Kritik an FIFA: Balogun-Fall sorgt für Wirbel im Weltfußball
Quick Look
- Spaniens Liga-Chef Javier Tebas kritisiert die FIFA und Verbände für ihr Schweigen im Fall Folarin Balogun.
- Der Fall untergrabe die Glaubwürdigkeit des Fußballs.
- Auch Blatter und Schweinsteiger äußern Kritik an FIFA-Präsident Infantino.
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Why It Matters
Der Fall Folarin Balogun und die Kritik an der FIFA wegen angeblicher willkürlicher Entscheidungen und mangelnder Transparenz dominieren die Berichterstattung.
Spaniens Liga-Chef Javier Tebas hat anlässlich des Falles Folarin Balogun die Fifa als auch andere Nationalverbände für ihr Schweigen kritisiert. „Der Weltfußball verdient Institutionen, die rechenschaftspflichtig sind, die Regeln respektieren und transparent regieren – nicht durch einseitige, willkürliche Entscheidungen, die das Vertrauen von Fans, Vereinen, Ligen und Spielern zerstören“, schrieb der 63-Jährige auf der Plattform X.
Nach Meinung von Tebas ist der Fall Balogun nur die „Spitze des Eisbergs“ einer Reihe von Ereignissen, die „seit vielen Jahren die Glaubwürdigkeit der Fifa und des Fußballs im Allgemeinen untergraben“. Die Fifa sei ein geschlossener Zirkel, in dem Entscheidungen ohne Abstimmung und ohne Konsultation der nationalen Ligen getroffen würden. „Und das Schlimmste ist, dass ein Großteil der Fußballwelt das weiß, aber zu viele lieber schweigen“, befand Tebas und fügte an: „Denn Schweigen ist bequemer, als Unabhängigkeit, Transparenz und gute Regierungsführung zu verteidigen.“
Erst patzt Lionel Messi, dann rettet er den Weltmeister: In einem Drama hat Argentinien auch dank seines Superstars das WM-Aus im Achtelfinale gerade noch verhindert. Nach einem Zwei-Tore-Rückstand drehte Argentinien das Spiel gegen Ägypten in der Schlussphase noch zu einem 3:2 (0:1) und darf weiter vom vierten Triumph träumen.
Messi (84. Minute), der in der ersten Hälfte einen Elfmeter verschossen hatte, und Cristian Romero (79.) hatten mit ihren Toren den ägyptischen Vorsprung durch Yasser Ibrahim (15.) und Mostafa Ziko (67.) zunächst ausgeglichen. Enzo Fernández sorgte in der Nachspielzeit mit dem Siegtor für unbändige Euphorie bei der Albiceleste (90.+2). Ägypten verpasste hingegen seine erstmalige Viertelfinal-Teilnahme bei einer WM.
Der Skandal um die rassistischen Beleidigungen des französischen Topstars Kylian Mbappé schlägt weiter hohe Wellen. Frankreichs Fußballverband reichte eine Anzeige gegen die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia ein. Ihre Bemerkungen seien „verabscheuungswürdig und inakzeptabel“, hieß in einem Statement des Verbands.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat die Aufhebung der Rot-Sperre für Folarin Balogun nach einem Anruf zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino scharf kritisiert. „Selbst wenn es nicht den Anruf bei Infantino gegeben hätte, wäre das Ganze furchtbar für den Fußball. Gott sei Dank hat Belgien gewonnen“, sagte Völler in Frankfurt/Main nach dem 1:4 der USA im Achtelfinale der Fußball-WM gegen Belgien.
Selbst Infantino werde nach dem Erfolg Belgiens ein „Stein vom Herzen gefallen sein“, erklärte Völler. „Auch wenn er das nicht zugeben wird. Aber ich kenne ihn ja. Das Entscheidende ist, und das ist viel schlimmer als dieser Friedenspreis, über den man schmunzeln kann: Das hat definitiv dem Fußball geschadet.“
Rudi Völler bleibt bis zur EM 2028 Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes und will in einem Team mit dem designierten Bundestrainer Jürgen Klopp zum Wiederaufbau der Nationalmannschaft beitragen. Das erklärte der 66-Jährige nach Gesprächen mit Klopp und der Verbandsspitze.
Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter hat seinen Nachfolger Gianni Infantino im Umgang mit der Sperre des US-Spielers Folarin Balogun bei der WM erneut scharf kritisiert. „Der heutige Fifa-Präsident hat sich Donald Trump unterworfen. Das darf nicht passieren“, sagte Blatter dem Schweizer Newsportal „nau.ch“. Bereits am Vortag hatte Blatter den Weltverband in einem Post bei X kritisiert.
Mit einem grundsätzlichen Blick auf die Besetzung des Fifa-Präsidenten könnte sich der Schweizer einen Wandel vorstellen. „Es braucht vor allem eine Persönlichkeit, die unabhängig ist“, sagte der ehemalige Schweizer Fußballfunktionär. „Vielleicht sogar jemanden von außerhalb des Systems.“
Ex-WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose hat seinem Nachfolger Lionel Messi auch am Telefon seine Glückwünsche übermittelt. „Messi ist ein brutales Phänomen. Der argentinische Nationaltrainer Lionel Scaloni war mein Mitspieler bei Lazio Rom, wir stehen noch regelmäßig in Kontakt. Er hat ein Telefonat von Messi und mir arrangiert, nachdem er meinen WM-Torrekord eingestellt hat. Das war schon sehr bewegend“, sagte der Trainer des 1. FC Nürnberg bei einem WM-Talk des Zweitligisten.
„Messi und ich sind uns natürlich immer mal wieder auf dem Platz begegnet. Das Telefonat jetzt war aber das erste Mal, dass wir abseits davon etwas länger miteinander gesprochen haben. Er hat gesagt, er schickt mir ein unterschriebenes Trikot“, sagte Klose laut Clubmitteilung weiter. Messi, der vor dem Achtelfinale gegen Ägypten auf 20 WM-Tore kommt, hatte Klose bei der Vorrundenpartie gegen Österreich mit seinem 17. WM-Tor als Rekordtorschütze abgelöst.
Fifa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina hat den brasilianischen WM-Schiedsrichter Raphael Claus nach der Kritik von US-Präsident Donald Trump in Schutz genommen. „Er ist ein erfahrener und hoch angesehener Schiedsrichter, und wir haben volles Vertrauen in ihn als zuverlässigen Unparteiischen“, zitierte die Nachrichtenagentur AP den Italiener.
Der Brasilianer war nach seiner Roten Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun unter öffentlichen Druck geraten. Claus hatte Balogun beim 2:0-Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gezeigt. Der Amerikaner traf seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic in einem Zweikampf hart, Claus schaute sich die Szene noch einmal an und entschied auf Rot. US-Präsident Trump hatte bei einem Statement im Weißen Haus am Montag den Platzverweis kritisiert. Außerdem hatte er gesagt, dass der 46-jährige Brasilianer „etwas verdächtig“ sei, „wenn man sich seine Vergangenheit ansieht“, Trump hatte das aber nicht näher ausgeführt.
Uli Hoeneß würde eine Aufgabe von Ex-Weltmeister Per Mertesacker im deutschen Fußball sehr begrüßen. „Er hat als ehemaliger Profi große internationale Erfahrung. Er hat immer gezeigt, wie gut er mit Menschen umgehen kann“, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München der „Bild“.
Ein kleiner Schockmoment für Englands Trainer Thomas Tuchel hat nach dem umjubelten Achtelfinal-Erfolg gegen Mexiko für Lacher in der englischen Kabine gesorgt. Das Team spielte seinem Coach einen Streich, wie ein Instagram-Video zeigte. Darin ist zu sehen, wie sich Verteidiger John Stones nach dem Spiel mitten in den Feierlichkeiten in der Kabine plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht die rechte Schulter hält. Mittelfeldspieler Declan Rice macht den deutschen Trainer auf die vermeintliche Verletzung aufmerksam, Tuchel schaut tatsächlich mit besorgter Miene in die Richtung seines Verteidigers.
