Live-Gesichtserkennung in London: Sicherheit versus Freiheit
Quick Look
- Die Londoner Polizei setzt im Stadtteil Chelsea Live-Gesichtserkennung ein, um gesuchte Personen zu identifizieren und festzunehmen, was zu zahlreichen Festnahmen führte.
- Während die Polizei die Technologie als Erfolg feiert, löst der Einsatz bei Passanten gemischte Gefühle aus und Kritiker fordern klare gesetzliche Regelungen zum Schutz der Privatsphäre.
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Why It Matters
Die Londoner Polizei setzt im Stadtteil Chelsea Live-Gesichtserkennung ein, um gesuchte Personen zu identifizieren und festzunehmen. Seit 2024 wurden so bereits 2.500 Personen festgenommen, was die Polizei als großen Erfolg wertet.
Auf dem breiten Bürgersteig des Sloane Square im Londoner Stadtteil Chelsea steht ein roter Lieferwagen. Auf dem Dach: Überwachungskameras. Gleich um die Ecke: ein Gerüst mit weiteren Kameras. Vor dem Van stehen einige uniformierte Polizisten.
Hier, in dieser Einkaufsstraße, ist viel los. Die Kameras scannen die Gesichter der Passanten, eine Software gleicht die Bilder direkt mit einer Datenbank ab, in der Personen registriert sind, die gesucht werden. Gibt es einen Alarm, erscheint ein Bild auf den Mobiltelefonen der Einsatzkräfte. Festnahmen gibt es fast täglich.
Polizei verweist auf Erfolge
Ben Russell, Direktor der nachrichtendienstlichen Abteilung bei der Polizei wertet den Einsatz als großen Erfolg. Seit 2024 seien 2.500 Personen festgenommen worden - fast 900 allein in diesem Jahr. Die Technologie sei sehr effektiv.
Während des Interviews mit ihm wird an der nächsten Straßenecke ein Mann festgenommen. Es habe einen Alarm gegeben, weil der Verdächtige vor Jahren einen Polizisten attackiert haben soll.
Die Polizisten legen einem Mann Handschellen an, nachdem sie seine Identität feststellen konnten. Er wird abgeführt. Direkt um die Ecke wird eine Frau angehalten, weil sie zu einem gerichtlich angeordneten Drogentest nicht erschienen ist.
Fehlalarm gebe es äußerst selten, sagt die Polizei. Allein aufgrund einer Übereinstimmung mit der Datenbank erfolgt auch keine Festnahme. Dazu muss die Identität überprüft werden, auch mit Hilfe von Dokumenten.
Mehr Sicherheit oder mehr Freiheiten?
Bei den Passantinnen und Passanten löst der Einsatz gemischte Gefühle aus. Eine junge Frau ist der Meinung, dass sie sich wegen der Polizeipräsenz sicherer fühlt. Eine ältere Dame, die am Van vorbei geht, meint, man müsse abwägen zwischen der Erosion der Freiheitsrechte und der Bekämpfung von Kriminalität in einer Stadt wie London. Eine andere Frau beklagt, dass es zu viel Überwachung gebe.
In London sind fast an jeder Straßenecke Kameras angebracht. Bei Ermittlungen greifen die Polizisten auf das Bildmaterial zurück, um Täter fassen zu können. Das unterscheidet sich jedoch von der Live-Gesichtserkennung, die nun eingeführt wird. Denn bislang muss es eine Ermittlung geben, um auf das Material zugreifen zu können - die Live-Gesichtserkennung fahndet nach Personen, die in einer Datenbank registriert sind.
Gesetzentwurf steht noch aus
Kritiker halten das neue Verfahren für einen massiven Eingriff in die Privatsphäre. Ist das der Anfang des Polizeistaates? Jack Coulson von Big Brother Watch führt an, dass bislang nicht geregelt sei, wie die Polizei die Gesichtserkennung verwenden dürfe.
Der Gesichtsscan sei sensibel, eindeutig zuzuordnen und könnte gespeichert werden. "Diese Daten könnten also für alles Mögliche genutzt werden. Das ist eine gravierende Maßnahme und ein machtvolles Instrument für jede Regierung", sagt Coulson.
Organisationen wie Big Brother Watch fordern klare Regeln, wann die Polizei wo aus welchen Gründen die Live-Gesichtserkennung durchführen darf. Geregelt werden soll auch, dass es keine Speicherung der Daten gibt.
Ein Gesetzesentwurf ist für den Herbst geplant. Die Polizei schafft bereits weitere Kameras und Lieferwagen an.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Ein Gesetzesentwurf zur Regelung der Live-Gesichtserkennung wird im Herbst geplant.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie wird die Nutzung der Gesichtserkennung gesetzlich geregelt?
- Welche Daten werden gespeichert und wie lange?
- Wie wird der Missbrauch der Technologie verhindert?




