Iran und USA: Kein "Friedensabkommen" am Sonntag
Quick Look
- Der Iran und die USA haben entgegen den Erwartungen kein "Friedensabkommen" unterzeichnet.
- Streitpunkte sind der Waffenstillstand im Libanon, die Öffnung der Straße von Hormus und die Freigabe iranischer Vermögenswerte.
- Die Verhandlungen werden fortgesetzt.
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Why It Matters
Der Iran und die USA verhandelten über ein "Friedensabkommen", das die Hoffnungen auf eine Deeskalation im Nahen Osten schürte. Streitpunkte wie der Waffenstillstand im Libanon und das iranische Atomprogramm blieben jedoch ungelöst.
Der Iran und die USA wollten am Sonntag ein „Friedensabkommen“ unterzeichnen. Trotz Fortschritten gibt es noch Streit über wichtige Details. Inga Rogg 14.06.2026 - 17:16 Uhr Artikel anhören
„Für immer in iranischer Hand“, steht auf dem Plakat an einem Haus in Teheran: Der Iran besteht auf der Kontrolle der Straße von Hormus. Foto: AFP
Istanbul. Der Iran und die USA haben sich am Sonntag entgegen den hohen Erwartungen nicht auf ein „Friedensabkommen“ verständigt. Die Hoffnungen auf ein Abkommen hatten vor allem US-Präsident Donald Trump und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif geschürt.
So erklärte Trump am Samstag in einem Post auf seiner Plattform Truth Social, dass die USA und der Iran am Sonntag ein Abkommen unterzeichnen würden, das besser als das Atomabkommen von 2015 sei.
Auch Sharif, der als Vermittler in den Verhandlungen fungiert, erklärte auf der Plattform X: „Wir sind einem Friedensabkommen näher als je zuvor.“ In den nächsten 24 Stunden sei mit dem Abschluss der Verhandlungen zu rechnen, schrieb er. Pakistan bereite sich auf die elektronische Unterzeichnung vor.
Dass beide Seiten kurz vor einer Einigung stehen, bestätigte auch der iranische Außenminister Abbas Araghtschi. Der Sprecher des Außenministeriums, Esmail Baghaei, dämpfte hingegen die hohen Erwartungen. Die Vereinbarung werde am Sonntag und Montag nicht unterschrieben, sagte er.
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Iranische Kommentatoren spekulierten, dass die iranische Führung Trump kein Geburtstagsgeschenk machen wollte. Der US-Präsident feierte am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Baghaei wies auf einen weiteren möglichen Grund hin: Vor einem Jahr hatte Israel den Iran angegriffen.
Was steht bisher fest?
In einigen Punkten sind sich die USA und der Iran bereits einig. So haben die Länder entschieden, die Verhandlungen in zwei Phasen einzuteilen. Jede soll 60 Tage dauern. Im ersten Schritt wollen sie die Kampfhandlungen einstellen und die Blockade der Straße von Hormus aufheben. Auch will der Iran keine Transitgebühren für die Befahrung der Meerenge erheben.
Es handelt sich damit zunächst um einen erneuten Waffenstillstand, nicht um ein Friedensabkommen. Washington und Teheran hatten bereits am 8. April eine Feuerpause vereinbart, die seitdem aber von beiden Seiten mehrfach gebrochen wurde.
Die erste Phase des neuen Rahmenabkommens soll Vertrauen auf beiden Seiten bilden. Danach soll weitere 60 Tage über die entscheidenden Fragen, darunter das iranische Atomprogramm, verhandelt werden. Sollten diese innerhalb dieser Frist nicht geklärt werden, könne diese verlängert werden, sagte Irans Außenminister Araghtschi.
Schon jetzt gibt es indes Streitpunkte, die zum Scheitern der Vereinbarung führen könnten. Diese sind der Waffenstillstand im Libanon, die Umsetzung der Öffnung der Straße von Hormus sowie die Freigabe von eingefrorenen iranischen Vermögenswerten.
Der Iran besteht darauf, dass die Waffen an allen Fronten schweigen, wie es in Teheran heißt. Das bedeutet: Der Iran stellt seine Angriffe auf Israel und die Golfstaaten ein. Zudem stoppen die mit ihm verbündeten Milizen im Libanon, im Jemen und im Irak ihre Attacken auf Israel, den Schiffsverkehr im Roten Meer und US-Einrichtungen.
Die Sicht Israels auf die Verhandlungen
Besonders schwierig ist dabei die Umsetzung einer Feuerpause im Libanon, wo Israel Krieg gegen die Hisbollah-Miliz führt. Ob dies Teil des Rahmenabkommens ist, ist unklar. Der Iran besteht jedoch darauf, dass auch im Libanon die Waffen schweigen. „Wir haben den Libanon nicht vergessen“, sagte Araghtschi in einem Interview mit der staatlichen Fernseh- und Rundfunkanstalt Irib des Iran.
