GSG 9: Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung nach Schießunfall
Nach dem tödlichen Schießunfall bei einem Training der GSG 9 auf dem Truppenübungsplatz Putlos in Schleswig-Holstein verdichten sich die Hinweise auf ein tragisches Versehen beim Umgang mit Munition. Gegen einen Beamten wird nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.
Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen soll ein Angehöriger der Spezialeinheit beim Laden einer für die Übung vorgesehenen Waffe Übungsmunition mit scharfer Munition vertauscht haben. Während der anschließenden Übung, die eigentlich mit Übungsmunition stattfinden sollte, wurde dann ein Schuss mit scharfer Munition abgegeben.
Der Vorfall ereignete sich am Abend des 11. Mai auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr bei Oldenburg in Holstein. Ein Polizist wurde von dem Schuss getroffen und erlitt tödliche Verletzungen. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen starb der Mann noch am Unfallort. Schon kurz nach dem Geschehen hatten erste Ermittlungsansätze auf ein Unfallgeschehen hingedeutet, nun haben sich diese Hinweise nach Darstellung der Ermittler weiter konkretisiert. Das Verfahren gegen den Beamten, der den tödlichen Schuss abgab, ist nach Angaben der Behörden allerdings noch nicht abgeschlossen.
Bekämpfung von Terrorismus
Der Fall trifft eine der bekanntesten deutschen Spezialeinheiten. Die GSG 9 ist auf die Bekämpfung von Terrorismus und schwersten Gewalttaten spezialisiert und trainiert regelmäßig in besonders realitätsnahen Lagen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte bereits kurz nach dem Vorfall von einem „sehr tragischen Unfall“ gesprochen und sich tief erschüttert gezeigt. Gerade weil für Spezialkräfte der sichere Umgang mit Waffen und Munition zum Kern ihres Berufs gehört, dürfte der Vorfall innerhalb der Bundespolizei besondere Betroffenheit ausgelöst haben.
Offen ist damit vor allem, wie es zu der mutmaßlichen Verwechslung kommen konnte und warum sie vor Beginn der Übung nicht bemerkt wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft haben dazu bislang keine weitergehenden Einzelheiten veröffentlicht. Auch nähere Angaben zu den beteiligten Beamten machten die Ermittler zunächst nicht.
Der Truppenübungsplatz Putlos unweit der Insel Fehmarn gilt als besonders vielseitiges Trainingsgelände. Nach Angaben der Bundeswehr ist das Areal flach bis leicht hügelig, verfügt über nur geringen Baumbestand und umfasst außerdem Strandabschnitte und Steilküsten. Dort können Einsatzkräfte komplexe Lagen und unterschiedliche Schießszenarien trainieren.