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Kaufland: Wachstum im Ausland, aber im Inland hinter den Erwartungen
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Handelsblatt6/22/2026Business5 min readGermany

Kaufland: Wachstum im Ausland, aber im Inland hinter den Erwartungen

Quick Look

  • Kaufland verzeichnet starkes Wachstum im Ausland, während das deutsche Kerngeschäft hinter den Erwartungen zurückbleibt.
  • Ein internes Video enthüllte Kundenkaufzurückhaltung und sinkende Frequenzen in bestehenden Filialen, trotz der Integration von Real-Standorten.
  • Maßnahmen zur Modernisierung und Digitalisierung laufen.

AI-generated summary

Why It Matters

Kaufland, eine Tochter der Schwarz-Gruppe, feierte zuletzt ein starkes Umsatzwachstum von 4,3 Prozent auf 36,7 Milliarden Euro. Das Wachstum kam jedoch primär aus dem Ausland.

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Düsseldorf. Kaufland wächst, aber das Wachstum kommt vor allem aus dem Ausland. Im deutschen Kerngeschäft läuft die Handelskette nach Informationen aus Unternehmenskreisen deutlich hinter Plan.

Dabei hatte die Schwarz-Gruppe die Erfolge ihrer Tochter Kaufland noch vor Kurzem gefeiert. Um 4,3 Prozent auf 36,7 Milliarden Euro sei der Umsatz in dem Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr gewachsen, hieß es in einer Pressemitteilung.

Wie sich Deutschland entwickelt, ist von außen schwer zu prüfen: Kaufland weist für den Heimatmarkt keine Umsatzzahlen aus. Auf Nachfrage des Handelsblatts bestreitet das Unternehmen, dass der Umsatz hier im vergangenen Jahr gesunken sei. „Kaufland ist auch in Deutschland im vergangenen Geschäftsjahr gewachsen und hat im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr mehr Umsatz erzielt“, teilte ein Sprecher mit.

Doch gerade im ersten Halbjahr soll es bei Kaufland schlecht gelaufen sein. Das Unternehmen holte Anfang August Stefan Hoppe als neuen Deutschlandchef. Hoppe hatte zuvor als Landeschef in Polen Erfolge gefeiert und soll nun in Deutschland die Wende schaffen.

Doch jetzt sorgte Hoppe unfreiwillig dafür, dass auch außerhalb des Unternehmens bekannt wurde, wie sehr die schwierige Situation der Branche die Handelskette belastet. In einem Video, das nur für die Belegschaft gedacht war, räumte er ein, dass das Unternehmen die Kaufzurückhaltung spürt. Die Kunden kauften weniger und dann eher billigere Artikel.

Das Youtube-Video sei nicht zur öffentlichen Verbreitung bestimmt und ausschließlich über einen intern an Angestellte geteilten Link erreichbar gewesen, teilte der Kaufland-Sprecher dazu mit. Doch diese schickten den Link weiter, sodass das Video in der Branche die Runde machte. Mittlerweile ist es nicht mehr abrufbar, doch die Aufregung im Unternehmen ist groß.

An einigen Kaufland-Standorten soll der Umsatz nach Informationen aus Unternehmenskreisen um bis zu 15 Prozent zum Vorjahr eingebrochen sein. Kaufland dementiert das nicht, sondern teilt dazu mit: „Die Betrachtung einzelner Standorte bildet nicht die allgemeine Entwicklung unseres Geschäftes ab.“

Doch gerade die Differenzierung macht die Betrachtung spannend. Denn Kaufland hat im vergangenen Geschäftsjahr 25 Filialen neu eröffnet oder nach Modernisierung wiedereröffnet. 16 davon sind ehemalige Real-Häuser und waren vorher nicht in der Umsatzbasis enthalten. Damit ist die Integration von insgesamt 125 Real-Standorten abgeschlossen.

Allein durch die Real-Integration hätte der Umsatz in Deutschland rechnerisch sogar sehr deutlich steigen müssen. Den durchschnittlichen Umsatz pro Quadratmeter bei Kaufland beziffert der aktuelle Hahn Retail Real Estate Report auf 6520 Euro. Legt man die durchschnittliche Größe einer Kaufland-Filiale von 4500 Quadratmetern zugrunde, müssten allein die zuletzt integrierten 16 ehemaligen Real-Läden einen Zusatzumsatz von 470 Millionen Euro bringen. Das sind mehr als zwei Prozent des Jahresumsatzes in Deutschland, den der Hahn-Report auf gut 23 Milliarden Euro schätzt.