Israel und die Hisbollah, der wichtigste Verbündete des Iran in der Region, haben am 16. April eine Feuerpause vereinbart. Dennoch setzten beide Seiten ihre Angriffe fort.
Die israelischen Streitkräfte haben am Sonntag Dahiye angegriffen. Der Vorort von Beirut ist eine Hochburg der Hisbollah. Israel begründete den Angriff mit Drohnenangriffen der Miliz auf den Norden Israels. „Israel werde keine Angriffe auf sein Territorium dulden“, erklärten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz gemeinsam.
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Teheran hat noch nicht über Abkommen entschieden – berichtet Insider
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Der Krieg im Libanon hat nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits mehr als 3700 Tote und Tausende von Verletzten gefordert. Zehntausende wurden aus dem Süden des Landes vertrieben.
Israel hält große Gebiete besetzt und stieß in den letzten Tagen noch tiefer in das Nachbarland vor. Nach eigenen Angaben will es auch nicht aus den besetzten Gebieten abziehen, wie es der Iran fordert. Ein hochrangiger US-Vertreter erklärte in einem Hintergrundgespräch jedoch, dass der Libanon Teil des abschließenden Abkommens sein werde, wie US-Medien berichteten.
Ob dies Trump seinem Verbündeten Israel gegenüber durchsetzen kann, ist jedoch fraglich. Netanjahu hat immer wieder klargemacht, dass er im Nachbarland freie Hand haben will.
Im eigenen Land sieht sich Netanjahu scharfer Kritik ausgesetzt. Das gilt ebenfalls für linksliberale Kreise. Der Iran habe sich erneut als Regionalmacht etabliert, schrieb die Tageszeitung „Haaretz“. Der Kolumnist Ben Caspit schrieb gar, Netanjahu habe wichtige Schlachten gegen die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah gewonnen, er habe jedoch den Kampf gegen den Iran verloren.
Der Iran besteht auf der Kontrolle der Durchfahrt von Hormus
Teheran verzichtet jedoch auf Transitgebühren, wie er das noch im April gefordert und zum Teil durchgesetzt hat. Auf die Kontrolle der wichtigen Seestraße, durch die vor dem Krieg rund 20 Prozent der Energieexporte verschifft wurden, will der Iran aber nicht verzichten.
Die iranischen Streitkräfte würden für die „Sicherheit“ der Seestraße sorgen, sagte Araghtschi. Laut dem Außenminister werden Teheran und der Oman, der ebenfalls an die Straße von Hormus grenzt, innerhalb der nächsten 60 Tage ein Abkommen schließen, das den rechtlichen Rahmen für die Durchfahrt bilden soll.
Laut iranischen Medienberichten erhält der Iran mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands den Zugriff auf mindestens zwölf Milliarden Dollar der in den USA eingefrorenen Vermögenswerte. US-Vizepräsident J.D. Vance sagte hingegen, nur für die „Unterzeichnung eines Deals oder die Teilnahme an einem Treffen“ erhalte Teheran „keinerlei Geld oder Mittel“. Sollte der Iran indes „seine Verpflichtungen einhalten“, werde der Iran und die gesamte Region von den wirtschaftlichen Vorteilen profitieren.
Die heiklen Punkte kommen erst noch
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Die wichtigsten Streitfragen, wie das Atom- und Raketenprogramm, wurden erst einmal vertagt. Dabei liegen die Forderungen Teherans und Washingtons offenbar noch weit auseinander.
Es geht hierbei um die Vernichtung der 400 Kilogramm hochangereicherten Urans, die tief unter der Erde in einer Nuklearanlage bei Isfahan vergraben sind, aber auch grundsätzlich um Irans Urananreicherung. Bisher verlangte Trump, dass der Iran die 400 Kilogramm Spaltmaterial, die sich theoretisch schnell zu waffenfähigem Uran anreichern ließen, an die USA übergibt. Zudem forderte der US-Präsident, dass der Iran komplett auf die Urananreicherung verzichtet. Das lehnt das Regime in Teheran jedoch ab.
Trump scheint aber nun von seiner Forderung abgekommen zu sein. Der Iran werde auf Atomwaffen verzichten und sich auch keine beschaffen oder entwickeln, erklärte er am Samstag. Das Regime hat freilich immer beteuert, es werde keine Atomwaffen bauen.
Mehr: Kommentar: Trump erleidet im Iran den totalen Kontroll- und Autoritätsverlust
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