Finanzministerium werden zudem Sondertilgungen von Krediten aus dem zweiten Rettungspaket geprüft. Dieser Schritt gilt allerdings als komplex, da er umfangreiche Abstimmungen mit Griechenlands größtem Gläubiger erfordert, dem Euro-Stabilitätsmechanismus (ESM).
Allerdings haben Griechenlands öffentliche Gläubiger ein Sicherheitsnetz aufgespannt, das einen Rückfall in eine neue Schuldenkrise verhindern soll. Zum Abschluss der Rettungsprogramme stellte die Euro-Gruppe dem Land im Juni 2018 in Aussicht, notfalls weitere Erleichterungen zu prüfen. Die Europäische Kommission soll 2032 eine umfassende Tragfähigkeitsanalyse der griechischen Staatsverschuldung vorlegen. Sollte diese zeigen, dass Griechenlands Bruttofinanzierungsbedarf kritische Schwellenwerte überschreitet, könnte die Euro-Gruppe zusätzliche Schuldenerleichterungen beschließen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Griechenland tilgt die Restschuld von 19,4 Mrd. Euro bis 2031.
Very likely · Within years
Schuldenquote sinkt auf 115% bis Ende des Jahrzehnts.
Likely · Within years
Open Questions
- Wie hoch sind die genauen Zinszahlungen ab 2033?
- Welche weiteren Schuldenerleichterungen sind ab 2032 möglich?