Eine Analyse des Marktforschungsunternehmens Accurat, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, legt nahe, dass das Umsatzwachstum in Deutschland ausschließlich aus dem Netzausbau kam. Accurat sammelt europaweit Millionen Datenpunkte von Verbrauchern, die der Auswertung ihres Bewegungsprofils zugestimmt haben. Das Unternehmen wertet diese Datenbank in Echtzeit aus.

Damit kann es auf die Filiale genau die Kundenbewegungen auswerten. Dabei zeigt sich: In den bestehenden Kaufland-Filialen sank der Anteil an den gemessenen Besucherströmen im Lebensmitteleinzelhandel um 0,4 Prozentpunkte. Bei den unter dem Namen Kaufland neu eröffneten Filialen stieg er dagegen um 0,1 Prozentpunkte.

Aber auch insgesamt zeigen die Kundenfrequenzen bei Kaufland eine rückläufige Tendenz. So hatte Kaufland nach den Daten von Accurat im Jahr 2024 noch einen Anteil von 8,4 Prozent an der Gesamtzahl der Besucher im Lebensmitteleinzelhandel. 2025 waren es im Schnitt noch 8,1 Prozent, in mehreren Monaten fiel der Anteil sogar unter acht Prozent.

„Kaufland spürt aktuell, wie eigentlich der gesamte Lebensmittelhandel auch, konjunkturellen Gegenwind“, sagt Einzelhandelsexperte Boris Planer. Selbst wenn die Kunden noch kommen, aber preisbewusster einkaufen, häufiger zu Eigenmarken greifen und kleinere Warenkörbe haben, entstehe erheblicher Druck auf Umsatz und Ertrag.

Planer sieht darüber hinaus bei Kaufland auch ein strukturelles Problem. „Die kleineren Haushalte, der rückläufige Bedarf für wöchentliche Großeinkäufe, der höhere Zeitaufwand für Kunden und die Verlagerung von Non-Food ins Internet: All diese Entwicklungen stellen das klassische Hypermarktmodell schon seit Jahren vor Herausforderungen“, sagt er. Als Hypermärkte werden in der Regel Kaufhäuser mit mehr als 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche bezeichnet.

Das Unternehmen räumt zumindest Aufholbedarf ein: „Insbesondere im zweiten Halbjahr konnten wir bei Umsatz und Kundenfrequenz in Deutschland zulegen“, sagte der Sprecher und ergänzte: „Unsere Maßnahmen zur Stärkung von Frische und Sortiment sowie unsere Investitionen ins Einkaufserlebnis zeigen Wirkung.“

Bis zu 60 Standorte würden im laufenden Geschäftsjahr in Deutschland modernisiert. Dazu gehörten unter anderem neue Kühlmöbel, ein frischeres Ladenlayout, eine bessere Beleuchtung und eine optimierte Wegführung, teilte das Unternehmen auf Nachfrage mit. Zusätzlich treibt der Händler die Digitalisierung voran. In diesem Jahr stattet er weitere 220 Filialen mit Selbstbedienungskassen aus. Auch das Kundenkartenprogramm baut er aus.

„Viele der angekündigten Maßnahmen, von der Filialmodernisierung über die Fokussierung auf Eigenmarken und die Selbstbedienungskassen bis zu den Kundenkartenprogrammen, gehören heute zum Standardrepertoire des Handels“, gibt Experte Planer zu bedenken.

Es stelle sich also nicht nur die Frage, wie Kaufland kurzfristig Kosten senkt. Die Herausforderung sei, wie attraktiv und profitabel großflächige Handelsformate in Europa angesichts der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung in zehn Jahren noch sein werden. „Die entscheidende Aufgabe dürfte darin liegen, das Format sich schnell verändernden Konsumgewohnheiten anzupassen“, sagt Planer.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Kaufland wird kurzfristig Kosten senken müssen, um die Margen zu stabilisieren.

    Likely · Within months

  • Die Attraktivität großflächiger Handelsformate wird in zehn Jahren weiter sinken.

    Speculative · Within years

Open Questions

  • Wie stark sind die Umsatzeinbrüche an einzelnen Standorten wirklich?
  • Wie erfolgreich werden die Modernisierungs- und Digitalisierungsmaßnahmen sein?
  • Kann Kaufland das Hypermarktmodell an veränderte Konsumgewohnheiten anpassen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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