Lufthansa feiert 100 Jahre - doch Kriege trüben die Stimmung
Jubiläumsfest in Frankfurt mit Kanzler Merz: Iran-Krieg gefährdet Kerosinversorgung und Fernost-Routen
Quick Look
- Lufthansa begeht ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Festakt in Frankfurt, an dem Kanzler Merz und Ministerpräsident Rhein teilnehmen.
- Doch der Iran-Krieg droht das Geschäft zu belasten: Die Kerosinversorgung ist gefährdet, weil weniger Rohöl aus dem Iran kommt und die Preise steigen.
- Zusätzlich schränken der Ukraine- und Iran-Krieg den nutzbaren Luftraum ein, was Umwege und höhere Kosten für Langstreckenflüge bedeutet.
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Why It Matters
Lufthansa wurde 1926 gegründet und ist eine der größten europäischen Fluggesellschaften. Die Luftfahrtbranche ist besonders anfällig für geopolitische Krisen, was die multiple Belastungen durch Ukraine- und Iran-Krieg zeigen. Die Branche hat Corona-Verluste weitgehend überwunden, steht aber vor neuen Herausforderungen.
Die Lufthansa feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum mit einem Festakt in Frankfurt - mit dabei sind Kanzler Friedrich Merz und der hessische Ministerpräsident Boris Rhein. Doch so einiges könnte die Stimmung trüben; und zwar nicht nur demonstrierende Flugbegleiter, streikende Piloten und zähe Tarifverhandlungen. Die Luftfahrt ist insgesamt mühsam geworden. Erst zwang der Ukraine-Krieg zu teuren Umleitungen, jetzt bedroht der Iran-Krieg das Geschäft von Lufthansa und vielen anderen Fluggesellschaften. Höhere Flugpreise dürften die Folge sein.
Wird Kerosin knapp? Das liegt erst einmal daran, dass Flugzeuge enorme Mengen Kerosin verbrennen. "Unsere Flugzeuge tanken 1.000 Tonnen Kerosin je Stunde", sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Wegen des Iran-Kriegs gibt es weniger Nachschub von Rohöl. Die Lager leeren sich und die Preise steigen. Lufthansa und einige andere Fluggesellschaften sichern ihren Spritbedarf vertraglich auf ein Jahr ("Futures"). Doch die Sorge wächst, dass sich die Vertragspartner übernommen haben könnten. Trotz gültiger Lieferverträge mag es in Zukunft schlicht nicht mehr genug Kerosin geben.
In Europa sei die Lage am Kerosinmarkt noch nicht kritisch, sagt Alexander Klay vom Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft. Europäische Raffinerien produzieren aus Rohöl beliebiger Herkunft sämtliche Kraftstoffe bis hin zum sehr aufwändigen Kerosin. Länder ohne Raffinerie-Industrie haben sich dagegen oft an Lieferanten gebunden, die direkt an arabischen und iranischen Ölquellen hängen. Kommende Kerosin-Knappheit zeigt sich schon jetzt in Asien: Die Flughäfen von Singapur und Thailand beispielsweise sind nicht bereit, neue Flugverbindungen anzunehmen. Dahinter dürfte die Sorge stecken, dass der Treibstoff schon für die vorhandenen Flugpartner knapp werden könnte.
Umwege wegen Krieges
Zusätzlich zum Ukraine-Krieg schränkt der Iran-Krieg den sicher nutzbaren Luftraum weiter ein. Dass Fluggesellschaften gut daran tun, sich von Kriegsgebieten fernzuhalten, zeigt der Fall von Flug 8243 von Azerbaijan Airlines vor anderthalb Jahren. Offenbar traf Beschuss durch die russische Luftabwehr das kleine Verkehrsflugzeug. Bei der Notlandung starben 38 Menschen. Auch weitreichende elektronische Kriegsführung bereitet Fluggesellschaften Sorgen. Wenn Kriegsparteien Navigationssysteme und den Funkverkehr stören, tappen zivile Verkehrspiloten im navigatorischen Dunkel. Es gilt, die funkgestörten Gebiete weiträumig zu umfliegen.
Weil russische Fluglinien vom Westen sanktioniert wurden, dürfen vor allem westliche Gesellschaften nicht mehr über Russland fliegen. Für betroffene Fernostflüge bedeutet das: Längere Flugzeiten und höhere Spritkosten. Da mit dem Iran-Krieg nun auch noch die Südroute eingeschränkt ist, wird es im verbliebenen Korridor über Georgien und Turkmenistan langsam eng.
Schwierige Planung bei Fluggesellschaften
Längere Flugzeiten machen die Einsatzplanungen der Fluggesellschaften schwierig. Flugzeuge, die früher nach einem Langstreckenflug wieder zurückflogen und in der heimischen Werft in der Nacht schnell gewartet werden konnten, müssen wegen ungünstiger Abflugzeiten jetzt am Zielort warten. Bei umgeleiteten Langstreckenflügen reicht die bisherige Crew nicht mehr. Wegen nötiger Ruhezeiten muss mehr Personal mitfliegen. Die Alternative ist, unterwegs neue Drehkreuze einzurichten, in denen Passagiere ihre Reise unterbrechen müssen, um in ein anderes Flugzeug mit frischer Besatzung und vollen Tanks umzusteigen. Durch die Sperre der großen arabischen Flughäfen im Iran-Krieg ist diese aufwändige Möglichkeit noch mühsamer geworden.
Konkurrenz am Himmel
Die Kriege haben auch die Konkurrenzlage im weltweiten Flugverkehr verschoben. Für europäische Fluggesellschaften sind Direktflüge nach Fernost unwirtschaftlich geworden. "Während sich westliche Airlines an Sanktionen halten müssen, nutzen chinesische, indische oder arabische Fluggesellschaften weiterhin die direkten Routen über den russischen Luftraum", schreibt der Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft. Dafür haben die Europäer auf den südlichen Routen ihre große arabische Konkurrenz abgehängt. Der fehlen derzeit die sicheren Heimatflughäfen. "Nach Asien und Afrika sehen wir Rekordauslastungen", sagte Lufthansa-Chef Spohr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Gestiegene Kosten werden von Branchenverbänden und Fluggesellschaften nur allgemein beschrieben, aber nicht in Zahlen gefasst. Die Fliegerei ist zwar sehr anfällig für Kriege, Pandemien und Naturkatastrophen, aber insgesamt doch ein gutes Geschäft. Lufthansa hat 2025 ein hoch profitables Geschäftsjahr abgeschlossen. Konkurrent Condor konnte gerade die Corona-bedingte Staatsbeteiligung zurückzahlen und hat sich auf Suche nach neuen Großaktionären gemacht.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Kerosinpreise werden in den kommenden Monaten weiter steigen
Very likely · Within months
Weitere Fluggesellschaften werden Routen kürzen oder einstellen
Likely · Within months
Ticketpreise für Langstreckenflüge werden um 10-20% steigen
Likely · Within months
Open Questions
- Wie stark werden die Kerosinpreise konkret steigen?
- Gibt es tatsächlich eine Kerosin-Knappheit in Europa?
- Welche konkreten Auswirkungen haben die Umwege auf die Ticketpreise?





