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Großbritannien: Hohe Strompreise trotz eigener Gasvorkommen
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n-tv Wirtschaft4/12/2026Energy8 min readGermany

Großbritannien: Hohe Strompreise trotz eigener Gasvorkommen

Experten erklären, warum Großbritannien trotz eigener Ressourcen und des Ausbaus erneuerbarer Energien unter den höchsten Strompreisen Europas leidet.

Quick Look

  • Trotz eigener Gasvorkommen und des Ausbaus erneuerbarer Energien leidet Großbritannien unter den höchsten Strompreisen Europas.
  • Experten sehen Fehler in der Energiewende und die Abhängigkeit vom Gaspreis als Hauptursachen.

AI-generated summary

Why It Matters

Großbritannien leidet unter extrem hohen Strompreisen, die zu den höchsten in Europa zählen. Dies ist eine Folge früherer politischer Entscheidungen, die den Ausbau von Wind- und Solarenergie bremsten, sowie der aktuellen globalen Energiekrise, die durch Kriege in der Ukraine und im Iran verschärft wird.

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Vor 25 Jahren hatte Großbritannien die niedrigsten Strompreise der EU. Inzwischen kostet Strom so viel wie in Deutschland, bei den Industriestrompreisen ist Großbritannien sogar europäischer Spitzenreiter. Die Strompreise sind nie gefallen, sondern kontinuierlich gestiegen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer ist, dass in Großbritannien der Gaspreis fast immer den Strompreis diktiert, was durch die Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke noch verstärkt wird.

Es gibt keine Alternative zu Gaskraftwerken, falls der Gaspreis nach oben schießt. Auf der Stromrechnung machen die Strombeziehungskosten ungefähr die Hälfte des Preises aus. Der Netzausbau ist wie in Deutschland der andere große Bestandteil. Der Stromverbrauch wird sich in den nächsten Jahrzehnten durch die Elektrifizierung mindestens verdoppeln, vielleicht sogar vervierfachen. Die Investitionskosten sieht man auf der Stromrechnung – genauso wie eine alte Förderung von Erneuerbaren, eine frühe Einspeisevergütung und auch eine frühe Förderung von Offshore-Windkraft. Großbritannien erhebt viele Umlagen und Abgaben, zum Beispiel auch für den Einbau von Smartmetern und für den Kapazitätsmarkt. Die britische Regierung erhebt außerdem eine Abgabe für ein neues Atomkraftwerk, das gebaut werden soll, für das aber kein privater Geldgeber gefunden wurde.

Diese Ausgaben summieren sich. Es wird diskutiert, einige Komponenten von der Stromrechnung zu entkoppeln. Das wäre die einfachste Möglichkeit, die Strompreise zu reduzieren. Die Frage ist: Wer zahlt stattdessen? Der öffentliche Haushalt ist angespannt. Niemand will die Lücke um mehrere Milliarden Pfund vergrößern.

Ein großer Fehler bei der Energiewende war, dass man den Ausbau von Windkraft an Land vor 10, 15 Jahren praktisch abgedreht hat. Die Regelung war drastisch, de facto konnten keine Onshore-Windparks gebaut werden. Das bayerische Modell war ähnlich, es musste nur eine Person Widerspruch erheben und das Projekt wurde gekippt. Deshalb sieht man Windräder an Land fast nie. Das wird beim Netzanschluss zum Problem: Ein Windrad in der Nähe einer Ortschaft kann man schneller und günstiger anschließen als einen Windpark in der Nordsee. Im Offshore-Bereich muss man viel Geld in neue Stromleitungen investieren. Mehr Windkraft an Land würde die Kosten für den Netzausbau reduzieren.

Großbritannien hat auch den Solarausbau verschlafen. Hier haben erst fünf Prozent der Häuser eine Solaranlage auf dem Dach. Die damalige Tory-Regierung von Premierminister David Cameron wollte die Einspeisevergütung für neue Solaranlagen nicht mehr bezahlen. Vor gut zehn Jahren gab es außerdem die Idee, alle Neubauten mit einer Solaranlage auszustatten. Diese Regel wurde ebenfalls gekippt. Jetzt gibt es riesigen Aufholbedarf. Der britische Markt boomt nach den guten Erfahrungen in Deutschland und anderen Ländern.

Die Debatte um die Dunkelflaute wird geführt, aber längst nicht so hitzig wie in Deutschland, denn in diesem Punkt hilft die Nordsee: Die Stromerzeugung der Offshore-Windparks korreliert mit dem Wärmeverbrauch. Wenn es kalt ist und die Leute heizen wollen, herrscht besonders guter Wind. Auch in Großbritannien sollen deshalb viele Wärmepumpen installiert werden.

