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BackHertha BSC: Der überraschende Höhenflug der „Alten Dame“
Hertha BSC: Der überraschende Höhenflug der „Alten Dame“
Sports
Die Welt1 hour agoSports3 min readGermanyView translation

Hertha BSC: Der überraschende Höhenflug der „Alten Dame“

Nach massiven Millionen-Abgängen und einem radikalen Sparkurs führt Hertha BSC überraschend die Tabelle der Zweiten Liga an. Ein fußballerisches Wunder an der Spree.

Quick Look

  • Trotz Verkäufen im Wert von 29,5 Millionen Euro und einem extrem ausgedünnten Kader führt Hertha BSC nach vier Siegen zum Start überraschend die Tabelle der Zweiten Liga an.
  • Trainer Stefan Leitl setzt auf Eigenverantwortung und Talente.

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Why It Matters

Hertha BSC musste im Sommer Abgänge im Wert von 29,5 Millionen Euro hinnehmen und setzt seither auf einen stark verkleinerten Kader mit Spielern aus der eigenen Akademie.

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Es gab nicht wenige Experten, die die „Alte Dame“ aus der Hauptstadt auf dem unwiderruflichen Weg ins Altersheim wähnten. Zu groß war der Aderlass, als dass man Hertha BSC auch nur ansatzweise eine sorgenfreie Zukunft zutraute. Die besten Spieler hatten im Sommer das Weite gesucht, zurückgeblieben waren einige Talente und Spieler aus der zweiten Reihe.

Insofern darf man es schon als kleines Fußballwunder bezeichnen, was sich bislang in Berlin abgespielt hat. Vor dem fünften Spieltag führt der Klub mit zwölf Punkten nicht nur die Tabelle in der Zweiten Liga an, er ist auch im Pokal – wo es oft schon ein blamables Aus in der ersten Runde zu beklagen gab – weitergekommen.

Die sportliche Bilanz ist bis dato makellos und schon jetzt einen Eintrag in die Geschichtsbücher wert: In 59 Jahren Profifußball hat Hertha noch nie die ersten vier Ligapartien gewonnen, erstmals seit dem Mai 2013 führt der Verein wieder die Tabelle im Unterhaus des deutschen Fußballs an. Seinerzeit gelang der Aufstieg unter Trainer Jos Luhukay – und nicht wenige im leidgeprüften Berliner Fanlager hoffen nach dem Sensationsstart auf eine ähnliche Erfolgsgeschichte im kommenden Jahr.

Abgänge im Wert von 29,5 Millionen Euro

Beeindruckend ist daran vor allem der Umstand, dass niemand sonst in der Zweiten Liga einen derartigen Werteverlust im Kader hat hinnehmen müssen wie die „Alte Dame“. Alle Stars verließen den Klub während der jüngsten Transferphase. Das Megatalent Kennet Eichhorn ging für neun Millionen Euro zu Bayer Leverkusen; Kapitän Fabian Reese schloss sich für eine Ablöse von acht Millionen Euro dem VfL Wolfsburg an; Torwart Tjark Ernst erlag den Verlockungen Feyenoord Rotterdams (fünf Millionen) und Rechtsaußen Marten Winkler denen Anderlechts (vier Millionen). Zudem mussten die chronisch klammen Berliner Spielmacher Michaël Cuisance gegen eine Entschädigung von 3,5 Millionen Euro nach Lens ziehen lassen.

Mit den Abgängen nahm Hertha zwar 29,5 Millionen Euro ein, büßte aber jede Menge sportliche Substanz ein und musste den Verlust von 56 Scorerpunkten aus der vergangenen Saison verkraften. Normalerweise ist das kaum zu kompensieren. Wie finanziell angeschlagen sie noch immer sind, dokumentierten die Berliner im Verkaufsrausch unfreiwillig bei den Ausgaben: Nur der aus Augsburg verpflichtete Linksverteidiger Mads Pedersen kostete den Klub eine Ablöse – 150.000 Euro. In der gesamten Zweiten Liga gab lediglich Aufsteiger Energie Cottbus weniger für neues Personal aus als die Berliner.

