
Ein Landrat verharmlost mutmaßliche Brandstiftungen im Rheingau-Taunus-Kreis als Tatzustand von „Knallköppen“. Das verfehlt die Ernsthaftigkeit der Bedrohung durch Waldbrände in trockenen Sommern.
Die Wortwahl von Landrat Sandro Zehner zu mutmaßlichen Brandstiftern als „Knallköppe“ verharmlost die erhebliche Gefahr von Waldbränden in trockenen Sommern und setzt die ehrenamtlichen Rettungskräfte aufs Spiel.
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Im Rheingau-Taunus-Kreis kam es in einem Hitzesommer zu mehreren mutmaßlichen Bränden durch Brandstifter.
Womöglich hat er es nicht so harmlos gemeint, wie es geklungen hat. Aber die Aussage von Landrat Sandro Zehner (CDU) zu dem Brandstifter, der in diesem Hitzesommer mutmaßlich für mehrere Brände im Rheingau-Taunus-Kreis verantwortlich ist, schlägt fehl. Er sei ein „Knallkopp“, sagte der CDU-Politiker. Tatsächlich geht seine Wortwahl an der Ernsthaftigkeit der Sache vorbei.
Wir schauen nach Frankreich, nach Spanien, nach Portugal. Sehen ganze Feuerwände, die einem Inferno gleichen, und denken: wie schrecklich. Und gut, dass das bei uns nicht so ist. Dabei ist das ein Trugschluss. Unsere Feuer in den heimischen Wäldern sind zwar längst nicht so ausgedehnt, sie erreichen (noch) keine Wohnsiedlungen. Zerstören keine Häuser, keine Existenzen. Aber das ist womöglich nur eine Frage der Zeit und des Glücks.
Brandstifter spielen mit dem Leben von Menschen
Denn wo in trockener Vegetation bewusst Feuer gelegt wird, ist eine mögliche Katastrophe nicht mehr fern. Jeder, der sich mit der Dynamik von Waldbränden auskennt, weiß, dass sich inzwischen auch in Deutschland anfangs kleine Feuer schnell zu einem Flächenbrand entwickeln können. Das Zusammenspiel von Hitze, Trockenheit und entsprechend anfälligem Brennmaterial ist in extremen Sommern wie diesem ähnlich risikobehaftet wie in südlichen Gefilden. Der Blick muss nicht nach Südeuropa reichen. Auch in heimischen waldreichen Gebieten sollte die Sensibilität hoch sein, was uns im schlimmsten Fall erwarten kann.
Deshalb sind Feuerteufel eben keine „Knallköppe“. Sie spielen mit dem Leben von Menschen. Und nicht nur das. Sie fordern ein System heraus, das, wie bei der Feuerwehr im ländlichen Raum, fast ausschließlich auf Ehrenamt beruht. Gleiches gilt für die Infrastruktur, die in Zeiten wie diesen, in denen wir über die Gefahr von hybriden Angriffen sprechen, von größeren Blackouts, über Risiken von Extremwetterlagen bis hin zu Starkregen, Hochwasser und schweren Stürmen, ohnehin besonders gefordert ist.
Dass sich eine Gesellschaft leistet, die Sicherung einer so wichtigen Infrastruktur in ehrenamtliche Hände zu geben, ist ein Vertrauensbeweis des Staates in seine Bürger. In jene, die sich neben Arbeit und Familie eben keine Freizeit gönnen, sondern sich in Krisensituationen über die Maßen engagieren. Diese Errungenschaft verdient Respekt.
Jenen, die das System durch strafrechtlich relevantes Verhalten wie das Legen von Bränden bewusst herausfordern und mit Füßen treten, muss der Rechtsstaat entsprechend entgegentreten. Den Verdacht auf mutwilliges Zündeln gibt es nicht nur in Hessen, sondern überall in Deutschland. Auch dort sind die Brandstifter Täter und keine „Knallköppe“.

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