Im Wärmebereich hinkt Großbritannien Deutschland hinterher. Als Jan Rosenow 2006 nach Großbritannien zog, war er schockiert. Die meisten Gebäude bestanden aus Backsteinen, Einfachverglasung und sonst nichts. Daran hat sich nicht viel geändert. Sie sind nicht isoliert. Das Problem ist, dass 85 Prozent aller Gebäude außerdem eine Gasheizung haben, weil Gas früher so günstig war. Der Wärmepumpen-Ausbau geht langsam voran. Das ist eine Preisdiskussion, die von allen Mythen begleitet wird, die rund um die Wärmepumpe existieren. Der Markt wächst trotz der polarisierenden Debatte. Das Marktvolumen hat sich in den vergangenen Jahren vervierfacht.

Elektromobilität ist ein einfacheres Thema. Der Anteil der E-Autos ist höher als in Deutschland. Die Ladeinfrastruktur ist gut ausgebaut. Das Komitee, das die Regierung bei der Umsetzung der Klimaziele berät, sagt: Elektromobilität ist ein Bereich, bei dem wir auf Kurs sind. Man sieht E-Autos von Mercedes, BMW und VW, aber auch viele Tesla. Die Elon-Musk-Diskussion hatte keinen so großen Einfluss auf die Verkaufszahlen wie in Deutschland. BYD drängt ebenfalls in den Markt. Sie bieten inzwischen gemeinsam mit dem Energieversorger Octopus Energy einen Deal an: Für weniger als 300 Pfund im Monat bekommt man E-Auto und zu Hause eine Ladesäule, die man ohne Aufschlag nutzen kann. Im Gegenzug darf Octopus das E-Auto nutzen und Strom ins Netz einspeisen, um das Netz zu stabilisieren. Das Auto wird geladen, wenn Strom günstig ist. Wenn der Bedarf und somit der Strompreis steigen, wird er eingespeist und man verdient Geld. Das nimmt zu. 70 Prozent der britischen Haushalte verfügen bereits über ein Smart Meter. Ungefähr ein Drittel aller E-Auto-Besitzerinnen und -Besitzer nutzt bereits flexible Tarife. Die britische Bevölkerung ist experimentierfreudiger als die deutsche.

Elektroautos sind die Einstiegsdroge für die Dekarbonisierung im Haushalt. Die Leute probieren sie und merken, dass es funktioniert. Dann kommt die Solaranlage, dann Batteriespeicher und Wärmepumpe. Plötzlich ist das ganze Haus elektrifiziert. Die aktuelle Labour-Regierung verspricht, dass ein typischer Einfamilien-Haushalt in vier Jahren 300 Pfund weniger zahlt als heute. Das sind 350 Euro. In 20 Jahren sind die Energiepreise sicherlich niedriger als heute. Kurzfristig müssen unglaubliche Investitionen gestemmt werden, die man derzeit über die Stromrechnung finanziert. Ich kann nicht erkennen, wie man das ändern will. Die Labour-Regierung hat zum 1. April bereits einen Teil der Umlagen von der Stromrechnung entfernt. Das sollte die jährlichen Stromkosten um ungefähr 150 Euro senken. Was ist passiert? Die globalen Gaskosten sind massiv nach oben gegangen …

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Der Druck auf die britische Regierung, neue Lizenzen für die Gasförderung in der Nordsee zu erteilen, wird weiter zunehmen.

    Likely · Within weeks

  • Die Investitionen in erneuerbare Energien, insbesondere Solar und Offshore-Wind, werden in Großbritannien weiter boomen.

    Very likely · Within months

  • Die britische Bevölkerung wird weiterhin experimentierfreudig bei der Einführung neuer Technologien wie Smart Meter, E-Autos und Wärmepumpen sein.

    Likely · Within years

Open Questions

  • Wie genau werden die Kosten für den Netzausbau in Zukunft finanziert, wenn nicht über die Stromrechnung?
  • Welche konkreten Maßnahmen plant die Labour-Regierung, um die Strompreise kurzfristig zu senken?
  • Wie wird die britische Regierung auf den wachsenden Druck reagieren, neue Lizenzen für die Gasförderung in der Nordsee zu erteilen?
  • Welchen Einfluss wird die zunehmende Nutzung von E-Autos als 'Einstiegsdroge' für die Dekarbonisierung von Haushalten auf den Strombedarf haben?

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This article was originally published by n-tv Wirtschaft.

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