Als dann im Hintergrund der Refrain des Songs „Talk To You“ der niederländischen House-Musikgruppe „ANOTR“ einsetzt, beginnt Stones, mit seinem scheinbar verletzten Arm zur Musik zu tanzen. In der Kabine der Three Lions bricht Gelächter aus, auch Tuchel fängt an zu lachen und nimmt seinen Schützling in den Arm. Eine Schulterverletzung wäre an dem Abend besonders bitter gewesen: Stones' Teamkollege Jordan Henderson hatte sich nach dem Spiel bereits am Handgelenk verletzt, als er bei der Party vor den Fans der Three Lions über eine Bande stürzte. Im Viertelfinale trifft England am Samstag (23.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT und bei MagentaTV) in Miami auf Norwegen.
Belgien bangt vor dem Viertelfinale gegen Spanien um Mittelfeldspieler Amadou Onana. „Ich befürchte, Amadou fällt für das nächste Spiel im Turnier aus. Ich hoffe nicht, aber ich habe das Gefühl, dass er nicht dabei ist“, sagte Nationaltrainer Rudi Garcia nach dem 4:1 im Achtelfinale gegen die USA. Onana war schon in der 21. Minute ausgewechselt worden. „Wir fürchten, es ist eine ernsthafte Verletzung. Das sind keine guten Nachrichten für ihn und für uns als Team“, sagte Garcia.
Onana hatte sich gegen die USA in einer Aktion scheinbar das Knie verdreht. In der zweiten Halbzeit war er am Spielfeldrand zu sehen, als er an Krücken ging und eine Schiene ums rechte Bein trug.
Zu einem Post der belgischen Nationalmannschaft in den sozialen Medien wurde zum 4:1-Erfolg im Achtelfinale gegen die USA eine süffisante Überschrift gewählt. Zu Bildern von Romelu Lukaku, Torschütze zum 4:1, hieß es: „Hebt das auf.“ Eine klare Anspielung an die Fifa-Entscheidung, die Rot-Sperre von Folarin Balogun aufzuheben. Der US-Stürmer durfte nach der Begnadigung spielen, die es nach einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino gegeben hatte.
Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger hat die Fifa für ihr Verhalten in der Causa Folarin Balogun kritisiert. „Es darf nicht dazu kommen, dass Staaten eingreifen“, sagte der 41-Jährige in seiner Rolle als TV-Experte der ARD. „Das geht nicht.“ Der ganze Vorgang werfe kein gutes Licht auf den Fußball-Weltverband. Er könne die Entscheidung „nicht nachvollziehen“. Balogun wurde nach einer Roten Karte von der Fifa begnadigt, die Sperre des Stürmers zur Bewährung ausgesetzt.
Ex-Bundesliga-Referee Lutz Wagner, der die Partie in Seattle von Köln aus als ARD-Schiedsrichter-Experte verfolgte, zeigte sich „geschockt“ über die Verfahrensweise – im Vorfeld der Entscheidung hatte es ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino gegeben. Durch den Eingriff sei ein „Präzedenzfall“ geschaffen worden, „und der schadet der Glaubwürdigkeit des Sports generell“.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
FIFA wird ihre Governance-Strukturen überdenken müssen.
Possible · Medium term
Weitere Fälle von staatlicher Einflussnahme könnten aufgedeckt werden.
Speculative · Long term
Open Questions
- Wie wird die FIFA auf die anhaltende Kritik reagieren?
- Welche Konsequenzen hat der Fall Balogun für zukünftige FIFA-Entscheidungen?
- Wird es weitere Interventionen von Staaten geben?







