Ifo-Institut warnt vor steigender Inflation durch Nahostkonflikt
Energiepreise treiben Teuerungsrate im Euroraum auf 3,3 Prozent; EZB erwägt Zinserhöhung im September
Quick Look
- Das Ifo-Institut prognostiziert steigende Lebenshaltungskosten durch den Nahostkonflikt.
- Während die Inflation im Euroraum auf 3,3 Prozent kletterte, deuten Experten auf eine mögliche Zinserhöhung der EZB im September hin, um dem Preisdruck entgegenzuwirken.
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Why It Matters
Der Nahostkonflikt führt zu steigenden Energiepreisen, die sich verzögert auf die Verbraucherpreise auswirken. Die EZB reagiert mit geldpolitischen Maßnahmen auf die Inflationsdaten.
Die Forscher des Münchner Ifo-Instituts rechnen mit stärker steigenden Preisen durch den Irankrieg. So dürften die Lebenshaltungskosten 2027 mit 3,0 Prozent höher ausfallen als 2026 mit 2,8 Prozent, wie die Forscher voraussagten.
»Je länger der Krieg im Nahen Osten anhält und die Energiepreise hoch bleiben, desto stärker dürften mittelfristig auch die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel, Dienstleistungen und Waren steigen«, sagte Ifo-Forscherin Tiphaine Wibault. Grund dafür sei, dass die Unternehmen gestiegene Kosten mit Verzögerung weitergeben dürften.
Die Inflation in Deutschland ist im August wegen teurer Energie bereits wieder stärker gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten laut Statistischem Bundesamt 2,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Noch kräftiger zogen die Verbraucherpreise zuletzt Ende 2023 an. Im Juli war die Teuerungsrate auf 2,8 Prozent geklettert, von 2,3 Prozent im Juni. Größter Preistreiber blieb Energie, die durch den wiederaufgeflammten Nahostkrieg deutlich mehr kostete. Auch Sondereffekte wie das Niedrigwasser am Rhein belasteten viele Verbraucher – etwa in Nordrhein-Westfalen.
Inflation im Euroraum bei 3,3 Prozent
Im Euroraum hat die Teuerung bereits noch stärker angezogen. Die Verbraucherpreise stiegen hier im August um 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli, wie das EU-Statistikamt auf Basis vorläufiger Daten mitteilte.
Insbesondere Energie erwies sich vor dem Hintergrund des Irankriegs erneut als Preistreiber: Sie verteuerte sich im August um 14,3 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Europäische Zentralbank peilt bei der Gesamtinflation einen Wert von 2,0 Prozent.
Trotz dieser Lage könnte es hierzulande zumindest vorübergehend eine leichte Entspannung geben. Im August planten laut den Ifo-Forschern etwas weniger Firmen, ihre Preise zu erhöhen. Das entsprechende Barometer für die Preiserwartungen sank auf 21,2 Punkte, nach 21,6 Zählern im Juli. »Dies deutet auf einen leicht nachlassenden Preisdruck über die nächsten drei Monate hin.«
Die Rohölpreise und vor allem die Marktpreise für Erdgas und Strom sind seit Anfang August allerdings wieder deutlich gestiegen. Zuletzt mehrten sich zudem die Signale, dass sich die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) mit einer Zinserhöhung gegen den Preisauftrieb stemmen könnten.
Im gesamten Euroraum seien die Aufwärtsrisiken für die Inflation zuletzt wieder gestiegen, sagte etwa der österreichische Notenbankchef Martin Kocher: »Sollte sich dieses Bild in der nächsten EZB-Prognose bestätigen, halte ich eine weitere Zinserhöhung in naher Zukunft für notwendig.«
Höhere Zinsen im September erwartet
Laut Kochers finnischem Kollegen Olli Rehn muss sich die EZB auf einen langwierigen Konflikt im Nahen Osten einstellen, der die Teuerung im Euroraum hochhalten könnte. »Angesichts dieses Inflationsdrucks dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen«, sagte das EZB-Ratsmitglied der »Financial Times«.
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, rechnet bereits damit, dass die EZB ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte anheben wird. »Eine Inflationsrate von über drei Prozent dürften die Währungshüter als Auftrag verstehen«, sagte er. Es sei allerdings auch »zu befürchten, dass die höheren Energiepreise auch zu einem Preisanstieg bei anderen Gütern führen wird«.
Der Ölpreisschock könnte das Preisgefüge nachhaltig durcheinanderwirbeln. Durch die hochgetriebenen Energiekosten besteht für Konsumenten und Firmen zudem die Gefahr, dass es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt und sich die starke Teuerung so festsetzt.
Der nächste Zinsentscheid steht auf einer auswärtigen Sitzung am 10. September in Berlin an. An den Finanzmärkten wird mit einer Erhöhung des zum Steuern der Geldpolitik maßgeblichen Einlagesatzes um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent gerechnet. Die EZB hatte zuletzt eine Zinspause eingelegt, nachdem sie im Juni mit der ersten Erhöhung seit drei Jahren bereits im Kampf gegen die steigende Inflation Flagge gezeigt hatte.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
EZB-Zinserhöhung um 25 Basispunkte am 10. September
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wie hoch wird die Zinsanhebung am 10. September tatsächlich ausfallen?
- Wie lange halten die Energiepreissteigerungen an?