Statt große Summen in den Kader zu investieren, implementierte die Vereinsführung um Geschäftsführer Peter Görlich und Trainer Stefan Leitl eine neue Philosophie: keine großen Namen mehr, dafür ein hohes Maß an Eigenverantwortung für die im kleinen Kader verbliebenen Profis und Geschlossenheit innerhalb der kickenden Truppe.

„Die Mannschaft hat einen klaren Plan und viel Mut“, erklärte Görlich im „Kicker“: „Wir haben durch den schlankeren Kader die Eigenverantwortung für jeden Spieler erhöht, das schafft psychologische Sicherheit. Jeder merkt, dass er gebraucht wird – und spürt trotzdem, dass er nichts weglassen darf, weil sonst ein anderer reinkommt. Unser Teamgefüge hat sich neu sortiert. Spieler haben einen Raum gefunden, den sie vorher nicht hatten.“

Eine Akademie, die in Deutschland ihresgleichen sucht

Drastischer formuliert könnte man auch behaupten, dass vorherige Mitläufer nun in die Rolle der Protagonisten auf dem Platz geschlüpft sind: Kevin Sessa etwa spielt in seinem dritten Jahr bei der Hertha richtig stark auf. Gleiches gilt für Paul Seguin oder Sebastian Grönning, die beide 2025 zum aktuellen Tabellenführer stießen.

Hinzu kommen Talente aus der Akademie, die in Deutschland ihresgleichen sucht und verlässlich Spieler wie Eichhorn oder Ibrahim Maza hervorbringt. Maza wechselte ein Jahr vor Eichhorn nach Leverkusen – Ablöse: zwölf Millionen Euro. Neuster Vertreter aus der Reihe der Hochbegabten ist Soufian Gouram. Der 20-Jährige hat die verwaiste Spielmacherrolle von Cuisance übernommen und stand in allen fünf Pflichtspielen der Saison in der Startelf.

Nirgendwo sonst ist die Durchlässigkeit aus der Talentschmiede in den Männerfußball so hoch wie bei den Berlinern. Abwehrchef Linus Gechter (22) und Rechtsverteidiger Julian Eitschberger (22) haben ihr Handwerk in den U-Teams der Berliner ebenso gelernt wie vor ihnen schon Torwart Marius Gersbeck (31).

Man habe im Hinblick auf die Spielphilosophie eine neue Art implementiert, sagte Trainer Leitl. „Wir haben einen kleineren Kader. Jeder weiß um die Wichtigkeit, dass er gebraucht wird. Ich finde, dass die Jungs bisher einen fantastischen Job machen. Wir spielen intensiv, treten dazu auch fußballerisch gut auf. Wir sind mutig, wir sind dominant. Da gilt es jetzt, immer wieder ein paar Prozent draufzupacken, um gut durch die Saison zu kommen. Die Jungs haben maximales Vertrauen von mir.“

Es wird interessant zu sein, wo dieser Weg endet und wie die Mannschaft Widerständen im weiteren Saisonverlauf trotzen wird. Sonntag (13.30 Uhr, Sky und im WELT-Liveticker) muss sie beim Aufsteiger VfL Osnabrück bestehen – erneut mit einer gewissen Portion Demut im Gepäck, die das Big-City-Klub-Getöse vom krachend gescheiterten Investor Lars Windhorst längst abgelöst hat. Realismus statt Größenwahn. Hertha ist inzwischen zwar arm, aber ambitioniert und gut.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück

    Very likely · Within days

Open Questions

  • Wie lange hält der sportliche Höhenflug der Hertha an?
  • Kann der Verein den Kader langfristig wettbewerbsfähig halten?

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This article was originally published by Die Welt.

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